Leseprobe
aus Joachim Kutschke: Sieg der Windmühlen. Roman
Vater Morgana
Seit fast einer Stunde stehe ich hier am Tresen und versuche krampfhaft, mich nicht dauernd in diesem blöden Spiegelglas zu beobachten. Ich weiß, dass sich meine Haare lichten, besonders oben am Hinterkopf, ich weiß, dass die jugendliche Frische meines Gesichts langsam einer gewissen faltigen Reife weicht. Jeden Morgen, wenn ich mir im Bad in die verschlafene Visage sehen muss, während ich mir den Bart abschabe, werde ich gewaltsam daran erinnert. Die Kraft der Verdrängung, des nicht Wahr–haben–Wollens ist längst der traurigen Erkenntnis erlegen: Ich bin noch nicht alt – aber ich bin nicht mehr der, der ich einmal war. Reife hin, Reife her, ich sehe kein Verdienst darin, einem unausweichlichen Zerfallsprozess ausgesetzt zu sein, der mir zumindest äußerlich das raubt, was bisher Teil meiner Identität, meiner, wie andere bestätigten, vorteilhaft–jugendlichen Ausstrahlung war. Ich bin nicht eitel, aber ich habe mir schon besser gefallen, mich wohler in meiner Haut gefühlt, die langsam schlaff wird. Und es macht absolut keinen Spaß, auch noch abends beim Bierchen in dieser Kneipe durch geschmacklose Spiegel an den Wänden mit solchen Wahrheiten konfrontiert zu werden. Ich weiß nicht, welcher Yuppie–Designer auf diese Idee kam. Dabei gibt es in dieser Kneipe überhaupt keine Young–Fashion–People, die ihren Narzissmus bespiegeln wollen. Dies hier ist seit ewigen Zeiten meine Stammkneipe in Bornheim, eigentlich ein enges, altes, verräuchertes Kabuff, das aber gerade im späten Gedränge der Gäste immer eine Geborgenheit und Gemütlichkeit vermittelte, die die meisten allein vor ihrem Fernseher in der Einsamkeit ihrer vier Wände vermissten. Seit der Renovierung im letzten Jahr ist diese anheimelnde Atmosphäre jedoch der optischen Täuschung eines doppelt und dreifach großen Etablissements gewichen, die jetzt darüber hinweg spiegelt, dass hier nichts los ist. Kaum halb voll der Laden und fast keine Frauen. Niemand, den ich kenne.
Ich habe mir gerade zum Aufwärmen einen Calvados genehmigt, der mir heiß und billig die Kehle hinunterbrennt. Das Bier, erst mein drittes, schmeckt mir heute nicht. Der Abend ist mir gründlich versaut. Ja, ich bin sauer.
Ich gehöre zu der Generation von Vätern, die, getrieben vom revolutionären Willen zur Auflösung traditioneller Geschlechterrollen, ihren Kindern selber den Arsch abgewischt haben. Zugegeben, jetzt in unserer post–pädagogischen Moderne keine Heldentat mehr. Dank der Mülltonnen verstopfenden Boy–und–Girl–Windeln ist diese unappetitliche Tätigkeit, in der sich liebevolle Eltern aufopfern, heute zu einer geradezu obszön problemlosen und stinknormalen Angelegenheit geworden.
Ich musste noch täglich verschissene Baumwoll–Windeln in die Kochwäsche stopfen und dann die Nacht über vor die Heizung hängen. Meistens war das eine große Sauerei. Und es kostete Zeit. Damals studierte ich noch.
Aber, wenn ich ehrlich sein soll, ich habe es zunehmend mit einem masochistischen Vergnügen getan, mit kaum definierbaren, aus dunklen Tiefen meines Inneren aufsteigenden Lustgefühlen. Diese weiche, stinkende Masse, mal hell, mal dunkel, mal braun, mal grünlich, immer aber warm und weich, die so hartnäckig in den Speckfalten meines Sohnes klebte, überall verschmierte und partout nicht von der Haut zu wischen war – ich vergesse das nie.
Irgendwie waren wir ja alle damals in einer spätpubertären Analphase. Ich bin sicher, der alltägliche, gewohnheitsmäßige und routinierte Umgang mit dieser amorphen Masse hat mich in meiner Persönlichkeitsentwicklung voran gebracht. Diesen spießigen Ekel vor der Scheiße habe ich niedergerungen, transformiert in eine animalische Lust. Das hatte tatsächlich etwas Befreiendes. Davon zehre ich heute noch, wenn es um Körperliches geht, um Schweiß und Blut, um Sperma und Mösensaft. Ich bin versöhnt mit meinen eigenen Körpersäften und kann die meisten anderen, denen ich näher komme, gut riechen. Ich brauche nicht dein Bac und mein Bac.
Dabei war ich so brav und zu penibler Reinlichkeit erzogen worden. Wasche dir bitte vor dem Essen die Hände. Fass das nicht an, das ist schmutzig. Damals, als ich dreizehn, vierzehn war, hatte ich mich ständig meiner Geschlechtlichkeit geschämt, meiner noch flaumweichen Schamhaare, meines Milchbarts auf der Oberlippe und all der übel riechenden Ausscheidungen meines Körpers – angeblich sollen sie erotisierende Lockstoffe enthalten – , deren Aromen nie ganz mit Seife wegzukriegen waren. Jene Flüssigkeiten, die seit der Pubertät so penetrant und bewusst aus allen Körperritzen sickerten, quollen oder spritzten – der Sockenschweiß in der Turnhalle, nasse Achselhöhlen, wenn ich erhitzt vom Fahrrad stieg, kalte Angstperlen auf der Kopfhaut bei Prüfungen, ganz zu schweigen von den klebrigen Ergüssen in der Nacht, die mich erschrocken hochfahren ließen. Nicht, dass ich mich vor mir ekelte. Mich störte das nicht. Ich roch das gern. Aber da war dieses ewige Gefühl der Peinlichkeit, der Scham, als wäre ich ertappt worden. Die Angst, dass die Anderen es riechen.
Gut, ich will dieses Scheiße–Wegmachen nicht heroisieren. Aber wenn es schon kein Verdienst mehr ist, so gibt es mir doch Rechte. Ich habe als Vater, der seinem Sohn fast täglich den zarten, sensiblen, zur Überempfindlichkeit neigenden, weil öfter wunden, Popo geputzt, gecremt und gepudert hat, das Recht, von diesem so verwöhnten Wesen, jetzt, wo er ein fast erwachsener junger Mann ist, eine Gegenleistung zu erhalten. Gegenliebe wäre wohl zu altmodisch und zuviel verlangt. Aber so was wie ein Echo, eine Rückmeldung auf Fragen, wenigstens ein bisschen Konversation, ein Minimum an Kommunikation kann man als Vater wohl erwarten. Schließlich hängt man ja noch an diesem fremd gewordenen Wesen, das man – ich weiß kaum noch, wann und wie und vor allem, warum – in die Welt gesetzt hat. Gerade jetzt, wo er endlich in einem Alter ist, wo man etwas Sinnvolles miteinander anfangen könnte – von Mann zu Mann sozusagen.
Haben wir nicht endlose Tage und Nächte, Jahre miteinander geteilt? Uns genervt und getröstet, gestritten und wieder zusammengerauft, beschimpft und gelacht? Wir haben harte Zeiten durchgestanden und manch schöne Tage, Angst und Hoffnungen geteilt. Und wir haben viel Spaß miteinander gehabt. Das verbindet doch. Oder?
Und das alles damals in unserer irre engen Wohnung in Bockenheim, die eine klare Trennung von Dein und Mein sowieso unmöglich machte. Für Stephan ein fast grenzenloses Territorium für Erfahrungs– und Eroberungsfeldzüge – mit allen verheerenden Folgen. Ein Eldorado für seine expressive Neigung, kreatives Chaos herzustellen.
Natürlich, ab und zu hat auch Oda sich um den Kleinen gekümmert. Aber sie hatte als Aktivistin ihres Fachbereichs leider selten Zeit. Oda studierte Psychologie, antibürgerliche Psychologie, das heißt, sie hing, wie fast alle linken Psychofreaks, der fixen Idee an, mit den massenhaften Neurotiker, Psychotikern, sexuell Frustrierten, Kaputten und Beladenen, also den Opfern der kapitalistischen Ausbeutergesellschaft eine Randgruppen–Revolutionsfront aufzubauen – Motto Macht kaputt, was euch kaputt macht. Da mussten natürlich private, individualistische Bedürfnisse und erst recht kleinbürgerliche, frauenausbeuterische Hausarbeiten wie Kochen, Waschen und Windelnwechseln zurückstehen. Also war ich die wichtigste Bezugsperson Stephans. Mich hat er mehr geliebt. Und ich habe ihn auch geliebt. Ich liebe ihn noch. Deshalb bin ich ja so wütend auf ihn.
Wenn es schwierig wurde, und das war täglich mindestens zehnmal der Fall, musste ich den Retter in der Not spielen, mich meiner Vaterpflichten erinnern. Wenn Stephan schrie wie am Spieß wegen irgendeiner Nichtigkeit, einem gequetschten Daumen oder einem unsichtbaren Pikser von irgendwas, wenn Oda ihre feministischen Termine hatte oder ganz dringend irgendwohin musste, wenn sie zu schlaff oder einfach zu abgespannt war, um jetzt noch die treu sorgende Mutter zu spielen: ich war immer im Einsatz. Schließlich könnte ich ja – so Odas Argument – meine wissenschaftliche Arbeit sehr gut zu Hause erledigen. Ich würde ohnehin nur Romane und soziologischen Kram lesen und alles mit meinen Edding–Stiften bunt anmalen, dazu bräuchte ich nicht an der Uni rumhocken. Laut Oda könnte ich so bequem die Theorie mit der Praxis des Lebens verknüpfen und vergleichende Feldforschung betreiben.
Ich war damals im sechsten Semester und wurde noch immer von meinem Vater ausgehalten. Das war mir nicht peinlich. Mein Vater betrieb eine gut gehende Apotheke in Sachsenhausen und musste sich nichts abknapsen. Aber ich wollte eigentlich zügig fertig werden. Trotz meiner politischen Aktivitäten teils im Kultur–Referat des AStA, teils in der Juso–Hochschulgruppe, war ich fleißig am Studieren und habe keineswegs gebummelt. Als Stephan für uns alle überraschend auf die Welt drängte, fragte mein Vater nur beiläufig und fast ohne tadelnden Unterton: Musste das sein? Worauf ich rot wurde und keine Antwort wusste. Oda und ich waren selbst von diesem Ereignis in aller Unschuld überrascht worden. Es wäre unfair gewesen, jetzt meinem Alten vor den Latz zu knallen, dass er und meine Mutter und seine ganze verdammte Generation daran schuld seien. Dass sie uns so prüde und sexualfeindlich erzogen hätten, dass wir über sexuelle Dinge eben nicht offen hätten reden können – und das, obwohl er Apotheker sei. Es wäre unfair und eine Lüge gewesen. Oda und ich, wir bumsten damals fröhlich zu jeder Tages– und Nachtzeit, wenn es uns überkam. Und wir redeten – wie alle unsere Freunde – pausenlos über Sex, über sexuelle Repression, Triebunterdrückung und Regression. Vor allem aber über Befreiung. Befreiung Südamerikas, Befreiung Vietnams, Befreiung der Frauen, meist aber von der sexuellen Befreiung, was ja alles irgendwie zusammenhing und rechtfertigte, eben das so oft wie möglich zu tun, wovon man/frau Kinder kriegt. Ich weiß wirklich nicht mehr, wie’s damals passieren konnte. Dass mich Oda bewusst gelinkt haben könnte – im Grunde hatte sie immer noch die alten bürgerlichen Ideale von einer glücklichen Familie in ihrem hübschen Kopf – , auf diesen Verdacht kam ich erst viel später. Ich habe auch nicht aufgepasst. Für uns Männer war es damals selbstverständlich, dass es die Aufgabe der Frauen war, für die Verhütung zu sorgen, wenn sie lustvollen Sex wollten, ohne immer an die Folgen denken zu müssen. Denn die Pille, um die uns unsere Eltern heimlich beneideten, war nicht nur der neue Marktrenner der Pharmaindustrie, sondern der große Durchbruch, die befreiende Lösung schlechthin. Trotzdem kam Stephan auf die Welt, die für Oda und mich deshalb nicht unterging. Wir liebten uns ja – noch. Und Stephan war ein süßer Fratz, auch wenn er mich und meinen Vater dann doch mindestens vier Semester kostete, so dass ich die letzten Chancen, in den Schuldienst zu kommen, verpasste. Auf diese Weise bin ich nie in den Genuss eines festen Beamtengehalts und den damit verbundenen Pensionsanspruch gekommen, sondern habe mich bis heute recht alternativ mal mit diesem und mal mit jenem Job über Wasser gehalten. Eine freie, aber wackelige Existenzform, die mir immerhin die Genugtuung verschafft, als einziger meines Freundeskreises unseren damaligen Idealen treu geblieben zu sein. Die beneiden mich jetzt alle, weil sie im etablierten Saft bürgerlicher Langweile schmoren, während ich, frei wie ein Vogel, mindestens zweimal im Jahr nicht weiß, ob ich die Miete oder die Stromrechnung weiter bezahlen kann.
Ich habe Stephan also jahrelang den Hintern abgeputzt und das alleine – so finde ich – gibt mir das Recht, dass er heute – er ist gerade achtzehn geworden – wenigstens mit mir redet. Aber genau das tut er in letzter Zeit nur ungern oder fast gar nicht. Er kriegt die Zähne nicht auseinander. Und ich kann mich des Verdachts nicht erwehren, dass es sich dabei um eine allgemein in der Jugend grassierende Krankheit handelt. Es ist eine so nette und freundliche Jugend. Sie lächeln entwaffnend, wenn ihnen ein Missgeschick passiert, so dass sie glatt vergessen, sich zu entschuldigen, und sie sind so schrecklich sauber und chic, dass sogar Oma und Opa wieder Freude an ihnen haben. Ich finde sie nur affig, eitel und modegeil. Diese Teenie–girls, schon morgens mit Lidschatten um die Augen und hochgestylt, als kämen sie gerade aus der Disco. Aber sie sind hübsch anzusehen und von ferne durchaus sympathisch, nur: sie kriegen das Maul nicht auf. Auch Stephan ist von diesem Virus befallen. Und das enttäuscht, ja, das kränkt mich.
Stephan ist intelligent, schließlich kenne ich ihn. Er hat keinen Sprachfehler, seine Sprachwerkzeuge sind, soweit ich das beurteilen kann, völlig intakt. Er ist auch kein Muffel, er war immer ein aufgeweckter, lebendiger Bursche. Er kann reden, wenn er will. Er besitzt eine gewisse Sprachkompetenz, die es ihm ermöglicht, sich differenziert auszudrücken, einen elaborierten Code, den er durchaus für seine klugen, wenn auch oft besserwisserischen Verbalattacken zu nutzen weiß. Die jahrelangen, oft lautstarken Endlosdiskussionen über unsere politischen Standpunkte und unsere Weltsicht, über aktuelle Tagesereignisse und meine Beziehungsprobleme, all die Debatten zwischen Oda und mir, unsere verbalen Schlachten, Kleinkriege und Florettgefechte waren für Stephan ein exzellenter Übungs– und Anschauungsunterricht in Rhetorik auf dem Niveau eines Leistungskurses. Sicher hat er damals nicht alles verstanden, schließlich bewegten sich diese Diskussionen auf höchstem abstraktem Level. Aber er hat die Technik voll mitbekommen. Sein Wortschatz und seine Fähigkeit zu dialektischer Argumentation sind überdurchschnittlich. Ein Erfolg unserer Erziehung. Nur, er macht keinen Gebrauch davon. Ich muss ihm die Würmer einzeln aus der Nase ziehen. Und ich habe zunehmend den Eindruck, dass er mich mit Absicht so abspeist, nicht wirklich sagt, was er denkt. Das macht mich rasend. Ich raste deswegen nicht aus, ich brülle nicht los. Das ist nicht mein Stil. Ich bleibe ruhig, rede sachlich, frage nach, verkneife mir sogar meine Lust an Ironie, mit der die Jungen heute anscheinend gar nichts mehr anfangen können.
Übrigens klagt auch Oda, dass sie in letzter Zeit so gar nicht mehr an ihn rankomme. Und das, obwohl sie Psychologin ist. Ich kann ein kleinwenig Schadenfreude über diese Tatsache nicht verhehlen. Immerhin eine gewisse Bestätigung und Objektivierung meines subjektiven Urteils.
Ich bleibe also freundlich, aber in mir nagt es. Wenn er mich so am langen Arm auf Distanz hält, fängt es bei mir an zu brodeln. Und manchmal, ich gebe es zu, da schafft er mich. Dann koche ich vor Wut und Hilflosigkeit. Innerlich. Und in diesen seltenen Augenblicken habe ich plötzlich den Drang, mit irgendeinem harten, scharfen Gegenstand seinen hübschen Schädel zu zertrümmern, um nachzusehen, was in ihm vorgeht.
Wir hatten uns heute im Bistro in der Bergerstraße verabredet. Ich war zuerst da, trank schon mal einen Calvados, fror und wartete. Draußen goss es in Strömen. Stephan kam pünktlich um vier. Schon von der Tür aus grüßte er mit lässiger Handbewegung und hing seinen nassen Blouson an die Garderobe. Darunter trug er nur ein kurzärmeliges T–Shirt – bei dieser Saukälte! –, so dass man seine noch immer sommerbraunen Arme sehen konnte. Dann kam er zu mir an den Tisch.
„Hallo!“, begrüßte er mich und gab mir einen Kuss. Das tut er gern in der Öffentlichkeit, weil er glaubt, damit die Spießer provozieren zu können. Er nimmt an, dass uns dann alle für ein schwules Pärchen halten würden. Das gefällt ihm. Er liebt solche Spielchen. Immerhin, nicht nur Stephan sieht gut aus, auch ich habe mich ganz passabel gehalten und bin noch knackig – hat er selbst zu mir gesagt. Nur leider kann ich im Augenblick nichts davon entdecken, wenn ich mich in diesem verdammten Spiegelglas sehe. Es muss an der Beleuchtung liegen, dass man die Schatten der Gesichtsfalten so deutlich sieht.
Stephan also setzte sich zu mir, legte seinen rechten Fuß lässig übers linke Knie und bestellte einen Cappuccino. Er trug weiße Turnschuhe. Ich bot ihm eine von meinen Selbstgedrehten an.
„Danke“, lehnte er ab, „du solltest langsam damit aufhören.“
Ich wollte nur höflich sein.
Da saß er nun, mein sportlicher Sohn, der nicht rauchte, schon gar nicht Selbstgedrehte ohne Filter, und sah mich an. Die Turnschuhe waren neu. Ich zuckte einen Moment zusammen, rechnete schnell nach. Aber es war alles in Ordnung. Ich hatte seinen Geburtstag nicht schon wieder vergessen. Oda musste diese teuren Dinger bezahlt haben. Sein kleiner fester Hintern, den ich so oft gewischt hatte, klemmte sexy in hellblauen Jeans. Die blonden Haare – ich bin dunkler, Oda ist beziehungsweise war hellblond – trug er jetzt kürzer, Ohren und Nacken frei. Oben waren sie länger, so dass ihm ständig eine Strähne ins Gesicht fiel, wenn er den Kopf senkte. Frauen mussten auf ihn fliegen, da bin ich sicher.
„Na, wie geht’s, mein Alter?“, eröffnete er die Partie.
Ich erzählte ihm ein bisschen, was ich gerade mache. Dass mich die Schickimicki–Typen im Planungsbüro ziemlich nerven würden und dass mir keine blöden Sprüche mehr einfallen, um den Leuten Katzen–Pastete schmackhaft zu machen. In der Tat, es gehen mir die Ideen aus. Ich merkte gleich, dass er nicht zuhörte. Er popelte an seiner Schuhsohle herum. Ich nahm mir vor, ruhig zu bleiben, ruhiger als das letzte Mal.
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