Das Paradies im Boudoir

Glanz und Elend der erotischen Libertinage im Zeitalter der Aufklärung
(Originalausgabe)

Die Befreiung des Menschen in Denken und Handeln aus seiner Unmündigkeit ist das vornehmste und zugleich müh­samste Ziel der Aufklärung. Ein Licht ganz eigener Couleur aber hat die Aufklärung der Tradition vor allem in Frankreich aufgesteckt: die rote Laterne der Libertinage.
Herkömmliche Studien zur Libertinage konzentrieren sich vorwiegend auf ihre theoretischen Aspekte, auf die Argu­mente, mit denen das Recht auf sexuelle Selbstverwirklichung eingeklagt wird.
Prange deutet die Libertinage als ein groß inszeniertes Selbstmißverständnis und zeigt, wie tief der Stachel der Theologie im Fleische der Aufklärung sitzt, auch und gera­de in ihrer radikalsten Gestalt. Befangen im christlichen Sexismus, entpuppt sich dabei das scheinbar so sinnenfrohe Rokoko als ein Zeitalter der erotischen Verarmung. Sie vollzieht sich in der Sexualisierung der Liebe und der Ratio­nalisierung der Sexualität. Nicht Luststeigerung, sondern Luststeuerung ist der Inbegriff der Libertinage. Ein Fazit, das auch unsere heutige Sexualkultur in einem neuen Licht erscheinen läßt.