Im Schatten der Zeit
(Originalausgabe)
»Die Kindersoldaten sehen mich erwartungsvoll an. Durch den Sucher sehe ich ihre freundlichen, unschuldigen Gesichter. Und einen wütenden Vorgesetzten, der quer über den Platz gerannt kommt. Ich drücke auf den Auslöser, verneige mich dankend vor der Gruppe, drehe mich um und gehe langsam mit Ruth die Straße zurück nach Bad Langensalza.« Ein vermeintlich harmloses Foto, aufgenommen in der DDR im Jahr 1950, bringt einen jungen Mann aus Westdeutschland in der gerade erst entstandenen kommunistischen Diktatur hinter Schloss und Riegel - wo er vier Jahre seines Lebens verliert. Seine detaillierten Schilderungen des Gefängnisalltags und der Insassen entwerfen ein beeindruckendes Panorama des Nachkriegsdeutschland aus der Zuchthausperspektive und setzen den zahlreichen Opfern des kommunistischen Regimes ein spätes Denkmal. Ein autobiografischer Bericht von erschütternder intensität.
Oskar Rösner, 1929 in Königinhof/Tschechien geboren, arbeitete nach dem Abitur als freier Journalist in Stuttgart. Im Jahr 1950 Verhaftung durch den SSD und rechtswidrige Überstellung an die Sowjets, anschließend über vier Jahre Haft in Bautzen und Torgau. Nach der Amnestie im Jahr 1954 wurde er Gesellschafter und Geschäftsführer in einem Verlag für Technische Dokumentation. Die Militärhauptstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation hat Oskar Rösner im Jahr 1995 voll rehabilitiert. Oskar Rösner starb am 21. Februar 2006 in Vlotho.


