Leseprobe
aus Peter Reusse: Laute und Stille. Roman (Abdruck des Schlusskapitels)
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Leise und eindringlich hatte der Senator geredet:
„Herr Merz, ich biete Ihnen eine einmalige Chance. Sie werden morgen die Konferenz der Intendanten zur Gründung der Theater–GmbH‘s leiten. Ich erteile Ihnen jegliche Vollmacht bei Entscheidungsfindungen.. Leider habe ich. einen unaufschiebbaren Termin Beweisen Sie mir und Ihren Kollegen, dass die Interconti–Peinlichkeit eine Eintagsfliege war. Danach werden wir uns über Ihre weitete berufliche Perspektive am Hause unterhalten. Ich wünsche Ihnen viel Glück.“
Golo steht am geöffneten Fenster seines Büros.
Das ist eine Nummer zu groß für ihn. Er steht nicht im Stoff Die Theater GmbH‘s sind zur Zeit die heißesten Eisen. Golo hat sich in letzter Zeit für nichts mehr interessiert. Das kann er bis morgen unmöglich aufholen. Andererseits, wenn er kapituliert, kann er die Brunnenstraße vergessen. Aus und passé.
Er blickt auf die grauen Fassaden gegenüber. Die Ziegeldächer. Rechts der Turm der Herz–Jesu–Kirche, etwas näher zur Linken die Zionskirche.
Ein Krähenschwarm kreist über ihm am grau verhangenen Himmel. Unter ihm rollt unablässig der Verkehr zwischen Wedding und Mitte. Golo ist nicht schwindelfrei. Wenn er steil an einer Hauswand oder einem Felsen herunterblickt, spürt er ein Ziehen in den Hoden. Reicht die Höhe aus?
Bloß kein Rollstuhl.
„Theatralisch Kacke“, wird Mabuse sagen, „Leider hat er sein Talent vergeudet“ der Senator.
Und Ruth? Vielleicht: „Auch des tapfren Timurs Heldentaten werden in Vergessenheit geraten …“
Der schwarze Kasten im „Tagesspiel“. Golo grinst. Sie werden an der Formulierung der Todesursache zu knabbern haben.
Der Tod ist kein Unglück für den, der stirbt, sondern für den, der überlebt. Marx.
Das Telefon klingelt.
Golo wird nicht abheben..
Das Klingeln nervt. Pardon Mascha, Pardon Ruth, Pardon auch Herr Senator. Golo hat jetzt Wichtigeres zu tun.
Golo wird schwarz vor Augen.
Es war nicht das Telefon, es war die Klingel an der Wohnungstür. Golo ist im Schreibtischstuhl eingeschlafen. Vor den Fenstern ist es bereits hell. Die Uhr zeigt acht.
Wieder geht die Klingel. Hart und fordernd. Golo geht in den Korridor und sieht durch den Türspion. Das kleine runde Glas ist mit Ölfarbe verschmiert. Er erkennt eine uniformierte Schulter.
Es ist soweit.
Golo versucht, seine Gedanken zu ordnen. Er kann sich nicht konzentrieren. Der Traum hat ihn noch fest im Griff. Was ist, wenn sie Mascha in seinem Bett finden?
Jetzt wird energisch geklopft.
Golo öffnet die Tür. Der uniformierte Schlaks strafft sich:
„Entschuldigen Sie die Störung, es geht um Ihr Kraftfahrzeug. Sie waren wohl gestern Abend etwas in Eile. Bitte bringen Sie das in Ordnung. Wünsche angenehmen Tag, Herr Staatssekretär.“
Golo lehnt mit dem Rücken gegen die Tür und atmet tief durch. Er muss sich an der Klinke festhalten. Im Treppenhaus hört man hurtig springende Tritte sich nach unten entfernen. Mascha steht in der halboffenen Schlafzimmertür, wieder in ihren langen Konstablermantel gewickelt. Sie sagt mit verquollener Stimme:
„Noch mal gut gegangen“ und verschwindet wieder im Schlafzimmer. Von dort hört Golo sie rufen:
„Hast du was zum Anziehen?“
Golo holt aus dem Kleiderschrank Pullover und Jeans. Mürrisch sagt er:
„Komm in die Küche, wir müssen einen Plan machen.“
Golo geht in die Küche, setzt einen Kessel mit Wasser auf den Herd. Stellt Kaffeebüchse und Tassen auf den Tisch. Setzt sich. Mascha kommt. Zwischen den Lippen eine brennende Zigarette. Setzt sich an den Tisch. Ungeschminkt sieht sie älter aus. In den Mundwinkeln schlaffe Falten. Die Augen sind klein, pechschwarz und hart.
Golo holt das kochende Wasser, füllt Kaffeepulver in die Tassen und gießt Wasser hinein. „Willst du was essen?“
„Nein.“
Beide trinken. Golo stört der Zigarettenrauch, er wedelt mit der Hand.
Mascha sagt:
„Soll ich sie ausmachen?“
„Nein.“
Schweigen.
Dann räuspert sich Golo.
„Was hast du vor?“
Mascha stippt die Asche in ihre Untertasse:
„Ich weiß es nicht. Die Leute vom Romanow werden mich suchen.“
„Kannst du nicht zu ihnen fahren, das Kokain zurückgehen, sagen, irgendwas ist dazwischengekommen?“
„Ich weiß nicht, wo ich sie antreffen kann. Kenne sie kaum. Ihr Geld hab ich längst ausgegeben .Sie werden sich an mir rächen wollen. Das sind brutale Kerle.“
„Hast du Angst?“
„Ja“, und etwas leiser: „sehr“.
„Du kannst natürlich hier bleiben.“
„Danke. Sie werden herkommen, das Kokain holen, ‘n kleines Vermögen.“
Golo spürt in seinem Kopf nur Leere. Er ist unfähig zu denken oder zu empfinden. Müde sagt er:
„Wir müssen warten.“
Er geht zur Wohnungstür, betätigt zweimal das Türschloss und lässt den Schlüssel stecken.
Dann schließt er sämtliche Fenstervorhänge, löscht überall das Licht und geht wieder in die Küche.
Mascha sitzt unverändert.
Er greift sich eine Zeitung, blättert, legt sie wieder weg und schaut aus dem Fenster.
Etwa eine Stunde sitzen sie so. Mascha raucht, Golo schaut aus dem Fenster.
Da hören sie plötzlich ein Geräusch. An der Wohnungstür. Beide springen auf, gehen zur Küchentür. Von hier kann man die Wohnungstür sehen.
Jemand arbeitet am Türschloss. Der Schlüsselbund vibriert. Immer wieder kurze Pausen.
Dann erneut.
Die beiden blicken gebannt. Mascha schiebt ihre Hand in Golos. Golo legt den Arm um sie. Wieder bewegt sich der Schlüsselbund. Mit Geduld und Geschick kann man den Schlüssel durchschieben. Das Aufschließen ist für einen Profi dann nur noch ein Kinderspiel. Wieder das Vibrieren. Der Schlüssel nickt gefährlich.
Mascha legt den Kopf an Golos Schulter. Ihr Körper zuckt krampfhaft. Waren das Schritte?
Golo hat den Mund geöffnet, wagt nicht zu atmen. Er spürt ein gefährliches Kratzen im Hals, schluckt immer wieder krampfhaft.
Irgendetwas klirrt. Werkzeug? Wird jetzt das Stemmeisen angelegt? Golo duckt sich unwillkürlich, blickt sich um, sucht nach einem Gegenstand, den er als Waffe benutzen könnte. Wagt aber nicht Mascha abzuschütteln.
Jetzt wieder Schritte, unschlüssig hin und her. Golo meint den Atem des Kerls zu hören.. Mit einem knirschenden, metallischen Geräusch gerät der Schlüsselbund ins Pendeln. Kommt wieder zur Ruhe. Endlich Geräusche auf den Treppenstufen.
Stille.
Mascha umarmt Golo, weint hemmungslos. Golo befreit sich, geht rasch zum Fenster, öffnet den Vorhang einen Spalt.
Die Straße liegt menschenleer. Hat sich der Kerl versteckt? Will er ihnen auflauern? Endlich sieht er eine Gestalt sich in Richtung Bahnhof bewegen.
Golo lacht, ruft erleichtert:
„Das war Frau Erkan, unsere Putze. Heute ist Donnerstag, hatte ich ganz vergessen.“
Er öffnet den Vorhang und beobachtet die kleine fette Frau mit dem bodenlangen Mantel und dem Kopftuch. In der einen Hand trägt sie ein rotes Lacktäschchen in der anderen einen Aldibeutel mit ihrer Mittagssuppe. Sie watschelt wie eine Ente. Setzt die Füße weit auseinander.
Golo schließt sorgfältig den Vorhang. Wo ist Mascha? In der Küche findet er sie. Sie steht am Herd und hantiert ungeschickt mit Töpfen. Die Jeanshosenbeine hat sie mehrfach umgekrempelt, Golos Pullover geht ihr fast bis zu den Knien. Sie sieht aus wie eine Clownsfigur beim Zircus Roncalli.
Nach dem. Essen ist der Ton zwischen ihnen entspannter aber unverändert fremd. Die Bedrohung lastet auf ihnen, lähmt sie. Lässt sie bei jedem Geräusch im Treppenhaus erstarren. Die Stunden quälen sich dahin. Mascha döst meist im. Sessel. Golo findet keine Ruhe, holt Bücher, blättert darin, wirft sie weg. Sitzt am Schreibtisch, schreibt eine Zeile, springt wieder auf, geht zum Fenster blickt auf die Straße, geht zur Tür, lauscht. Irgendwann hat er eine Idee. Wie entfesselt sucht er im Bücherschrank, kramt im Schreibtisch. Mascha fährt mit einem Schrei in die Höhe, als er plötzlich vor ihr auftaucht und mit Büchern herumfuchtelt.
Golo möchte mit ihr eine Rolle probieren. Die Maria Stuart. Den Abschiedsmonolog. Mascha, zunächst abwehrend, zeigt dann doch Interesse, sogar einen Hauch Begeisterung. Sie zieht sieh ihren langen Konstablermantel über und bindet sich einen Schal von Golo um den Kopf. Golo, ganz Regisseur, wuselt um sie herum, gibt ihr ein Reclam–Heftchen in die Hand, baut sie auf einem Hocker auf und legt sich ihr zu Füßen auf den Teppich.
Mascha liest mit hoher Kinderstimme:
Was klagt ihr? Warum weint ihr? Freuen solltet Ihr euch mit mir, dass meiner Leiden Ziel nun endlich naht, dass meine Bande fallen, mein Kerker aufgeht und die frohe Seele sich auf Engelsflügeln schwingt zur ewgen Freiheit.
Golo erklärt wortreich die Situation, spricht über Versmaß und Körpergefühl, Schillers Freiheitsgedanken, spricht selbst den Text vor.
Nun endlich naht, dass meine Bande fallen …
Er legt die Hand an Maschas Knie und sagt ernst:
„Das hat auch mit dir zu tun, Mascha. Mit deinem Leben. Deiner momentanen Situation. Nimm es daraus. Sprich einfach über dich.“
Mascha kichert:
„Ich und eine Königin.“
Beide lachen, fangen an zu albern. Alles ist fast wie früher. Mascha müht sich, ist folgsam wie eine brave Schülerin. Sie scheint Spaß daran zu finden. Golo lobt, streichelt sie, nutzt jede Gelegenheit sie zu berühren.
„Was klagt ihr? Warum weint ihr? Freuen solltet ihr euch …
Golo sagt knapp:
„Zieh bitte den schrecklichen Mantel aus, Kindchen. Ich muss deine Körpersprache kontrollieren.“
Mascha bekommt einen schmalen Mund:
„Sag nicht Kindchen.“
Golo übermütig:
„Sei nicht so empfindlich, das ist Theatersprache.“
… und die frohe Seele sich auf Engelsflügeln schwingt zur ewgen Freiheit.
Golo, im Überschwang:
„Sehr schön, sehr schön. Zieh dich bitte ganz aus. In freien Gruppen ist das eine übliche Arbeitsmethode.“
Mascha springt vom Hocker und schreit:
„Ich hab dich durchschaut, du bist wie alle. Scheiß–Schiller. Du benutzt mich nur!“ Sie stürzt ins Schlafzimmer und knallt die Tür hinter sich zu.
Golo schüttelt verbiestert den Kopf, trägt den Hocker in die Küche, setzt sich in den Sessel und liest „Maria Stuart.“ Den Satz:
Sie geht dahin, ein schon verklärter Geist, und mir bleibt die Verzweiflung der Verdammten. Golo
lacht sein künstliches Bühnenlachen.
Der nächste Tag bricht an. Die Situation ist unverändert. Mascha hat die Schlafzimmertür verriegelt. Die Luft in der Wohnung ist wie Blei. Golo tigert im Arbeitszimmer auf und ab, versucht, einen Plan zu machen. Kann sich zu nichts entschließen. Sein Unterbewusstsein wartet auf eine Entscheidung von außerhalb. Irgendwann taucht Mascha in der Küche auf, isst etwas, trinkt Kaffee und verschwindet wieder im Schlafzimmer.
Plötzlich geht die Klingel.
Golos Reaktion ist anders, als er sie erwartet hat. Natürlich erschrickt er. Die Klingel ist unverändert hart und fordernd. Aber sie versetzt ihn nicht in Panik. Ganz im Gegenteil. Sein Körper entspannt sich. Ist da nicht sogar ein kleines sadistisches Triumphgefühl? Ein Sichfallenlassen? Erleichterung, dass endlich etwas geschieht?
Er braucht keine Entscheidung zu treffen, andere tun das jetzt für ihn. Es rollt das Schicksal nach Ordnung der Dinge.
Golo richtet sich die Krawatte, zieht das Jackett über und geht in den Korridor. Nicht als ein Gejagter, als ein Verurteilter.
Er dreht den Schlüssel zweimal im Schloss herum und öffnet die Tür. Es ist der Briefträger. Ein gemütlicher, älterer Herr mit kleinem Schnäuzer.
„Ein Einschreiben für Sie. Wenn Sie bitte hier unterschreiben wollen.“
Gobo unterschreibt, murmelt „Danke“ und schließt die Tür. Eine Weile bleibt er unschlüssig stehen. Dann dreht er sich um. Mascha steht in der geöffneten Schlafzimmertür. Ernst und erwachsen. Beide blicken sich an. Keine Erleichterung, kein Triumph. Ihre Augen sind leer. Mascha sagt knapp:
„Komm.“
Golo folgt ihr ins Schlafzimmer.
Mascha deutet mit der Hand auf das Bett.. Auf dem Laken liegt zerknülltes Papier.
Golo begreift nicht.
„Was soll das?“
Er tritt näher und entdeckt die Klebestreifen.
„Du hast das Päckchen …“
„Es war nichts drin, nur Papier.“
Golo rastet aus:
„Wie bist du, verdammt noch mal, an das Kokain gekommen? Ich hatte es die ganze Zeit in der Tasche.“
Mascha geht zum Fenster, öffnet die Vorhänge, beiläufig sagt sie:
„Das ist doch uninteressant.“
„Uninteressant? Da bin ich aber ganz andere Meinung.“
„Dein Pech.“
„Und warum hast du es aufgemacht? Du wolltest spritzen, gib es zu!“
„Hör auf mit dem Gewäsch. Kapierst du denn nicht? In dem Päckchen war nichts drin.“
Golo ist von Maschas Kälte irritiert. Er sucht nach Worten, winkt ab, greift nach den Papierfetzen, hält sie sich dicht vor die Augen, lässt sie wie Schneeflocken auf das Laken rieseln. Sagt tonlos:
„Mein Gott, ist das alles schäbig.“
Er setzt sich aufs Bett und vergräbt das Gesicht in den Händen. Plötzlich ein Geräusch an der Wohnungstür. Golo hebt den Kopf, geht in den Korridor.
Mascha steht in der geöffneten Tür. Mit einem Fuß bereits im Treppenhaus. Über die Schulter blickt sie ihn kurz an und sagt:
„Ich gehe und bringe das in Ordnung. Die können ihr blaues Wunder erleben.“
Ihre Augen funkeln kämpferisch.
Golo macht einen kleinen Schritt auf sie zu: „Mascha …“
Die Tür fällt vor ihm ins Schloss.
Golo setzt sich auf den Garderobentisch. Spürt den Brief, greift nach ihm und geht ins Arbeitszimmer. Eigentlich wollte er zum Fenster, Mascha etwas nachrufen. Aber er vergisst es, öffnet den Brief.
Sehr geehrter Herr Merz, nach eingehender Prüfung von Material, das uns vertraulich übergeben wurde, sind wir zu der Überzeugung gelangt, dass Sie in der Zeit Ihrer DDR– Staatsbürgerschaft über einen längeren Zeitraum als IM– Mitarbeiter beim Ministerium für Staatssicherheit aktiv tätig waren. Das lässt sich mit einer leitenden Tätigkeit beim Senat für Kultur und Wissenschaft nicht vereinbaren. Ich habe daher Ihre fristlose Kündigung beschlossen.
Der Senator
Ich gehe zum Schreibtisch, lege den Brief auf die Filzunterlage.
Gehe ins Schlafzimmer, öffne den Kleiderschrank, nehme ein frisches Hemd heraus.
Ich ziehe das Jackett aus, löse die Krawatte, ziehe das Hemd aus. Gehe ins Bad, greife nach dem Deodorant, sprühe mir die Achseln ein. Gehe zurück ins Schlafzimmer, ziehe das frische Hemd an, binde mir die Krawatte. Greife nach dem Jackett. Auf dem Weg zum Korridor ziehe ich es an. Gehe zurück ins Bad, rasiere mich. Gehe in den Korridor, ziehe den Mantel an. Öffne die Wohnungstür, trete ins Treppenhaus. Schließe die Tür hinter mir. Drehe den Schlüssel im Türschloss. Zweimal. Gehe die Treppe hinunter. Stehe in der Bauhofstraße. Wende mich nach rechts. Gehe zum Hegelplatz. Dort setze ich mich auf die Bank neben der Hegelbüste.
Es ist eine milde Abendstimmung.
Von der riesigen Platane sind ein paar Blätter heruntergefallen. Eine leichte Brise treibt sie lustlos vor sich her.
Mein Kopf ist leer. Meine Wahrnehmungen sind ausschließlich auf das Geschehen um mich herum gerichtet.
In einem Fenster gegenüber beobachte ich Musiker mit ihren Instrumenten.
Ein Mann mit einem Cellohals in der Hand reicht gerade seinem Vordermann ein sehr weißes Blatt Papier über die Schulter.
Der dreht sich zu ihm und lacht.
Mir ist kalt. Ich schlage den Mantelkragen hoch und stecke die Hände in die Taschen.
Jemand setzt sich neben mich.
Ich rücke ein Stück beiseite.
Eine schwarze Vogelwolke fliegt lärmend Richtung Reichstag.
Ich bin müde, spüre die Müdigkeit wie einen Schmerz.
Plötzlich höre ich eine Stimme.
Es ist Ruths Stimme:
Als am achten Tag der Kampf beendet war und Timur seinen letzten Sohn begraben hatte, setzte sich der ruhmreiche Held auf einen Felsblock. Und zum ersten Mal in seinem Leben weinte er. Was nützte ihm sein ganzes Heldentum – er war jetzt allein. Morgen würden ihn alle vergessen haben. Da vernahm Timur zum ersten Mal die Stimme der Laute, die aus seinem eigenen Herzen zu kommen schien.
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