Weil wir alle Menschen sind
(Originalausgabe)
Ein Kind steht im Mittelpunkt von Ille Middendorfs Buch. Das Kind einer großen Liebe, die sie außerhalb ihrer Ehe unausweichlich traf. Es belastet ihre bürgerliche Ehe trotz aller ihrer äußeren materiellen Sicherheit, sie belastet aber auch Ihre Gesundheit, die sie monatelang und jahrelang Gratwanderungen des Todes erleben läßt.
Gleichwohl sie sich, ihren Kindern zuliebe, gegen die schicksalhafte Liebe und für die Aufrechterhaltung der bürgerlichen Ehe entscheidet, sucht sie den Weg der inneren Emigration, wobei die Zuwendung zur bildenden Kunst ihr überlebenswichtiger Kontakt zur Außenwelt wird. Die Autodidaktin findet schließlich Erfolg und Anerkennung und engagiert sich auch im Künstler-verband. Internationale Ausstellungen und kommunale Großaufträge sind wichtige Wegmarken.
In ihrer Familie gibt es erstaunliche künstlerische Parallele: nach der Liquidation des väterlichen Unternehmens entschließt sich ihr Sohn ebenfalls für den künstlerischen Weg. (Von ihm sind inzwischen zwei Romane im Suhrkamp Verlag erschienen.)
Der Ausklang von Ille Middendorfs Lebensbilanz läßt eine tiefe Hinwendung zur menschlichen Versöhnung finden, die diese Lebenserinnerung über das individuelle Schicksal erhebt und somit diesem Text der Nichtliterarin literarisches Eigengewicht verleiht.


