Leseprobe

aus Barbara King: Der grüne Skarabäus. (Abdruck des 9. Kapitels)


9

Hussein war noch immer schwach, als wir uns auf den Weg machten. Sayyed erkundigte sich besorgt nach seinem Wohlergehen, und Hussein lächelte tapfer. Ali wich nicht von seiner Seite.
Rasul flüsterte mir zu: „Ein wenig Gift ist noch in ihm. Aber morgen ist er wie neu!“
Ali hatte das gehört und meinte: „Ich weiß, dass er ganz bald wieder frisch ist. Überlass ihn mir. Ich helfe Hussein.“
Mittags machten wir Rast in einer kleinen Höhle aus zusammengestürzten Steinen. Hussein schien es besser zu gehen, doch er war sehr schweigsam.
Wir waren ein Stück des Weges weiter geritten, als uns eine Windhose erreichte. Staub wurde herangeweht, dann umfing uns die Windhose völlig. Der Wind wehte so stark, dass wir uns an unseren Sätteln festklammern mussten, um nicht zu Boden gerissen zu werden. Nachdem der schlimmste Sturm abgeebbt war, kam ein wahrer Regen von kleinen Steinen, die der Wind vor sich her trieb. Die Kamele wendeten und legten sich kurzerhand nieder. Eine Erfahrung, die ich bisher noch nicht gemacht hatte.
Allmählich änderte sich das Landschaftsbild. Zerklüftete Berge, Zinnen und Spitztürme aus verwittertem Gestein. Sie reflektierten die Hitze des Tages, und wir hatten kaum Luft zum Atmen. Der Durst schien mit jedem Atemzug größer zu werden. Die Hitze ließ jeden Tropfen Schweiß sofort verdunsten. Ich stellte mir vor, ich könnte wie ein Wasserbüffel oder Nilpferd ganz einfach den ganzen Tag im Wasser zubringen, ohne mich viel bewegen zu müssen. Aber ich steigerte mich damit in eine negative Einstellung, der es mir noch schwerer machte, die herrschenden Bedingungen zu verkraften. Ich schob kurzerhand eine Dattel in den Mund, um den Kern in der Mundhöhle zu behalten. Das war ein Beduinentrick, den ich in der Libyschen Wüste gelernt hatte. Es bildete sich dadurch immer ein wenig Speichel, ähnlich wie beim Kaugummi. Man öffnete den Mund nicht und bewahrte so die Mundhöhle vor dem Austrocknen.

Endlich rief Sayyed: „Lasst uns hier rasten. Wir reiten morgen früh in der Dunkelheit weiter. Wir müssen die Tiere und uns schonen. Morgen werden wir an einem Brunnen vorbeikommen, der – so Gott will – gutes Wasser haben wird.“
Ich schaute nach Hussein, der still und nachdenklich erschien.
„Warum wollte man mich schon wieder umbringen?“, fragte er verzweifelt. „Erst das Kloster, dann der verkleidete Mönch und nun hier in der Karawane. Ich verstehe das nicht!“
„Das waren unglückliche Umstände, Hussein. Ich fürchte, die Anschläge galten mir. Man will mich beseitigen, seit ich in Ägypten bin. Ich weiß nur nicht wer und warum.“ Zum Beweis erzählte ich von dem nächtlichen Überfall, der wirklich mir gegolten hatte. „Du siehst“, schloss ich, „du bist im Irrtum!“
„Aber der Mann läuft noch frei herum, Mister Peter!“
„Ja, das weiß ich“, sagte ich vorsichtig. „Woher sollen wir wissen, ob es einer unserer Leute ist? Vielleicht war der Mann nur neugierig und wollte dem Nasrani sein Amulett entreißen? Heute nacht wirst du in deinem Schlafsack zwischen Ali und mir liegen. Abgemacht?“
„Einverstanden!“, strahlte Hussein.

Bevor ich am frühen Abend einschlief, versuchte ich mir mein Büro, meine Angestellten vorzustellen. Aber es gelang mir nicht. Der Gedanke an zu Hause berührte mich überhaupt nicht. Alles, was mir lieb und teuer zu sein schien, wollte absolut nicht vor meinem geistigen Auge auftauchen. Dabei war ich erst zehn Tage zuvor hierher gekommen. Lediglich meine noch nicht von mir geschiedene Frau, an die ich nicht einmal denken wollte, schien mir spöttisch zuzuzwinkern. Sie war inzwischen dem Glanz des Snobismus stark verfallen, und ich würde sie nie verstehen. War es die Selbstverwirklichung einer gelangweilten Frau kurz vor der Midlife–Krise? Dabei war sie einmal ein echter Kumpel gewesen, lebhaft und interessiert; eine attraktive Frau, die strapaziöse Abenteuerreisen ebensosehr liebte wie ein Glas Champagner im gestylten Ambiente.
‘Oberidiot!’, schalt ich mich. Was sollten diese gefühlsduseligen Reminiszensen? Ich hatte Mik, wie ich Michaela zu nennen pflegte, schon lange aus meinen Gedanken verbannt. Jetzt tauchte sie wie Erzengel Michael auf – spöttisch, ironisch und unnachahmlich selbstbewusst. Für mich gab es doch Sabine.
Sabine? Sie verblasste wie der untergehende Mond am Wüstenhimmel. Über mir ging er gerade auf, ein abnehmender Mond, in ein paar Tagen würde er auf dem Rücken liegen. Und ich zappelte mit meinen Gedanken wie ein Maikäfer, der auf dem Rücken lag.
‘Arrogantes, egozentrisches, männliches Chauvinistenschwein!’, hatte Sabine gesagt, als ich damals losgefahren war, um meinem Traum von einem Rollsiegel nachzulaufen. Ich musste zugeben, dass sie nicht ganz unrecht hatte. Aber seit damals saß ich in meinem Machoschmollwinkel, wenn ich es auch nicht zugeben wollte.
Mik, diese unmögliche Frau, die so verdammt logisch war und dabei so verdammt falsch liegen konnte, brachte es fertig, mich in rasende Wut zu versetzen, aber ‘arrogantes, egozentrisches, männliches Chauvinistenschwein’ war nicht ihr Niveau. Wüsste sie von meinem jetzigen Abenteuer, sie würde wohl amüsiert mit maliziösem Funkeln in den Augenwinkeln etwas von dem großen Jungen mit seiner Eisenbahn murmeln.

Langsam zog unsere Reisegruppe durch die unwirtliche Gegend aus Sand und Geröll, wieder Sand, Felsen, eine Schlucht und abermals Sand.
Sayyed machte mich auf einige markante Felsenberge aufmerksam und nannte ihre Namen. Ich war erstaunt, wie ausgeprägt sein Gedächtnis war. Schließlich hatte er diese Gegend vor unendlich vielen Jahren in seiner Jugend durchwandert.
„Wann werden wir den Mondberg erreichen, Sayyed?“
„Wenn uns die Dämonen der Wüste gut gesinnt sind und es Allah gefällt, dann werden wir bald seine Umrisse in der Ferne sehen können.“
„Hast du damals mit deinen Leuten auch hier Rast gemacht?“
„Nein, Badir. Wir sind rasch weitergezogen. Die Dämonen, die dort hausen sollten, versetzten uns in Angst. Meine Leute werden sicher Angst bekommen, so wie wir damals. Sie werden meinen Anordnungen nur mit Widerwillen gehorchen. Die Karte, die du hast, ist erstaunlich exakt. Lass uns sehen, ob sich die Weissagung erfüllt, von der die Stämme seit vielen Generationen erzählen!“
Im Schutze eines großen Felsens aus Rosengranit suchte eine Schar Wüstenhühner Kühlung. Unsere Wasservorräte waren fast erschöpft. Die Kamele mussten getränkt werden. Doch es gab kein Anzeichen für einen Brunnen.
Die schwarzen und roten Granitblöcke, die uns umgaben, waren in wilder Unregelmäßigkeit aufeinandergetürmt und bildeten fast Kunstwerke eines Riesen. Aber es gab keine Spur von Vegetation. ‘Eine harte Prüfung für Mensch und Tier’, hatte Sayyed vor dem Aufbruch angekündigt. Trotzdem ritt er an der Spitze unseres Zuges mit unerschütterlicher Gelassenheit. Da hob er die Hand als Zeichen für eine Rast.
Erschöpft stiegen wir von unseren Kamelen. Niemand sprach ein Wort. Ali war wie ein Schatten bei Hussein. Erfreut stellte ich fest, dass Hussein inzwischen wieder bei Kräften war. Er musste eine Pferdenatur haben.
Sayyed verschwand in den Felsen, die aussahen, als hätte sie die Hölle ausgespuckt.
„Pass auf, Badir“, sagte Rasul, „mein Vater wird gleich siegesgewiss zurückkommen!“
„Wie meinst du das?“
„Er bringt Wasser mit“, versicherte er mit großer Bestimmtheit.
„Woher willst du das wissen?“
„Vater hat sich an ein Wasserloch erinnert, das tief unter den Felsen liegt. Du weißt, wie wichtig Wasser für uns alle ist. Wir richten unsere Wandertage nach den Brunnen aus. Schau, da kommt er mit einem prall gefüllten Balg zurück!“
Das Wasser schmeckte wunderbar. Wir transportierten es in den Schläuchen und Bälgen aus dem kühlen Fels nach draußen und gossen es in eine natürliche Vertiefung im Stein, die fast wie ein Trog aussah. Hier konnten sich die Kamele satt saufen. Und sie tranken Unmengen. Endlich konnten auch wir unseren Durst löschen und uns zum kargen Mahl aus Datteln und Käse zusammensetzen.
„Wenn morgen die Sonne hoch steht, werden wir den Mondberg erreicht haben!“, verkündete Sayyed.
„Kann man ihn denn schon sehen?“
„O ja, er ist nicht mehr weit von hier. Nur der Weg dorthin ist beschwerlich. Wir werden zu Fuß gehen müssen, um die Tiere zu schonen. Komm mit, mein Freund!“

Mit einiger Mühe stiegen wir auf einen der Felsenberge. Soweit das Auge reichte, sah man schwarze und braunrote zerrissene Felsen im Süden, die phantastische Formen hatten, und weite Täler. Im Osten konnte man ockergelbe Sandhügel erkennen. Sayyed setzte sich auf einen Felsen und atmete erleichtert auf.
Fragend sah ich ihn an. Da lächelte er und sagte: „Lass dir zuerst etwas erzählen, Badir. Wie du weißt, sind wir vom Stamm der Dscheheina. Früher zählte unser Volk viele Krieger. Wir waren überall angesehen, weil wir große Herden besaßen. Aber wir waren auch gefürchtet, weil wir ein Geheimnis hatten. Das Geheimnis ging jedoch verloren, und wir sind nicht mehr so stark. Die Verbindung zu Tarif und seinen Leuten gibt uns heute die Lebensgrundlage. Man sagt, ein Geheimnis liegt im Berg des Mondes.“
Sayyed machte eine Pause und schloss die Augen. Was wollte er mir eigentlich sagen? Warum waren wir beide allein hier oben?
Lange Zeit saß der Greis da wie eine aus Stein gemeißelte Skulptur. Ich wartete geduldig, während ich die unmittelbare Umgebung genauer betrachtete. Vor meinem linken Fuß lag ein flacher loser Stein. Ich beugte mich vor, um ihn aufzuheben. Ob seine Unterseite hell war?
Meistens war nur die Oberseite des Gesteins von dem schwarzen Wüstenlack überzogen. Das hatte ich von Jussuf gelernt. Ich hatte Kugelsandsteine mit kapriziösen Formen gesammelt. Sie sahen aus wie kleine Tiere oder Menschen. Die Steine wurden durch den Wind gerollt, geschliffen und gerundet, eine Art Sandstrahleffekt. Die flachen Steine in der Schotterwüste waren auf der Oberseite metallisch schimmernd und schwarz, während die Unterseite ihre wahre Farbe zeigte.
Ich hielt den Stein in der Hand, als Sayyed sagte: „Badir, Schau, dort ist der Berg des Mondes!“
Ich konnte keinen Berg sehen, der wie eine Mondsichel aussah, und sagte es ihm.
„Es ist von hier aus der dritte Berg rechts von dir!“ Er deutete in die Richtung. „Natürlich sieht er nicht aus wie der Mond. Aber er hütet das Geheimnis – vielleicht. Vielleicht gibt es aber auch einen anderen Mondberg in einem anderen Gebiet, das auch einmal das Gebiet meines Volkes war!“
„Wenn das dort drüben der Berg ist, dann sind wir doch schnell da!“
„Wir müssen viele Biegungen gehen, Badir.“

Ein leises Unbehagen hatte mich beschlichen, als wir am nächsten Tag aufgebrochen waren; denn alle unsere Reisegefährten waren schweigsam. Stimmten die Geschichten von den Geistern und Dämonen doch? In meiner Tasche entdeckte ich den Stein, den ich am Vorabend wegen des Wüstenlacks gedankenverloren eingesteckt hatte. In der Wüste äußert sich der Verwitterungsprozess unter anderem durch diese Patina aus Eisen und Magnesiumoxiden.
Es war ein besonders glatter Stein. Auf der Unterseite entdeckte ich eingeritzte Zeichen. Die Schrift ähnelte der, die ich bei dem toten Gewürzhändler in Kairo gefunden und geglaubt hatte, sie sei amharisch. Sie lautete:
Ich spürte, wie eine große Unruhe über mich kam, gemischt mit Aufregung und Anspannung. War es das Fieber des Entdeckers, diese Krankheit der Besessenheit?
Hussein war an meine Seite geritten. „Mister Peter, werfen Sie das weg!“, rief er aufgeregt.
„Warum denn? Ich bin froh, dass ich den Stein aufgehoben habe. Schau, es muss eine alte Inschrift sein.“
„Er wird uns Unglück bringen! Bitte, Mister Peter, werfen Sie den Stein weg!“
„Warum regst du dich so auf, Freund?“
„Das ist ein magischer Spruch. Er ist für einen Gott des Volkes, das einmal hier gelebt hat. Es muss so sein. Behalten Sie den Stein, machen Sie sich zum Werkzeug des Teufels!“ Hussein trabte mit seinem Kamel an die Spitze des Zuges.
Bald darauf kam Sayyed auf mich zugeritten. „Badir, du hättest den Stein nicht im Beisein eines anderen betrachten dürfen! Jetzt wird sich Angst und Hysterie unter den Männern verbreiten. Sie werden uns beim Mondberg keine große Hilfe sein.“
„Das konnte ich nicht wissen, Sayyed. Den Stein habe ich gestern abend auf dem Felsenberg aufgehoben und wieder vergessen. Schau ihn dir an! Die Symbole haben sicherlich etwas zu bedeuten.“
Bedächtig und ehrfürchtig untersuchte er den Stein. „Badir, du hast einen großen Fund gemacht! Was der Stein bedeutet, weiß ich nicht. Aber auf ihm sind heilige Schriftzeichen eingraviert. Unser Volk kennt sie nicht. Die Eingeweihten bei uns haben andere heilige Zeichen. Ich darf sie dir nicht verraten. Den Stein werde ich für dich aufbewahren. Vertraue mir!“
Sayyed ließ anhalten und sprach mit fester Stimme, die an den Felsen wiederhallte: „Meine Brüder, Badir hat etwas gefunden, was euch mit Angst erfüllt. Ich sage euch, der Zauber ist nicht mehr wirksam!“ Einige Unmutsäußerungen waren zu hören. „Ihr wisst, dass ihr mir vertrauen könnt. Aber seht, ich gebe den Zauber an den Berg zurück!“
Damit schleuderte er den Stein in hohem Bogen in die Luft. Dieser gab ein tönernes Geräusch von sich, als er von oben auf dem Felsen aufschlug. Die Stille, die darauf folgte, bewies, dass der Stein einen festen Platz gefunden hatte und nicht etwa zu uns herunterkullerte.
„Ich reite voraus. Folge mir, Badir!“
„Warum hast du das getan?“
„Später, mein Freund. Du wolltest mir doch vertrauen!“

Nach einer Stunde ließ Sayyed anhalten. Die Felsen hatten sich in ein breites Tal geöffnet. Hier wuchsen ein paar Sträucher und Tamarisken. Der Alte schickte Rasul zwischen die Felsen zu unserer Linken. „Schau nach, mein Sohn. Dort drüben müsste es eine Gelta geben mit genügend Wasser für die Tiere und für uns.“ Dann wandte er sich an die Reisegefährten: „Lasst absatteln und bindet den Kamelen die Vorderbeine lose zusammen, damit sie sich Futter suchen können. Wir rasten hier!“
„Nimmst du mich mit, Peter?“
„Klar doch, Ali.“
„Darf Hussein auch mitkommen?“
„Wohin denn?“
„Auf den Mondberg!“
Es war mir unverständlich, woher Ali dies wusste. „Will Hussein denn überhaupt mitkommen?“
„Aber ja! Außerdem will er mit dir reden.“
„Wo ist er?“
„Dort drüben bei dem Tamariskenbaum.“
Hussein stand in der Tat an den Stamm des Baumes gelehnt und blickte auf den braunroten Boden vor sich.

„Du wolltest mich sprechen, Hussein?“
„Ich möchte mich entschuldigen, Mister Peter! Ich habe einen großen Fehler gemacht. Mit meinem Verhalten habe ich fast eine Panik heraufbeschworen. Das war dumm von mir. Sie müssen verstehen, ich war erschrocken, denn die Zeichen hatte ich schon einmal gesehen. Es ist lange her. Ich war noch ein Kind. Es gab eine verbotene Schatulle im Haus meiner Eltern. Ein geheiligtes Kästchen, das immer in ein schwarzes Tuch eingeschlagen war. Das Tuch hatte viele Augenzeichen und Khamsas eingewebt. Sie wissen, dass dies die Hand der Fatima ist.“
Ich wollte ihn nicht unterbrechen, und nickte nur.
„Ich war neugierig. Obwohl ich wusste, dass die Schatulle mit einem großen Tabu belegt war, habe ich unter dem schwarzen Tuch nachgeschaut. Mir war schlecht vor Angst. Aber ich weiß genau, dass ich diese Zeichen dort gesehen habe. Die Schatulle war aus Ebenholz. Unter dem goldenen Schloss war ein Zeichen und darunter die fremden Schriftzeichen. Aus Angst, von einem heiligen Blitz erschlagen zu werden, weil meine Augen Verbotenes gesehen hatten, verhüllte ich die Schatulle schnell wieder und rannte in die Steppe, als seien alle Dämonen hinter mir her.“
„Was geschah mit der Schatulle?“
„Danach habe ich sie nie mehr gesehen. Ich nehme an, dass meine Eltern sie versteckt haben.“
„Leben deine Eltern noch?“
„Ja, Mister Peter. Sie wohnen im Süden Nubiens. Ich habe sie lange nicht gesehen. Aber ich weiß, dass sie sich guter Gesundheit erfreuen. Meine Schwester kümmert sich um sie.“
„Hast du deine Eltern später nie nach der Schatulle gefragt?“
„Das war mir doch verboten! Und nach dem Tod des Vaters wird mein Bruder Kaleb das Oberhaupt der Familie. Wie es Brauch ist, wird dann der Besitz meines Vaters auf ihn übergehen. Nur Kaleb ist von Vater in die Familiengeschichte eingeweiht worden. Er wird dereinst über die Gefolgsleute meines Vaters und über mich herrschen. So wie Scheich Sayyed der Herrscher über seine Beduinen ist.“

Ich war verärgert, dass Sayyed ‘meinen’ Stein weggeworfen hatte, obwohl ich wahrscheinlich an seiner Stelle genauso gehandelt hätte. Missmutig schloss ich mich ihm und Rasul an, um den Berg auf der Suche nach einem Geheimnis zu umrunden.

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