Leseprobe

aus Wolfgang Jockel: Frühlingsrolle mit Stäbchen. Roman
(Auszug aus den ersten beiden Kapiteln.)


Tagebuch von Alexander Jonas

Tagebuch schreiben ist eigentlich ein Privileg des weiblichen Geschlechts – oder? Meine Mutter hat immer Tagebuch geschrieben – und meine Schwester und meine erste große Liebe. Nachdem ich aber mal in ihr Tagebuch geschaut hatte, war sie nicht mehr meine große Liebe. Da gab es nämlich noch einen Benny in ihrem Leben. Und einen Manfred – gleich auf der zwölften Seite. Und einen Paul. Wie kann man nur Paul heißen!

Über mich stand nicht so wahnsinnig viel in ihrem Tagebuch:

„War gestern Abend mit Alexander chinesisch essen. Peinlich! Würde es am liebsten Paul erzählen, aber er glaubt, dass ich gestern bei Hedwig war.“

Warum bringen sich Frauen in solche Gefahr? Schreiben alles auf, was sie erleben – mit allen Details –, müssen dann aber unter allen Umständen verhindern, dass es jemals von irgendjemandem gelesen wird.

„Mein liebes Tagebuch, ich vertraue dir jetzt etwas an, was kein Mensch je erfahren darf. Niemand niemals nicht!“

Aber irgendwann liest es doch jemand. Früher oder später. Und dann kommt alles raus. Wie bei Bridget Jones – heute das Gespött der ganzen englischen Gesellschaft. Ihr Tagebuch hat man in mindestens 20 Sprachen übersetzt und sogar verfilmt – wie haben die Leute über sie gelacht! Aber das hat sie jetzt davon!

Schade, dass ich das Tagebuch meiner ehemaligen ersten großen Liebe – dem kleinen Luder – nicht einfach mitgenommen habe damals. Vielleicht hätte es auch jemand verfilmt, und dann wäre sie vor allen Leuten bloßgestellt gewesen. Vor ihrem Vater, vor ihrer Mutter, vor diesem Benny und dem blöden Manfred. Und vor allem vor dem noch blöderen Paul!

Was aber, wenn ihr Tagebuch als Film womöglich ein Erfolg geworden wäre! Das wäre dann eigentlich nicht der Sinn der Sache gewesen. Nicht wirklich.

„Tagebuch einer Minderjährigen gewinnt die Lola. Jetzt für den Oskar nominiert!“
Hollywood: Wie die hübsche Autorin des Bestseller–Romans Tagebuch einer Minderjährigen bekennt, war ihr erster Liebhaber ein totaler Versager.

Damit kann sie nur diesen Benny meinen! Oder Paul!

Also vielleicht doch gut, dass ich ihr dummes Tagebuch damals sofort wieder in ihren Kleiderschrank zurückgelegt habe. Wie es ihr wohl geht? Vielleicht hat sie diesen Paul geheiratet und hat jetzt einen süßen kleinen Benny und einen noch süßeren kleinen Manfred. Wenn Paul wüsste, warum seine Söhne ausgerechnet Benny und Manfred heißen!

Mein Tagebuch wird hoffentlich „niemand niemals nicht“ lesen. Ja – ich gebe zu, auch ich schreibe jetzt Tagebuch. Ausgerechnet ich. Seit vier Wochen. Vielleicht, weil ich verliebt bin. Liebe macht blöd. Plötzlich lag es da, das Buch, und plötzlich habe ich mich dabei ertappt, wie ich etwas hineinschreibe. Aber ich sorge dafür, dass es niemand in die Hände bekommt und man dann womöglich über mich lacht. Paul und seine Frau. Und der kleine Benny und der dicke Manfred.

„Schau mal Manfred, was der komische Onkel da Lustiges in sein Tagebuch geschrieben hat. Dieser Mann ist auf die gleiche Schule gegangen wie Mutti – Kinder hab ich damals über den lachen müssen … Lass den Hund in Ruhe Benny!“

Na hoffentlich nehmen Benny und Manfred das Buch dann nicht mit zur Schule, um es auch noch ihren Freunden zu zeigen.

„Dieser Blödmann ist mit unserer Mutter zur Schule gegangen – total voll geil, oder?“
„Cool!“

Nein, soweit lasse ich es nicht kommen. Ich verschließe mein Tagebuch nach jeder Eintragung! Ja, es hat ein kleines, goldenes Schloss – na und?

Aber wer soll sich außerdem für meine Erzählungen interessieren? Mein Leben ist bei Weitem nicht so interessant, wie das von Bridget Jones. Ich arbeite weder in einer Rundfunkanstalt noch in einem Fernsehsender und mache erst recht keine Reportagen über Feuerwehrleute.

„Kann ich die Szene mit ihrem Hintern noch mal sehen …?“

Auch bin ich kein Tollpatsch oder Pechvogel. Nicht im eigentlichen Sinne. Natürlich passieren auch mir hier und da schon mal Dinge, die einem Mann eigentlich nicht passieren sollten. Ganz im Allgemeinen – damit keine Missverständnisse aufkommen!

„Du also ganz ehrlich – das ist das erste Mal, dass mir so was passiert – hatte wirklich noch nie Probleme damit …!“

Zwar kämpfe ich wie Bridget Jones auch von Zeit zu Zeit mit den Pfunden und trinke und rauche mal mehr, mal weniger und dann wieder mal mehr – aber weder mein Beruf noch mein Liebesleben sind so abwechslungsreich, wie das von Bridget mit ihrem Darcy und ihrem Hugh Grant. Es lohnt also wirklich nicht, dieses Tagebuch zu lesen.

Eigentlich bin ich Werbefachmann, aber ich arbeite in einer Versicherung – was sich nicht unbedingt gegenseitig ausschließt, aber auch nicht besonders aufregend ist. Als ich vor einigen Jahren noch in einer Werbeagentur arbeitete, war es jedenfalls wesentlich lustiger, vor allem auch wegen der vielen alkoholischen Produkte, für die diese Werbeagentur warb. Eines Tages kam der Chief–Manager auf uns Agency–Boys zu und stellte seiner Advertising–Crew die Frage:
„Wer möchte den Werbeetat für unseren neuen Kunden übernehmen? Eine Versicherung!“

Alle meine Kollegen hatten auf einmal wahnsinnig dringende Termine oder etwas ganz Wichtiges zu tun – jedenfalls waren plötzlich alle wie vom Erdboden verschluckt: Der Marketing–Manager, der Art Direktor, der Manager Business Development, der Account–Manager, der New–Business–Manager (der Old–Business–Manager war noch zu Hause), der Communications–Manager, der Senior Brand Manager – in seinem Zimmer stand natürlich der Feuerlöscher –, der Head of Promotions Manager und sogar der Direktor of Operations. (Damals dachte ich noch, dass er Chirurg wäre …)

Nur ich blieb stehen, weil ich die Frage akustisch nicht ganz verstanden hatte. Außerdem hatte ich kurz zuvor gerade eines dieser alkoholischen Produkte getestet, um mich in die richtige kreative Stimmung zu bringen – man muss ja wissen, für was man Werbung macht, damit sich das Produkt verkauft!

„Schön mein Junge – habe ich nicht anders von Ihnen erwartet. Eine echte Herausforderung das. Wünsche Ihnen viel Erfolg!“

Meinen etwas leeren Gesichtsausdruck hielt er für echte Ergriffenheit. Erst am nächsten Tag wurde mir klar, wie gefährlich Alkohol sein kann, und was ich mir da eingebrockt hatte. Meine Kollegen versuchten zwar, ihre Schadenfreude zu verbergen, gaben sich aber nicht wirklich große Mühe dabei:

„Guten Morgen Herr Kaiser!“

Das mit dem „… chinesisch essen mit Alex…“ und „…peinlich!“ war übrigens halb so wild, wie es das Ausrufungszeichen hinter „peinlich“ in dem blöden Tagebuch meiner Ex–Ersten großen Liebe vermuten lässt. Ich war halt etwas aufgeregt damals und hatte auch noch keine Übung darin, mein Essen mit zwei kleinen dünnen Holzstäbchen zu mir zu nehmen. Als ich die Frühlingsrolle gerade ganz weltmännisch mit meinen kleinen Stäbchen zum Munde führen wollte, verkeilten sich die Stäbchen und die Frühlingsrolle flog in hohem Bogen davon. Auf den Tisch der Dame neben mir. In ihre Suppe. Eine Tom Yam Gai–Suppe. Mit Glasnudeln, Morcheln, klein geschnittenen Hühnerbrustfilets, Kokosmilch und Zitronengras. Die Zitronengrasblätter isst man nicht mit – sie dienen nur der Würze.

Ich esse diese Suppe auch recht gern. Sie kostet nicht viel und macht ziemlich satt. Und hinterher schafft man nicht mal mehr eine Frühlingsrolle. Die Dame am Tisch neben mir schaffte meine Frühlingsrolle dann auch nicht mehr. Sie war auch nicht mehr so knusprig – die Frühlingsrolle! – weil sie in ihrer Tom Yam Gai–Suppe schnell weich geworden war. Frühlingsrollen müssen richtig knusprig sein, sonst schmecken sie nicht. Besonders die Vegetarischen.

Die Dame am Nebentisch kam entweder gerade aus dem Theater oder hatte Trauer – sie trug jedenfalls ein langes schwarzes Kleid mit einer schwarzen Stola, die sie über den Schoß gelegt hatte. Auch der Mann ihr gegenüber hatte Trauer oder kam gerade aus dem Theater und aß Sushi. Ich habe ihn jedenfalls nicht gefragt, ob er vielleicht meine Frühlingsrolle gerne gegessen hätte, solange sie noch schön knusprig war, weil diese Frage ja rein rhetorisch gewesen wäre. Erstens passt so eine Frühlingsrolle nicht zu Sushi und zweitens hatte sie ja auch schon einen anderen Weg gewählt und in der Tom Yam Gai–Suppe seiner Tischnachbarin bestimmt einiges ihrer ursprünglich knusprigen Konsistenz eingebüßt.

Nun bin ich der Meinung, so was kann doch jedem Mal passieren, aber plötzlich standen fast alle 2.700 Gäste des kleinen chinesischen Restaurants um uns herum und schauten mich an. Mich, die Dame in Trauer, ihre Tom Yam Gai–Suppe und meine Frühlingsrolle, die jetzt ihre war – sie lag ja schließlich in ihrer Suppe – auf ihrem Tisch. Wie das mit dem Eigentumsverhältnis rechtlich aussieht, müsste man mal klären lassen. Werde demnächst meinen Neffen fragen – er studiert Jura oder Betriebswirtschaft, so genau weiß das niemand.

Keiner der Gäste sprach mehr ein Wort, nur die beiden chinesischen Köche schauten mich vorwurfsvoll an:

„Mit Flühlingslolle man nicht spielt nicht …!“

Die chinesische Musik wurde abgestellt und die Suppe (von denen, die das Glück hatten, ein Foto–Handy oder gar einen Fotoapparat dabei zu haben) fotografiert. Der Reporter von RTL filmte mit einem gekonnten Schwenk von der Frühlingsrolle direkt auf mich und dann wieder zurück auf das trauernde Gesicht der Dame in Schwarz, die gerade aus dem Theater gekommen war.

„War gestern Abend mit Alexander chinesisch essen. Peinlich!“

Warum hat sie nicht geschrieben:
„War gestern mit Alexander chinesisch essen. Er ist ja so süß! (hier wäre das Ausrufungszeichen angebracht!). Und so lustig! (auch mit !) Wir haben wieder so viel gelacht …“

Mit ihrem Paul hat sie bestimmt nicht so viel zu lachen – wenn einer schon Paul heißt!


1. Habe jetzt eine neue Nase …

Heute ist Dienstag.
Mein Leben ist das reinste Chaos. Muss schauen, dass ich es endlich in den Griff bekomme. Werde mit dem Rauchen aufhören, weniger essen (88 Kilo sind zu viel!), weniger trinken, mehr Sport machen, meine Mutter öfter besuchen, endlich die neue Lampe im Schlafzimmer aufhängen, den Kleiderschrank aufräumen, mir eine eigene Waschmaschine kaufen und ein neues Sofa fürs Wohnzimmer und öfter mal zu Hause bleiben. Ja, und den Kofferraum von meinem Auto ausmisten, vielleicht finde ich auch meine Wanderstiefel wieder – es wird Frühling!


Im Radio läuft wieder die Werbung von Brillmann. Neues von Brillmann. Zum 127. Mal. Ich zähle mit. Immer der gleiche Werbespot mit dem gleichen Text. Die haben nur den einen. Neues von Brillmann – aber ohne was Neues …Wenn ich eine neue Brille brauche, werde ich ganz bestimmt nicht zu Brillmann gehen. Schade dass ich keine neue Brille brauche, um dann nicht zu Brillmann zu gehen. Aber vielleicht sollte ich mir doch mal wieder die Augen untersuchen lassen. Bin heute gegen eine Glastüre gelaufen und habe mir fast die Nase gebrochen. Schuld ist die Automatik der Eingangstüre zum Terminal 2 am Flughafen. Sie öffnet sich, wenn man in ihre Nähe kommt und schließt sich wieder, wenn man den Türbereich verlassen hat. Wahrscheinlich einige tausend Mal am Tag. Immer und immer wieder. Ganz automatisch – und zuverlässig.

Nur bei mir hat sie heute Abend eine Ausnahme gemacht. Hat sich gesagt, bei dem da mache ich es mal umgekehrt. Wird ja langweilig sonst. Also schob sie die beiden gläsernen Schiebetüren bereits zur Seite, als sie mich von Weitem kommen sah, ließ die Frau mit ihren beiden Koffern vor mir noch durch – um dann aber blitzschnell die beiden Flügel wieder zugehen zu lassen – genau in dem Moment, in dem ich gerade hindurch wollte.

Ich bin kein ausgesprochener Pechvogel und auch kein Pessimist, der seinem Unglück immer ein Stückchen entgegenkommt, aber trotzdem passieren mir halt manchmal Dinge, die anderen nicht passieren.

Als die Türe die hübsche Stewardess kommen sah, ging sie natürlich wieder auf. Ganz automatisch. Und ganz automatisch fühlte ich einen pochenden Schmerz an der Stelle, an der noch wenige Minuten zuvor meine Nase viele Jahre lang treu ihren Dienst verrichtet hatte.

„Haben Sie sich wehgetan? Bei der Firma Brillmann gibt es jetzt seit Neuestem sehr günstige Brillen – soll ich Ihnen ein Taxi rufen?“

Ich versuchte erst gar nicht, der Stewardess das mit der Türe zu erklären – sie hätte mir bestimmt nicht geglaubt. Stattdessen murmelte ich irgendetwas von Schnupfen und hielt mir mein Taschentuch vors Gesicht. Meine Nase fühlte sich an wie Watte, war aber sicher so groß und rot wie eine holländische Fleischtomate.

Nachdem die Türe nun das, was einmal eine ganz normale Durchschnittsnase war, für alle Ewigkeit demoliert hatte, machte sie Feierabend und blieb offen – ich habe sie beobachtet!

Natürlich blieb sie auch offen, als meine Freundin Yu Huh durch die Türe – und an mir vorbei ging. Sie hatte mich nicht erkannt mit meiner neuen Nase. Dabei bin ich extra zum Flughafen gefahren, um sie abzuholen. Hatte Mühe, sie davon zu überzeugen, dass ich ich bin.

„Aber irgendetwas ist anders an dir …“

Ich kenne Yu Huh jetzt seit zwei Jahren. An ihren Namen musste ich mich erst gewöhnen – vor allem, weil mich die Leute auf der Straße immer anschauen, wenn ich sie rufe und mich dann fragen, ob ich gerade im Lotto gewonnen hätte.

Juhuh … Juhuh …

Yu Huh ist Chinesin, sehr süß, sehr lieb und sehr sexy. Leider hat sie einen kleinen Tick. Nichts Gefährliches, auch nicht unbedingt unangenehm oder direkt lästig. Sie zeigt nur gerne ihre Muschi. Am liebsten jedem. Natürlich nicht, ohne vorher zu fragen!

„Soll ich Ihnen meine Muschi zeigen?“

Erst dachte ich, das ist vielleicht eine chinesische Sitte und war nur überrascht, als sie mir bereits eine Stunde nach unserer Bekanntschaft diese Frage stellte, aber bald war ich davon überzeugt, dass da irgendetwas in ihrer Kindheit falsch gelaufen sein muss.

Wenn sie allein ist, kann sie ja machen, was sie will, aber wenn sie meinen Freunden und Bekannten dieses Angebot macht und ich dabei bin, ist es mir manchmal etwas peinlich.

„Was will sie mir zeigen, deine Chinesin …?“

Die meisten glauben, nicht richtig gehört zu haben oder sind zumindest überrascht. Dabei findet sie selbst ihre Frage überhaupt nicht anstößig – sie will ja schließlich keinen Sex mit den Leuten. Nicht wirklich. Aber sie findet ihr kleines Kätzchen nur ganz einfach wunderschön und ist so stolz darauf, dass sie es am liebsten jedem zeigen würde. In aller Unschuld! Schon als kleines Mädchen hat sie es den Jungs in ihrer Nachbarschaft immer gerne gezeigt und sich gefreut, wenn ihr junges Publikum gar nicht mehr wegschauen wollte.

„Geh weg da Xin Chaou – jetzt bin ich dlan mit Kucken …“

Vor einem Jahr hatte ich ihr geraten, in dieser Sache doch mal einen Psychotherapeuten aufzusuchen, weil diese Angewohnheit in Europa – zumindest hier im Münchner Raum – etwas ungewöhnlich sei.

„Jetzt sag aber mal ganz ehrlich, Alexandel. Alle Männel fleuen sich doch, wenn sie eine schöne Muschi sehen können, aber wenn ein Mädchen es dann gerne zeigt, leidet sie gleich an Hypererosie, oder?“

„ … ???“

Während sie dem Therapeuten dann in der ersten Sitzung ihre Muschi zeigte, sollte sie genau beschreiben, was sie dabei empfindet, damit er sich ein Bild von ihrem Problem machen kann. Doch nach einer halben Stunde musste seine Assistentin den Notarzt rufen, weil der Therapeut plötzlich zu hyperventilieren begann und möglicherweise kurz vor einem Herzinfarkt stand. Sicherheitshalber brachten sie den Doktor ins Krankenhaus zur weiteren Untersuchung.

„Kam das ganz plötzlich? Haben Sie sich über irgendetwas besonders erregt?“

Ich habe Yu Huh in einem kleinen Bistro hier in München kennengelernt. Sie arbeitet dort als Bedienung, ist bei den Gästen sehr beliebt, weil sie unheimlich freundlich ist, und ihr Boss weiß genau, was er an ihr hat. Ich habe sie nie gefragt, ob sie ihm beim Einstellungsgespräch auch ihr Kätzchen gezeigt hat.

„So, Fräulein Yu Huh – jetzt zeige ich Ihnen erst mal alles.“

„Sie mir?“

Wenn sie von ihm erzählt, spricht sie immer von ihrem Herrn „X“ – der Einfachheit halber – weil der Pächter des kleinen Bistros Karl Irlks heißt. Ein „r“ vor einem „l“ und dann noch gefolgt von einem „k“ ist für sie als Chinesin einfach unmöglich, auszusprechen.

„Es stimmt übelhaupt nicht, dass Chinesen kein „Rrrr“ aussplechen können, Alexandel …“

„Nenn mich doch einfach Alex!“

Yu Huh hatte ihre Schwester in China besucht, und ich war richtig froh, sie am Flughafen wieder in meine Arme nehmen zu können. Sie kümmerte sich am Abend sehr liebevoll um meine Nase und betupfte sie ganz vorsichtig mit Eiswürfeln.

„Soll ich dir zwischendurch meine Muschi zeigen – ich habe jetzt eine neue Frisur!“

„Ach weißt du, heute – mit meiner Nase…“

Habe dann trotzdem einen Blick auf ihre neue Frisur geworfen – wollte sie ja nicht kränken! Aber jetzt erinnert mich ihre Muschi ein bisschen an Adolf Hitler. Sie sollte sie auf keinen Fall einem Mitarbeiter von Verfassungsschutz zeigen!

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