Leseprobe
aus Karl-Heinz Fritzer: Schattenprojekt. Krimi
(Ausdruck der ersten beiden Kapitel)
1
Es traf Carola ohne Vorwarnung. Die Explosion im Innern des Containers entlud sich in einem grellen Blitz, dessen beißendes Licht durch die Tür und die seitlichen Fenster knallte, gefolgt von einer dumpfen, trockenen Detonation. Obwohl sich alles in Sekundenbruchteilen abspielte, hatte Martin den Eindruck einer detaillierten, intensiven Wahrnehmung, ähnlich einer Ultra–Zeitlupe. Die Einzelheiten gruben sich in sein Gedächtnis, verfolgten ihn echoähnlich auch die nächsten Tage.
Da er sich im Freien befand, hatte sich die Druckwelle deutlich abgeschwächt, bis sie ihn erreichte. Trotzdem legte sie sich spürbar auf seine Gehörgänge. Vom Explosionsblitz geblendet, erschien ihm nun alles noch dunkler. Die ohnehin spärliche Beleuchtung in den Containergassen war erloschen. Nur das fahle Licht aus dem Hauptgebäude sorgte für schemenhafte Umrisse. Martin stürmte in Richtung des Containers. Im Hinlaufen sah er, dass die Türe offenstand, ganz zurückgeschlagen war. Ihr oberer Teil war verbogen, aber sie hing noch in den Angeln. Staub und der stechende Geruch nach Verbranntem erschwerten ihm das Atmen.
„Mensch, rufen Sie die Feuerwehr und Sanitäter!“, brüllte er König zu, der ebenfalls, wenn auch vernehmlich keuchend, mitgerannt war. Dann stand er schon am Container.
„Carola, hallo Carola! Wo bist du?“
Schließlich entdeckte er sie einige Schritte abseits. Sie lag im Kies, richtete sich halb auf, versuchte sich zu orientieren. Undeutlich erkannte er, dass sie in ihrer linken Hand noch immer einen Teil der Besprechungsunterlagen krampfhaft festhielt. Den anderen Arm hatte sie an den Körper gepresst. Benommen und unbeholfen machte sie eine Bewegung, als wollte sie aufstehen, verharrte dann aber in ihrer Position. Ihr Blick irrte umher, blieb an Martin hängen, der jetzt dicht vor ihr kniete.
„Was ist denn los? Was ist passiert?“, murmelte sie kaum hörbar.
„Bist du verletzt? Bleib erst mal ruhig sitzen“, riet er ihr.
Er beugte sich näher zu ihr hin und sah, dass sie aus einer Platzwunde an der Stirn blutete.
„Es ist wahrscheinlich nicht so schlimm. Das wird wieder gut, du wirst schon sehen“, wollte er sie trösten, sagte es aber mehr zu sich selbst.
Erleichtert registrierte er, dass aus dem Verwaltungsgebäude jetzt weitere Leute rufend und gestikulierend auf sie zuliefen. König war zurückgeblieben, lehnte an einem Lichtmast, versuchte, seinen Atem unter Kontrolle zu bekommen.
„Hat schon jemand die Sanitäter gerufen? Macht doch Licht!“, schrie Martin ungehalten.
Nach schier endloser Zeit, wie es ihm schien, kamen zwei Mitarbeiter des Werkschutzes mit Handlöschgeräten und großen Stablampen angerannt, gefolgt von zwei Männern mit einer Bahre, die offensichtlich aus der Ersthelferausrüstung des Sanitätsraums stammte.
„Hierher, hierher!“, rief Martin und winkte mit den Armen.
„Mein Notebook, mein Computer, wo ist er?“, fragte Carola mit matter Stimme.
Ohne auf ihre Frage einzugehen, betteten die beiden Männer sie vorsichtig auf die Trage und trugen sie zum Verwaltungsgebäude. Da waren auch schon die Blaulichter der Ambulanz zu sehen. Das Martinshorn gellte durch den Abend und erstarb jaulend, als der Wagen vor dem Haupteingang auf der gegenüberliegenden Seite zum Stehen kam. Mittlerweile waren im Gebäude die meisten Lichter angegangen.
Martins Augen hatten sich jetzt an das Halbdunkel gewöhnt. Er ging die paar Schritte zum Container zurück, um die nach wie vor aufgeschlagene Türe herum. Da entdeckte er das Notebook von Carola, im Kies liegend. Die Tragetasche, in der das Gerät steckte, war über und über mit Staub bedeckt. Als er den PC aufhob, rieselten etliche Steinchen aus der Tasche. Vorsichtig inspizierte er den Container. In der Dunkelheit war kaum etwas zu erkennen. Herumgewirbelte Papiere zeichneten sich als helle Flecke ab. Dort stand auch noch sein Schreibtisch, dahinter brannte es.
Dann ging alles ziemlich schnell. Martin kümmerte sich um die Versorgung von Carola, die trotz ihres Protestes von den Sanitätern ins Krankenhaus abtransportiert wurde. Das Feuer im Inneren des Containers wurde vom Werkschutz rasch erstickt. Bald darauf war die Elektrik wieder hergestellt, und die Lichter in der Containersiedlung flammten auf. Ein erster Überblick ergab, dass sich der Schaden in Grenzen hielt. Der Schreck jedoch steckte allen in den Gliedern. Martin spürte das seltsame Bedürfnis, an seinem Arbeitsplatz im Bürocontainer gleich wieder Ordnung herzustellen, aber ein Mitarbeiter des Werkschutzes hielt ihn davon ab. „Es ist wegen der Spurensicherung“, meinte er besserwisserisch.
2
Dies war am Montagabend gewesen.
Am Nachmittag hatte eine emotionsgeladene Debatte mit der Führungs–Crew der Mitteldeutschen Energieversorgung stattgefunden. Mit einiger Mühe waren die Anforderungen an das neue Instandhaltungssystem unter Dach und Fach gebracht und das Kompetenzgerangel der beteiligten Parteien geschlichtet worden. Wieder einmal. Marco Niehm, Betriebsleiter der MEV und Martins eigentlicher Auftraggeber, hatte die Diskussion ständig angeheizt. Martin war seiner Rolle als externer Berater voll gerecht geworden. Mit reichlich Geduld und Verhandlungsgeschick. Er hatte Erfahrung darin. Seit knapp zehn Jahren arbeitete er bereits für die ProCons, einer Consultingfirma in München. Fünfundzwanzig erfolgreich durchgeführte Projekte gingen auf sein Konto.
Nun war er abgekämpft, aber zufrieden. Mit Carola, seiner engsten Projektmitarbeiterin, machte er sich auf den Weg zu ihrem gemeinsamen Büro bei der MEV. Sie hatten es nicht weit. Vom großen Besprechungsraum im zweiten Obergeschoss des neuen Verwaltungsgebäudes, ging es durch den Seitenausgang über den Hof bis zur Containersiedlung. Während der Bauphase des neuen Kraftwerks, das im Industriegebiet zwischen Mannheim und Frankfurt aus dem Boden gestampft worden war, hatten sie alle diese Übergangslösung akzeptiert. Inzwischen jedoch waren die meisten MEV–Mitarbeiter in ihre modern ausgestatteten Büros im Verwaltungsneubau gezogen.
Martin war mit seinem Team lieber in der „Blechkiste“ geblieben, wie sie ihren Arbeitsplatz flapsig nannten. In der selbst gewählten Abgeschiedenheit konnten sie ungestört arbeiten und sich bei Bedarf auf andere, jetzt geräumte Container ausbreiten. In den zurückliegenden acht Monaten ihrer Projektarbeit war es dagegen ziemlich beengt zugegangen.
König war ihnen nach der Sitzung gefolgt, hatte Martin nachgerufen. Als ebenfalls externer Mitarbeiter arbeitete er auf eigene Rechnung. Niehm hatte ihn als neutralen Projektkoordinator zusätzlich engagiert. Der Himmel mochte wissen, warum. Martin jedenfalls hielt nicht viel von ihm und seinen Aktivitäten. So verlangsamte er seinen Schritt auch kaum, als König ihnen nachhechelte. Am unteren Treppenabschnitt hatte er sie eingeholt. Er rang nach Luft. Sein deutliches Übergewicht machte ihm zu schaffen. Schweißtropfen standen auf seinem fleischigen Schädel. Martin war jetzt stehen geblieben und sah ihn abschätzend an. War es das übliche Nachkarten, wie nach jedem Meeting, oder was wollte König diesmal? Jedenfalls war er nicht gewillt, sich lange aufhalten zu lassen. Er gab Carola ein Zeichen, dass sie vorausgehen könnte. So kam es, dass sie als Erste am Container angekommen war und die Explosion voll abbekommen hatte.
Noch am selben Abend besuchte Martin sie in der Klinik. Sie saß aufrecht im Bett. Quer über ihrer Stirn prangte ein großes Pflaster. Am linken Unterarm war sie an einer Infusion angeschlossen. Die Infusionsnadel und der Fixierverband kurz oberhalb ihres schmalen Handgelenks wirkten überdimensioniert. Sie trug eines dieser hellblauen leichten Krankenhaushemdchen, sah schmal und zerbrechlich aus. Ihr halblanges, brünettes Haar, sonst zu einem kurzen Pferdeschwanz zusammengefasst, hing offen in sanften Wellen nach unten, umrahmte ihr zartes, blasses Gesicht.
Mein Gott, sie könnte meine Tochter sein, schoss es ihm durch den Kopf. Besonders in dieser Situation wirkte sie jünger als Ende zwanzig, viel jünger.
Der Fernseher lief. Nebenher telefonierte sie offensichtlich mit einer Freundin. Als sie Martin bemerkte, beendete sie das Gespräch.
„Im Krankenhaus soll man ja eigentlich kein Handy benutzen“, begrüßte sie ihn mit kokettem Unterton und pustete sich einige kastanienbraune Strähnen aus der Stirn. Zu seiner Überraschung schien sie in blendender Stimmung zu sein. Eine Gegenreaktion auf den erlittenen Schock oder vielleicht aufgrund eines Beruhigungsmittels in der Infusion, vermutete er.
„Ich halte mich auch nur im Flugzeug an die Verbote“, gab er zu und fragte besorgt: „Sag mal, wie geht es dir?“
„Ich möchte bloß wissen, wer diesen ganzen Zauber inszeniert hat und weshalb“, überlegte sie halblaut.
„Du hast meine Frage nicht beantwortet“, beharrte er. Mit ihrer Bemerkung konnte er nichts anfangen.
„Mir geht es bestens, aber sie wollen mich nicht entlassen. Ich soll ein bis zwei Tage hierbleiben, zur Beobachtung, wie es heißt … Ich will aber nicht beobachtet werden, sondern möchte nach Hause. Nimmst du mich mit?“, kicherte sie.
„Ich verstehe, dass du so schnell wie möglich hier raus willst, es ist aber besser, wenn du bleibst. Und außerdem – ich gehe ja gar nicht zu dir nach Hause“, versuchte er einen Scherz.
Eine Nuance strenger fuhr er fort:
„Im Ernst, es macht sicher Sinn, wenn du hier noch etwas unter ärztlicher Aufsicht stehst. – Um deine Frage nach diesem merkwürdigen Vorfall zu beantworten: Unmittelbar, nachdem du weg warst, traf die Polizei ein und hat die Ermittlungen aufgenommen. Es kam nicht viel dabei heraus. Sie gehen von einem Unfall aus, verursacht durch eine Verkettung unglücklicher Umstände. Vielleicht hatte sich der Heizlüfter eingeschaltet, oder er war nicht ganz abgeschaltet gewesen, wird vermutet. Jedenfalls sei keine Fremdeinwirkung erkennbar“, sagte er nachdrücklich.
„Na schön, wenn die das sagen“, erwiderte sie leichthin.
Es war deutlich herauszuhören, dass sie anderer Meinung war.
„Wer war das denn von der Polizei?“, wollte sie wissen.
„Mein Gott, zwei ganz normale Streifenpolizisten, die wahrscheinlich gerade unterwegs waren und hergeschickt wurden, weil sie dem Unfallort am nächsten waren. Morgen gibt es vonseiten der MEV sicher noch eine Meldung an die Berufsgenossenschaft, die Versicherung und so weiter. Polizei und Staatsanwaltschaft werden in solchen Fällen eben hinzugezogen, insbesondere wenn Blut fließt. Und ich finde das gut so …“
„Blut fließt, Blut fließt“, äffte sie ihn nach. „Wo floss denn schon groß Blut?“
„Na, du wurdest doch verletzt. – Sag mal, wieso werde ich das Gefühl nicht los, dass deiner Meinung nach etwas anderes dahinterstecken könnte als ein blöder Unfall? Das wäre ja dann ein Anschlag auf dich gewesen.“
„Oder auf dich“, konterte sie und fügte nach einer Pause hinzu: „Oder auf sonst jemanden. Was weiß ich. – Soll ich dir etwas verraten? Die Theorie mit dem Heizlüfter ist Quatsch. Vor ein paar Wochen, als es nachts noch deutlich abkühlte, hatte ich den Thermostat auf Zimmertemperatur eingestellt, damit es im Container am Morgen nicht so kalt war. Aber doch jetzt nicht mehr.“
Martin ging nicht weiter darauf ein, sondern versuchte, sie etwas aufzuheitern, obwohl er noch immer den Eindruck hatte, dass dies nicht nötig war.
Jedenfalls war er erleichtert. Noch im Treppenhaus der Klinik rief er seine Frau an und schilderte ihr den Vorfall in kurzen Worten. Dabei bemühte er sich, so unbefangen wie möglich zu klingen. Am Wochenende würde sie sich überzeugen können, dass er heil und unbeschadet geblieben war.
Zurück im Hotel nahm er sich Carolas Laptop vor. Die Tasche sah ziemlich mitgenommen aus. Vorsichtig säuberte er alles. Das Gerät hatte am Scharnier des aufklappbaren Bildschirms einen Sprung, schien sonst aber in Ordnung. Er wischte und pustete den Staub ab, drückte dann behutsam auf Power on. Erleichtert beobachtete er, wie der Bildschirm aufleuchtete und das System hochfuhr. Allerdings kannte er Carolas Passwort nicht, um sich einzuloggen. Er rief sie auf ihrem Handy an, aber sie meldete sich nicht.
Die halbe Nacht fand er keinen Schlaf. Selbst am nächsten Morgen stand der Vorfall noch plastisch vor seinen Augen. Als ihn jedoch beim Frühstück im Hotel die Atmosphäre einer heilen Welt umfing, kamen ihm die Geschehnisse des Vortags weit weg und unwirklich vor.
Während der kurzen Fahrt vom Hotel zur MEV versuchte er erneut, Carola zu erreichen. Er hinterließ eine kurze Mitteilung auf ihrer Mailbox.
Auf dem Parkplatz war ein Streifenwagen der Polizei abgestellt. Schlagartig ergriff ihn ein Gefühl der Unruhe, obwohl bei nüchterner Überlegung klar war, dass man mit weiteren polizeilichen Ermittlungen wohl hatte rechnen müssen.
Er ließ seine Tasche und die beiden PCs im Auto zurück und steuerte die Containersiedlung an. Alles war verlassen. Nach dem Vorfall des gestrigen Abends wirkte die Ansammlung der Container nun unwirklich und abweisend auf ihn, wie eine Geisterstadt. Hatte er bislang die relative Ruhe zu schätzen gewusst, empfand Martin nun eine seltsam fremdartige Atmosphäre, fast feindselige Abgeschiedenheit.
Da war der Block des Sanitärbereichs mit den Toiletten, den nunmehr unbenutzten Wasch– und Umkleideräumen der Arbeiter. Dann, schräg dahinter, der Doppelcontainer mit dem großen Besprechungsraum, den er und sein Team jetzt häufig für ihre Meetings nutzten. Anschließend kamen die restlichen leer stehenden Bürocontainer. Seine Bürobox fiel ihm sofort auf, die Kiesaufschüttung ringsum zeigte deutliche Spuren vom Tumult des Vorabends. Die verbeulte Tür stand noch immer offen. Die Fenster besaßen keine Scheiben mehr, Glas lag verstreut umher. Das Innere sah dagegen weniger verwüstet aus, als er befürchtet hatte. Allerdings schlug ihm penetranter Brandgeruch entgegen.
Offensichtlich war schon jemand hier gewesen, hatte die durcheinander gewirbelten Unterlagen aufgesammelt und sie in kleinen Stapeln auf seinem Schreibtisch deponiert. Flüchtig blätterte er sie durch. Sie waren ungeordnet und so abgelegt, wie sie zufällig aufgesammelt worden waren.
Im Verwaltungsgebäude angekommen, nahm Martin zwei Stufen auf einmal nach oben in den ersten Stock. Ohne anzuklopfen betrat er Königs Büro. Der thronte hinter seinem Schreibtisch, fett, schwitzend und selbstgefällig wie eh und je. Seitlich vor ihm standen zwei Polizisten in Uniform, anscheinend die Besatzung des Streifenwagens. Niehm lehnte am Fenster, eine Hand lässig in der Hosentasche.
„Da ist er ja!“, empfing ihn König leutselig und fuhr fort, ohne ihn den Polizisten vorzustellen. „Gestern haben Sie ja mächtig Glück gehabt! Blöder Unfall das. Da sieht man, was alles passieren kann. Bricht in Ihrem Büro doch tatsächlich Feuer aus! Gut, dass Sie rechtzeitig dazugekommen sind. Hätte allerdings auch schlimmer ausgehen können – vor allem für Frau Schultes. Wie geht es ihr übrigens?“
„Na ja, Carola, also Frau Schultes, geht es so leidlich. Sie ist noch im Krankenhaus. Ich hoffe, sie ist nicht ernsthaft verletzt“, erwiderte Martin.
„Ich fahre als Nächstes gleich noch einmal hin und sehe nach ihr. Anschließend mache ich mich auf den Weg nach München, zu meiner Geschäftsstelle. Morgen bin ich dann wieder hier. – Gibt es denn schon konkrete Ergebnisse? Ich meine, es wurden doch Ermittlungen über diese Explosion durchgeführt“, fragte Niehm mit Blick auf die beiden Polizisten.
Noch bevor diese zu Wort kamen, preschte König vor:
„Wie ich schon sagte, wir, das heißt Sie, hatten riesiges Glück, dass der Vorfall halbwegs glimpflich abgelaufen ist. Die beiden Herren“, damit deutete er auf die Polizisten, „haben sich den Brandherd gründlich angesehen. Es ist wohl so, wie in der ersten Untersuchung gestern Abend bereits festgestellt wurde: Der Heizlüfter muss in Betrieb gewesen sein oder hat sich eingeschaltet. Irgendein brennbarer Gegenstand kam dann den Heizspiralen zu nahe und hat die Verpuffung ausgelöst. Kann passieren so etwas. Ich habe den Vorfall der Polizei gegenüber bereits ausführlich geschildert.“
Er holte mit einer lässigen Armbewegung in Richtung der beiden Polizisten aus und fuhr fort:
„Und zwar so, wie Sie und ich ihn wahrgenommen haben. Wir waren ja sozusagen auf gleicher Sichthöhe. Fremdeinwirkung kann Gott sei Dank ausgeschlossen werden. Von wem auch! – In den nächsten Tagen bekommen wir das polizeiliche Untersuchungsprotokoll, und das war es dann …
„Ist gut“, fiel ihm Niehm ins Wort. „Wir sprechen morgen noch einmal ausführlich darüber. Vor allem, um zukünftige Schäden zu vermeiden.“
Als Betriebsleiter gefiel er sich in der Rolle des obersten Sicherheitsbeauftragten.
„Bestellen Sie Frau Schultes jedenfalls schöne Grüße und gute Besserung von uns.“
Damit wollten sie es bewenden lassen. Doch Martin dachte nicht daran, sich so abspeisen zu lassen und wendete sich den Polizisten zu. Aber bevor er sich äußern konnte, räusperte sich der ihm am nächsten Stehende und fing seinerseits zu fragen an. Er nahm Martins und Carolas Personalien auf, wollte wissen, seit wann er bei der MEV tätig war und diesen Bürocontainer benutzte, ob es tatsächlich sein könnte, dass die Heizung eingeschaltet war, wer den Container als Letzter verlassen hatte, ob andere Personen dort Zutritt hätten. Martin gab bereitwillig Auskunft, betonte jedoch, dass er zur Unfallursache – es war doch ein Unfall? – keine Angaben machen könne.
Auf dem Weg zum Krankenhaus ließen ihn seine Gedanken nicht los. Der von Carola ausgesprochene Verdacht ging ihm nicht aus dem Sinn. Aber er konnte sich keinen Reim darauf machen.
Ich werde sie nochmals danach fragen, sagte er sich.
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