Leseprobe

aus Maria Winckler: Reiseführer in das Land der Zufriedenheit.
Ein Lebensratgeber (Auszug aus der Einleitung und den ersten drei Kapiteln.)


Einleitung

Die moderne Menschheit hat vielfältige Errungenschaften auf den Gebieten der Technik und der Wissenschaft erlangt. Keine Frage, es gibt den sogenannten Fortschritt. Gerade im letzten Jahrhundert haben wir Entdeckungen gemacht, die die Welt revolutionierten. Wir haben gelernt, spielend mit all den hervorragenden technischen Errungenschaften umzugehen und können uns Freiheiten und Freizügigkeiten leisten, die früher undenkbar waren. Und das ist gut so.

Doch kann es sein, daß nicht auf allen Ebenen eine Weiterentwicklung stattgefunden hat? Wie ist es um die Menschen bestellt, die diesen phantastischen Fortschritt erzielt haben? Wie geht es uns, wie fühlen wir uns? Haben wir gelernt unser Leben ebenso zu meistern wie den Umgang mit unseren Erfindungen? Hat der Fortschritt uns mit einem Leben voller Glück, Zufriedenheit und Liebe beschenkt? Oder sind wir nicht eher viel zu oft mit dem Leben und uns selbst überfordert?

Anhaltendes Glück, wirkliche Zufriedenheit, Erfüllung und innerer Frieden sind nach wie vor für die meisten Menschen ein Wunschtraum. Und trotzdem müssen wir uns jeden Tag aufs Neue beweisen, jeden Tag die Hindernisse auf dem Weg überwinden. Die modernen Zeiten stellen sehr hohe Ansprüche an die Menschen. Wir stehen unter einem permanenten Leistungs– und Zeitdruck, und dies bereits von Kindesbeinen an. Kein einfaches Leben.

Unser Fortschritt ist eine Medaille mit zwei Seiten. Die Kehrseite der Medaille liegt darin begründet, daß wir mehr und mehr die Verbindung zu unserem eigenen Sein, zu unserem ICH BIN, verloren haben. Tatsache ist: Wir kennen den Sinn unseres Lebens nicht, wir wissen nicht mehr, wer wir wirklich sind, noch, wo wir herkommen und wo wir hinwollen. Und darunter leiden wir. Immer mehr Menschen verspüren eine tiefe ungestillte Sehnsucht nach einem erfüllteren und glücklicheren Dasein.

Damit wir dieses Ziel erreichen können ist es notwendig, daß wir etwas ändern, fort–schreiten, UNS ent–wickeln, um auf den Kern unseres Selbst zu stoßen. Denn hier liegen die Antworten auf unsere Fragen verborgen und warten. Hier findet Erfüllung statt.

Stellt Euch vor, wir begeben uns auf die Reise in ein Land, in dem die Menschen in Harmonie und Liebe zusammenleben. Sie sind in einem Zustand der inneren Zufriedenheit und Ausgeglichenheit und sehr glücklich. Die Bewohner dieses Landes leiden niemals. Deshalb nennt man es das Land der Zufriedenheit.

Niemand außer den Bewohnern des Landes der Zufriedenheit weiß, wo dieses Land liegt, denn es ist auf keiner Landkarte verzeichnet. Ganz auf sich alleine gestellt kann der Reisende es kaum finden. Da es sich um eine sehr ungewöhnliche Reise in ein geheimnisvolles Land handelt, hilft ein normaler Reiseführer nicht weiter. Man benötigt vielmehr einen Reiseführer mit außergewöhnlichen Eigenschaften, ähnlich denen eines Spiegels. Damit das Land der Zufriedenheit gefunden werden kann, muß der Reisende das Verborgene erkennen, der Spiegel aufzeigen, was nicht offensichtlich ist.

Es ist notwendiger Bestandteil der Reise in das Land der Zufriedenheit das Reisegepäck unterwegs auf die Gegebenheiten des Landes anzupassen, Teile des alten Gepäcks zurückzulassen und neues Gepäck aufzunehmen. Vieles ist nicht vorhersehbar, weder Reisedauer noch Umstände sind bekannt. Deshalb erfordert die Reise Mut.

Kennt Ihr Die unendliche Geschichte von Michael Ende? Erinnert Ihr Euch daran, wie der kleine Andreju sich auf die Suche nach dem Orakel des Südens macht, um die Kindliche Kaiserin zu retten? Er muß auf seiner Reise zwei Tore passieren. Das erste Tor besteht aus zwei riesigen, sich gegenüber stehenden Sphinxen, die dem Reisenden direkt ins Herz schauen. Wer ihre Prüfung nicht besteht, fällt tot um. Die wenigen, die sie bestehen, gelangen zum zweiten Tor. Dieses ist ein Spiegel. Ein Spiegel, in dem man sich selbst so sieht, wie man wirklich ist. Vor diesem Spiegel verlieren die meisten Menschen den Verstand, nur die wirklich mutigen, so wie das Kind Andreju, bestehen diese Prüfung. Nun, so schlimm ist es nicht mit unserem Reisebegleiter. Aber genau diese Art des Spiegels ist es, die wir brauchen, wenn wir weiterkommen wollen. Nur wenn wir absolut ehrlich zu uns sind, können wir das Land der Zufriedenheit erreichen, denn dieses Land liegt im Inneren der Menschen.

Unser besonderer Reisebegleiter muß deshalb auch das enthüllen, was wir lieber nicht sehen möchten. Doch habt keine Angst, denn wer den Mut aufbringt, sich selbst voll und ganz zu erkennen, kann sich befreien und fortschreiten, um das wundervolle Land zu erreichen und in einen Zustand von Harmonie, Liebe, Glück und Zufriedenheit zu gelangen. Auf dem Weg in das Land der Zufriedenheit gilt es als Erstes, das Tal der Erkenntnis zu durchschreiten. In diesem Tal hausen die inneren Dämonen. Sie müssen überwunden werden, damit Befreiung stattfinden kann.

Wovon wollen wir uns befreien? Wir alle leiden im Leben immer wieder, und dies macht niemandem Spaß. Leiden ist das Gegenteil von Freude, Leiden verhindert Glück und Zufriedenheit, Leiden zwingt uns in die Knie, Leiden ist eine Geißel der Menschheit. Von dieser wollen wir uns befreien. Wer kann dieses hohe Ziel für uns erreichen? Nur wir selbst. Der alte Spruch Jeder ist seines Glückes Schmied ist wahr! Andere können gangbare Wege aufzeigen und uns sogar ein Stück des Wegs begleiten. Mehr nicht. Den Weg tatsächlich zu gehen steht in der Verantwortung eines jeden selbst.

Wer das Land der Zufriedenheit erreichen möchte, muß sein Ziel konsequent verfolgen. Auf dieser Reise braucht man nicht nur Mut, sondern auch Ausdauer und Vertrauen, um die Reise bis zum Ende durchzuführen. Sonst bringen die Schwierigkeiten und Hindernisse, die garantiert kommen werden, den Reisenden vom Ziel ab. Die Versuchung ist sehr groß, wenn die Reise anstrengend wird. Aber denke daran, lieber Reisender: Am Ende der Reise erwartet Dich der größte Schatz, den die Welt bieten kann: Du selbst!

Warum ist es so wichtig, sich selbst zu erkennen, um Glück und Zufriedenheit zu erreichen? Die Geschichte vom kleinen Hund zeigt, warum es für die Erlangung von Zufriedenheit notwendig ist, sein wahres Wesen zu erkennen.


Die Geschichte von dem kleinen Hund oder: Warum es so wichtig ist, in den Spiegel der Erkenntnis zu schauen

Es war einmal ein kleiner Hund, dessen Mutter kurz nach seiner Geburt starb. Der kleine Hund lebte auf einem abgelegenen Bauernhof, dort wurde er von den Menschen ausreichend versorgt, um überleben zu können. Auf diesem Bauernhof gab es fünf Katzen, die alle sehr freundlich zu dem kleinen Hund waren. Mit diesen verbrachte er die meiste Zeit seines noch sehr jungen Lebens. Wie alle Kinder brauchte der kleine Hund Wesen, an denen er sich orientieren konnte. Wesen, die ihm beibrachten, wie man sich im Leben durchschlägt. Wesen, die Vorbilder waren. Daß er mit den Menschen nicht so viel gemeinsam hatte, wurde unserem kleinen Freund schon sehr bald klar. Er kannte zwar die Begrifflichkeiten nicht, fühlte sich aber der Kategorie Mensch nicht zugehörig.

Mit den Katzen war das schon anders. Diese hatten seine Größe, liefen außerdem auch auf vier Beinen, hatten wie er ein sehr schönes Fell und sie verhielten sich ähnlich. Der kleine Hund ahnte, daß er eher von der gleichen Art war wie die Katzen – nämlich ein Tier.

Natürlich besaß er keinen Spiegel und konnte sich selbst nie in seiner Gänze sehen, sonst hätte er gemerkt, daß es trotzdem Unterschiede zwischen ihm und den Katzen gab. Also kam unser kleiner Hund zu dem Schluß, daß er wohl auch eine Katze sei. Lern– und wißbegierig, wie er war, beobachtete er alle Verhaltensweisen seiner vierbeinigen Freunde sehr genau und versuchte, diese zu imitieren. Bei vielen Dingen, wie zum Beispiel Fressen, war das kein Problem. Bei anderen Dingen aber sah es ganz anders aus. Der kleine Hund wollte sich so gerne mit seinen Freunden unterhalten und versuchte ständig zu miauen. Das wollte ihm einfach nicht gelingen. Noch schlimmer war es, wenn er versuchte, ihnen auf einen der zahlreichen Bäume zu folgen, oder wenn sie Fangen spielten und die Katzen flugs über einen Zaun kletterten. Jedesmal fiel der kleine Hund herunter.

Eines Tages saßen alle Katzen auf einem hohen Baum und waren ganz aufgeregt. Der kleine Hund wollte so gerne sehen, was sie dort gefunden hatten. Er machte einen verzweifelten Versuch, sprang ganz weit an dem Baum hoch, versuchte sich festzukrallen und weiter zu klettern. Dabei konnte natürlich nur eines passieren: Er stürzte ab und holte sich eine blutige Nase und eine verstauchte Pfote.

Unser Freund wurde immer verzweifelter. Sein Leiden wurde so groß, daß er beschloß fortzugehen und zu sterben. Sein Weg führte ihn durch einen Wald zu einem See. Da er von dem langen Laufen sehr durstig war, beschloß er, ein wenig zu trinken. Doch wie war er entsetzt, als er sich über die Wasserfläche beugte. Das war ja gar keine Katze, die ihn da aus dem Wasser anschaute! Das war etwas ganz anderes!

Völlig verdutzt mußte der kleine Hund sich erst einmal hinsetzen. Dann dachte er nach. Wenn er gar keine Katze war, obwohl ihm dieser Gedanke sehr gut gefallen hatte, stand es vielleicht doch nicht so schlecht um ihn. Zugegebenermaßen, er konnte nicht miauen und würde wohl nie auf die Spitze eines Baumes gelangen. Aber vielleicht konnte er ganz andere Dinge. Das war noch mal einen Versuch wert! Also faßte er neuen Mut. Nachdem er sich ausreichend an seinem Spiegelbild erfreut hatte, denn er fand sich eigentlich ganz hübsch, lief er weiter.

Er kam zu einem Haus auf einer Lichtung im Wald, da lief ihm plötzlich ein Tier entgegen, das sehr viel Ähnlichkeit mit seinem Spiegelbild hatte, nur größer. Dieses Tier bellte ihn lautstark an. Zaghaft bellte er zurück.

Hätte unser kleiner Hund nie sein Spiegelbild im See gesehen, hätte er vielleicht sein ganzes Leben darunter gelitten, nicht so wie die anderen Katzen zu sein. Obwohl er wußte, daß er ein Tier war, hätte er nie seine wahre Identität, seine Fähigkeiten und Talente erkannt. Und unser Freund hatte sehr viele Talente, aus ihm wurde nämlich einer der besten Hirtenhunde aller Zeiten. So kann es gehen, wenn man nicht in den Spiegel schaut.

Damit kommen wir zu einer sehr essentiellen Aussage: In den Spiegel zu schauen kann erst einmal mit einem gehörigen Schreck verbunden sein, aber wer den Blick wagt, kann sehr viel gewinnen. Spiegel sind wertneutral. Sie zeigen die Dinge so, wie sie sind, aber sie urteilen nicht. Für einen Spiegel ist das, was er sieht, weder gut noch böse, nicht schön noch häßlich. Ein Spiegel ist leidenschaftslos. Genau so leidenschaftslos und urteilsfrei sollten wir in den Spiegel schauen, denn sonst klappen wir ihn vielleicht wieder zu. Damit hätten wir eine wichtige Chance vertan, unser Leben zu verbessern.


Was zeigt unser ungewöhnlicher Reisebegleiter?

Wir konzentrieren uns bei unserer Reise mit dem Spiegel entgegen unserer normalen Gewohnheiten nicht auf das Spiegelbild unseres Körpers, sondern auf die Elemente unseres Ichs, die nicht der Körper, das heißt, nicht materiell sind. Diese Elemente sind Geist (engl. Spirit), Verstand (engl. Mind), Bewußtsein, Erinnerungen, Emotionen und die Einstellungen, die die Persönlichkeit ausmachen.
Wie sieht das Zusammenspiel dieser Elemente aus?

––––––––––––––––––––––––––Bewußtsein–––––––––––––––––––––––

Geist kreiert einen Gedanken ––––––® Handlung –––––® Erfahrung gekoppelt mit
Verstand prüft ihn, greift ggf. Emotion, Emotion abhängig
auf Erinnerung zurück, Entscheidung von Persönlichkeit
abhängig von Persönlichkeit
¯Speicherung der Erfahrung inSeele, Emotion wird ebenfallsgespeichert

Verstand kann auf die Erinnerung zurückgreifen, ¬–––––––––––––––– wenn er eine ähnliche Entscheidung treffen muß

Der Geist ist der Erfinder im Menschen, er faßt einen Gedanken, zum Beispiel die Idee einer Reise nach Costa Rica. Der Verstand ist die Instanz, die prüft, ob der Gedanke weiterverfolgt bzw. in die Tat umgesetzt werden soll. Er überprüft, ob eine Reise nach Costa Rica machbar ist, finanzierbar ist, ob wir genügend Zeit zur Verfügung haben und ob die Reise richtig für uns ist. Angenommen wir entscheiden uns dafür, so ist die Reise an sich die Handlung. Wir machen im Zusammenhang mit der Reise viele Erfahrungen, die mit Emotionen gekoppelt sind (z.B. sich schlecht fühlen, glücklich sein, traurig sein). Es gibt keine Erlebnisse ohne Emotionen. Vielleicht ist dies unsere erste Reise in ein tropisches Land und wir vertragen das Klima nicht. Alle Reiseerfahrungen und die damit zusammenhängenden Emotionen werden in der Seele gespeichert. Deshalb empfinden wir diese Gefühle wieder, wenn wir uns an die Erlebnisse erinnern. Der Verstand kann auf die Erinnerungen und die im Zusammenhang in der Seele gespeicherten Emotionen wieder zugreifen, wenn er später eine ähnliche Entscheidung zu treffen hat. Vielleicht erzählt uns im nächsten Jahr ein Freund, wie schön es in Thailand ist. Wir greifen den Gedanken auf, der Verstand prüft ihn und ruft die Erinnerungen an die Reise nach Costa Rica ab. Er entscheidet, daß es auf Grund der klimatischen Gegebenheiten besser ist, nicht nach Thailand zu fahren.

Unsere individuelle Persönlichkeit spielt bei der Gestaltung unseres Lebens und der Entscheidungsfindung ebenfalls eine große Rolle. Ein Mensch, der nicht wagemutig ist und deshalb nicht gerne Urlaub in einem fremden Land macht, wird wahrscheinlich gar nicht erst nach Costa Rica fahren. Die Persönlichkeit wird von der Ausprägung von Charaktereigenschaft bestimmt, zum Beispiel ob jemand ängstlich oder eher mutig ist, oder er ein Einzelgänger ist oder lieber Gesellschaft hat. Letzteres kann zum Beispiel die Entscheidung bestimmen, ob er alleine eine Rucksackreise macht oder sich einer Reisegruppe anschließt.

Wie man sieht, sind all die nicht–körperlichen Elemente des Ich ein komplexes System, das hervorragend zusammenarbeitet und aufeinander abgestimmt ist. Wir können diese Elemente gezielt beeinflussen und somit den Ablauf bzw. die Qualität unseres Lebens ändern. Wenn wir uns dessen bewußt sind und die Zusammenhänge verstehen, können wir sehr viel in unserem Leben selbst steuern, anstatt uns wie ein Spielball des Lebens zu fühlen. Dies wird im Laufe unserer Reise immer deutlicher werden.

Bewußtsein

Bewußtsein ist, wie das Wort schon sagt, die Tatsache, daß wir uns unserer Existenz bewußt sind. Unser Bewußtsein ist ein Vorgang, der so seltsam es klingen mag, in der Regel unbewußt abläuft. Wir müssen nicht ständig darüber nachdenken, ob wir existieren oder nicht, wir wissen es einfach. Auch ist das Bewußtsein als solches nicht von der Persönlichkeit abhängig, jeder Mensch weiß, daß er existiert.

Der Bewußtseinsgrad des Menschen ist nicht statisch und ändert sich sogar im Laufe eines Tages, nämlich dann, wenn wir vom Wach– in den Schlafzustand wechseln. Wenn wir ohnmächtig werden oder unter Narkose stehen, kann unser Bewußtsein für eine Weile sogar vollständig abhanden kommen. Wir haben in diesem Zustand noch nicht einmal das unterbewußte Bewußtsein eines Schläfers, der in der Lage ist aufzuwachen, wenn laute unbekannte Geräusche oder ähnliche Störungen in seiner Nähe auftreten. Wir sehen also, daß unser Bewußtseinsgrad veränderlich und vor allem beeinflußbar ist, wie zum Beispiel durch Narkotika oder Drogen. Ein Ausschalten des Bewußtseins hat Auswirkungen auf alle anderen Elemente unseres Ichs, denn wenn wir das Bewußtsein verloren haben, funktionieren auch diese nicht mehr.

          Zum Autorenprofil