Artikel über Romanfigur
Der Frankfurter Privatdetektiv Peter Merton zieht wieder los
VON JAMAL TUSCHICK
Der Mensch ist des Menschen Wolf, sagt Thomas Hobbes. Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank, fragt Bert Brecht. Den kritischen Impetus variiert die Erkenntnis: Hinter jedem großen Vermögen steht ein großes Verbrechen. Die meisten Menschen streben aber ihrem irdischen Ende mit der Gewissheit entgegen, dass die großen Hasardspiele ohne sie stattfinden.
Das weiß Privatdetektiv Peter Merton, dessen Initialen auf ein unerreichtes Vorbild hinweisen. Sein Schöpfer, der Frankfurter Adolf Heinzlmeier, ist ein Liebhaber der Schwarzen Serie, zu der Verfilmungen von Raymond Chandlers Phil-Marlowe-Romane nicht zuletzt gehörten. Humphrey Bogart gab dem Ermittler in Los Angeles jene Statur, die zum Denkmal lakonischer Männlichkeit wurde. Heinzlmeier schuf ihm mit Merton ein Alter ego am Main zuerst in seinem Krimidebüt Todessturz (Gmeiner Verlag).
Die Nachfolge-de Story Bankrott stellte er nun in der Bornheimer Buchhandlung Naumann & Eisenbletter vor. Ein Banküberfall mit Geiselnahme eröffnet die Geschichte. Vor der Lesung charakterisierte Heinzlmeier den von antikapitalistisch gesinnten Dilettanten entführten Waller als „Altlinken ohne Arbeit". Selbstredend zeigt sich der zur Aufklärung herangezogene Held allen Verwicklungen mit melancholischem Durchblick gewachsen. Seine Ermittlungen unterbricht er in Frankfurter Cafés und Kneipen, die im Roman heißen wie in Wirklichkeit. Im Bethmann-Park „schnappt (er) einen Happen Luft". Auch hält er sich mit Allen Ginsberg auf. Tatsächlich bleibt ihm wenig mehr als „stilvoll zu verarmen". In der Zwischenzeit bilanziert er die Verluste seiner Generation. Waller ergänzt ihn. Die Gegenspieler sind sich ähnlich.
Das verriet der verhaltene Vortrag des Autors. Danach wurden ihm vom Publikum die historisch aufgerüsteten Beschreibungen der Stadt in Bankrott zu Gute gehalten. Ferner fand man erfreulich, dass Heinzlmeier mit Wallers Arbeitslosigkeit und Mertons selbstständiger Armut die großen Themen unserer Zeit zu Romangegenständen gemacht hat. Dem Gelobten gelang es schließlich noch, ein weiteres Idol seiner Jugend ins Spiel zu bringen. Das geschah kurz vor Mitternacht in einem öffentlichen Wohnzimmer des Nordens. Im „Gauß" zitierte er Frank Sinatra: „I did it my way". Und weil's so schön und treffend ist, hier noch die ersten Zeilen des Evergreens: „And now, the end is near; and so I face the final curtain."
Frankfurter Rundschau 23.03.2006
