Leseprobe
aus Sabine Maier: Gut gelogen ist halb gewonnen. Roman (Auszug aus den ersten beiden Kapiteln.)
1. Kapitel
Himmeldonnerwetter noch mal! Soll dieses Apartment doch aufräumen, wer will. Sie jedenfalls nicht. Nicht heute und bei so einem Wetter schon mal gar nicht.
Samstagvormittag, draußen lockt ein wolkenloser blauer Himmel. Sie schnappt sich ihren Rucksack, der wie ein zerknautschter Teddybär aussieht. Caro behauptet zwar, dass sie dafür schon zu alt sei, aber das ist ihr völlig egal, das ist ihr Rucksack–Teddy und sie liebt ihn heiß und innig, basta!
Mit leidenschaftlicher Verachtung streckt sie dem Staubsauger, den sie in einem Anfall vorübergehender Verwirrung ins Zimmer geschleppt hatte, die Zunge heraus. Du kannst mich mal! Und das restliche Chaos hier auch.
Sie geht schnurstracks in die Fußgängerzone, schlendert hierum und darum, kauft sich ein paar aktuelle Musik–CDs und landet schließlich im Eiscafé Santorio. Sie streckt lässig die Beine unter den Tisch, zieht eine Packung Lucky Strike aus Clemens, ihrem Rucksack–Teddy, und lehnt sich genießerisch zurück, bereit, die Frühlingssonne zu empfangen, derweil sie auf ihren Cappuccino wartet. Sie schließt die Augen und stellt sich vor, irgendwo in Italien zu sein. Venedig vielleicht, direkt am Markusplatz. Dort ist sie zwar noch nie gewesen, aber sie stellt es sich herrlich vor, die Tauben, der Canale Grande, die Gondeln …
„Das gibt’s doch nicht. Julia? Julia Seidel?“
Die Stimme erweckt in ihr äußerst unangenehme Erinnerungen.
Unwillig öffnet sie die Augen. Tatsächlich. Ihre alte Erzfeindin aus vorsintflutlichen Schulzeiten steht vor ihr. Aufgetakelt wie ein schlechter Barbie–Verschnitt. Schneeweißes Ultra–Minikleid, ein Hermès–Tuch um die Schultern geschlungen, riesige goldene Kreolen an den Ohren. Die schwarze Lockenmähne fällt immer noch beinahe bis auf die Hüften. Sie sollte mal den Friseur wechseln, denkt Julia, vielleicht färbt der Neue ihre Haare erstens blond und zweitens besser. Und dann noch blauschwarz. Lächerlich. Klar, färben muss sie sie sich, denn sie hat völlig unscheinbares brünettes Naturhaar, für das es bis heute noch keine angemessene Bezeichnung gab.
„Na, wenn das nicht unsere Carmelita ist …“ flötet Julia überfreundlich und lässt sich dazu herab, sich zu erheben, sich von Carmen ein Küsschen auf die Wange drücken zu lassen und ihr scheinheilig entgegenzuhauchen: „Du hast dich kein bisschen verändert.“
„Wie lieb von dir!“ bedankt sich Carmen zuckersüß.
Sie mustert Julia kurz in ihren verwaschenen und am Saum ausgefransten Workerjeans, den Dockers und der ärmellosen Lederweste aus dem Army–Secondhand–Laden und schenkt ihr ihr bezauberndstes spöttisches Lächeln.
„Du aber auch nicht, Julchen. Arbeitest du als Flugzeugmechanikerin?“
„Und immer noch genauso witzig“, setzt Julia mit eingefrorenem Lächeln nach.
Pass auf, dass ich dich nicht gleich mit deinem Hermès–Tuch erdrossle, denkt sie und sagt: „Setz dich doch und lass uns ein wenig plaudern …“
Sie stockt, als sie Carmens unruhigen Blick sieht.
„Oder hast du Angst, dass du dir in meiner Gesellschaft deinen Ruf ruinieren könntest?“
Sofern er sich seit Schulzeiten gebessert hat, fügt sie in Gedanken hinzu.
Carmen lacht auf.
„Nicht doch, Julchen. Ich habe ein Herz für Bedürftige. Also, womit verdienst du deine Brötchen?“
Blöde Ziege! Julia lehnt sich betont lässig zurück, zündet sich eine Zigarette an und bläst Carmen demonstrativ den Rauch ins Gesicht.
„Ich?“ fragt sie lang gezogen und überlegt blitzschnell. Dass sie als Malerin für eine Raumgestaltungsfirma arbeitet, die Ideen von Innenarchitekten und anderen Auftraggebern umsetzt und langweilige Häuser in Schmuckstücke verwandelt, will sie Carmen nicht auf die Nase binden. Die Arbeit macht ihr zwar riesigen Spaß, besonders dann, wenn sie auch einmal eigene Ideen einbringen und kreativ sein kann, aber Carmen damit zu beeindrucken, dass sie unzählige Farbtechniken beherrscht und sogar Teppiche verlegen kann, erscheint ihr genauso unmöglich, wie heute noch ein Date mit Kevin Costner zu bekommen.
„Ich arbeite als … Innenarchitektin“, schwindelt sie. „Und, was machst du so … außer shoppen?“ fügt sie nach einem Blick auf die glänzende Versace–Lacktüte hinzu.
Carmen seufzt auf.
„Ich hatte heute schon so einen fürchterlichen Stress, sag ich dir. Schrecklich. Das hier ist nur für die Party heute Abend“
„Was hattest du denn für Stress?“ fragt Julia verblüfft.
Carmen und Stress passen ungefähr so gut zusammen wie Kevin Costner und Shrek.
„Heute Morgen musste ich ein paar wichtige Dinge erledigen, dann hatte ich einen Termin bei meiner Kosmetikerin und beim Friseur, und bis ich jetzt das passende Kleid für die Party heute Abend hatte … Es war einfach furchtbar. Du hast ja keine Ahnung, wie schwierig das ist!“
„Was? Zum Friseur zu gehen?“
„Das richtige Kleid zu finden, Julchen“, korrigiert Carmen. „Ich … Mein Mann wollte unbedingt eines in Rot haben.“
„Was? Dein Mann trägt Kleider?“ lacht Julia auf.
„Ach, Julchen …“
Carmen schüttelt tadelnd den Kopf.
„Das Kleid ist für mich. Aber mein Mann findet, dass ich in Rot einfach umwerfend aussehe. Er wird begeistert sein.“
„Dann zeig ihm mal besser nicht das Preisschildchen“, stichelt Julia.
„Wieso denn?“ fragt Carmen überrascht. „Mein Mann sagt, für mich ist ihm nichts zu teuer.“
„Dann verdient er wohl recht gut … dein Mann.“
„Über Geld spricht man nicht, Julchen. Man hat es.“
„Hey, ich wollte ja auch nicht seine Kontoauszüge sehen. Also, was arbeitet er? Dealt er mit Drogen, ist er Zuhälter oder überfällt er Banken?“
„Weder noch … Aktien und so was. Ist doch egal, oder?“
„Er scheint ja vor Geld zu stinken.“
Statt einer Antwort lässt sie ein dünkelhaftes Lächeln raus.
„Und du? Was arbeitest du, Carmelita?“
„Arbeiten?“ fragt Carmen nach und sieht Julia an, als hätte sie etwas Unanständiges gesagt hat. „Wozu denn? Mein Mann verdient schließlich mehr als genug, als dass ich es nötig hätte …“
„Aber du musst doch irgend etwas tun? Ich meine natürlich, außer zur Kosmetikerin und zum Friseur zu gehen.“
„Ich genieße mein Leben!“ seufzt sie genießerisch auf. „Es ist einfach herrlich!“
„Ach ja?“
Julia gähnt verstohlen.
„Wie aufregend.“
Ein provozierendes Lächeln huscht über Carmens Gesicht. „Und du, Julchen? Was macht dein Mann? Oder hast du etwa noch immer keinen abbekommen?“
Dumme Schnepfe!
„Und wenn schon? Wäre das so schlimm?“ fragt sie spitz.
„Es würde mich zumindest nicht wundern, meine Liebe. Du hattest mit Jungs ja noch nie Glück.“
Kein Wunder! Du hast sie mir ja alle abspenstig gemacht!
Plötzlich huscht ihr eine Idee durch den Kopf.
„Irgendwann hat jeder Mal einen Volltreffer, meine Liebe. Er sieht einfach phantastisch aus, ist ein absoluter Schatz und hat Geld wie Heu“, lügt sie wild drauflos.
„Oh, wie reizend“, säuselt Carmen. „Aber warum hat er dann ausgerechnet dich genommen?“
Den Hals sollte man ihr umdrehen, das wäre das Mindeste.
„Das könnte ich dich auch fragen“, gibt Julia cool zurück. „Du wusstest in der Schule ja noch nicht mal, wie man Aktie buchstabiert.“
Carmen schenkt ihr ihr verlogenstes Strahlen aus ihrem heuchlerischen Konventions–Equipment.
„Wir sollten mal zusammen essen gehen. Ihr habt doch Telefon?“
„Nein“, stöhnt sie. „Wir geben immer noch Rauchzeichen. Ruf mich auf dem Handy an.“
„Also kommt ihr?“
„Selbstverständlich, Carmelita. Ich möchte ja schließlich diese bedauernswerte Kreatur von deinem Ehemann kennen lernen.“
„Abgemacht“, strahlt Carmen, ohne auf Julias Bemerkung einzugehen und notiert sich ihre Handynummer. „Jetzt muss ich aber los. Du weißt doch, die Party.“
Sie erhebt sich und haucht Julia ein Küsschen auf die Wange.
„Ich ruf dich an, Julchen. Äh … du solltest nur die Kleiderfrage noch überdenken. Wir frequentieren schließlich keine Imbißbude. Und wir wollen doch nicht, dass dich die andern im Restaurant für die Concierge halten. Schönen Tag noch“, sondert sie unnötigerweise ab und schmeißt ihren zu flachen Po rum, in der irrigen Annahme, sie bewege sich wie Heidi Klum auf der „Victoria’s Secret“–Modenschau in Cannes.
„Blöde verzogene Mistgöre!“ knurrt Julia leise. „Dir werde ich es zeigen!“
Sie hat nicht die geringste Ahnung, welchen Mann sie ihrer langjährigen Erzfeindin präsentieren soll. Aber irgendetwas muss ihr und Caro einfallen. Kneifen kann sie nun nicht mehr. Dafür hat sie die Klappe zu weit aufgerissen. Vielleicht kann für den einen Abend ein Kollege von Caro aus der Begleitservice–Agentur einspringen. Die Agentur ist absolut seriös, kein Sex, wirklich nur Begleitung, und der Verdienst ist nicht schlecht, sagt Caro, schließlich finanziert sie sich damit ihr Studium.
Irgendeiner wird doch wohl Zeit haben! Julia morst ihr einen Hilferuf über SMS. Sie müssen sich abends unbedingt treffen.
Warum nur hat sie ihre Klappe nicht gehalten? Auch nach Jahren schafft Carmen es immer noch, sie zur Weißglut zu treiben. Schon in der Schule war Carmen der erklärte Schwarm aller Jungs gewesen, was wahrscheinlich weniger an ihrer Art gelegen hatte, als an ihrem Aussehen. Ihr Vater, ein Spanier, war Diplomat oder so etwas ähnliches, und selbst als Mädchen konnte man schon die rassige südländische Schönheit erahnen, die später einmal aus ihr werden würde. Mit ihrem lustig wippenden Pferdeschwanz, ihrer hinreißenden Kleidung auf olivbrauner Haut und ihren pechschwarzen Augen brauchte Carmen nur mit ihren langen Wimpern zu klimpern, und schon liefen ihr die Jungs blind nach wie die Ratten dem Flötenspieler aus Hameln.
Julia konnte damit nicht konkurrieren. Sie war zwar nicht hässlich, aber mit ihrem haselnussbraunen kurzen Haar und den heiß geliebten Jeans samt Schlabbershirts im Gegensatz zu Carmen eine graue Maus. Aber obwohl sie die weit besseren Noten als Carmen hatte, die auch in der Schule dumm wie Knäckebrot war, lag Carmen in der Gunst der Jungs weit oben. Denen war ein niedriger IQ eh lieber: Die waren doch nur alle auf Pin–up–Sicht kurzgeschlossen. Bei denen zählte doch nur, dass ihr Pin up ging und nicht der IQ des Objektes ihrer Begierde, denn dann ging ihr Pin down. Und daran waren natürlich immer die Frauen oder die Mädchen schuld, da blickte sie natürlich schon längst durch. Primaten–Philosophie beherrschte die Welt. Und ein Mann war immer Primus. (Oder Primas, erster Geiger.)
Julia hasste Carmen damals schon aus tiefstem Herzen. Warum sollte das heute anders sein? Was sich bewährt, bleibt bewahrt. Und jetzt soll diese dumme Ziege das große Los gezogen haben? Wie auch immer sie es anstellen muss, schwört sie sich, diesmal wird sie gewinnen und es Carmen zeigen. Die rettende Idee wird ihr schon einfallen. Oder Caro.
2. Kapitel
Seufzend plumpst Caro auf Julias knallrote Bettcouch. Viele Möbel hat Julia nicht gerade. Was soll sie auch damit auf gerade mal vierzig Quadratmetern? Aber dass das ihre Wohnung ist, sieht man auf den ersten Blick. Alles ein bisschen chaotisch und ziemlich verrückt. So wie sie eben.
Die zahlreichen Überredungsversuche Caros, doch wenigstens etwas Stil oder System in das einzige Zimmer der Wohnung zu bringen, scheiterten bisher nicht nur an ihrem Dickkopf, sondern auch an ihrer Unfähigkeit, sich überhaupt nur von irgend etwas trennen zu können.
„Erzähl schon, Julchen. Was hast du wieder angestellt?“ fragt Caro neugierig.
„Na ja …“
Sie druckst etwas herum und stellt eine Tasse Kaffee vor Caro ab.
„Eigentlich nicht viel. Ich habe Carmen heute Nachmittag in der Stadt getroffen.“
„Carmen de la Rossa? Ich dachte, die kannst du nicht leiden?“
„Kann ich auch nicht. Und jetzt erst recht nicht.“
Caro machte große Augen. Sie hatte sowieso schon große Augen, und wenn sie die noch aufriss, hatte sie richtige Augensuppenschüsseln.
„Was ist passiert?“
„Na ja, eigentlich nichts …“
„Aha, du hast mich also gerufen, weil eigentlich nichts passiert ist und du eigentlich nichts angestellt hast. Klar, verstehe“, sagte sie und setzte unmissverständlich ihre kämpferische Ich–bin–beleidigt–Miene auf.
„Na ja … sie hat mordsmäßig rumgeprotzt und … Ach Scheiße, mir ist einfach die Hutschnur durchgebrannt.“
„Das ist bei dir ja nichts Neues. Weiter!“
Sie fasst sich so kurz wie möglich, schon allein um zu verhindern, ihrer Erzfeindin unnötig viel Aufmerksamkeit einzuräumen.
„Und jetzt brauche ich für das Abendessen einen Ehemann“, schließt sie ihr kurzes Statement ab.
Caro lacht auf und bricht mittendrin ab.
„Sag mal, spinnst du jetzt total? Wie konntest du ihr nur so einen Mist erzählen?“
„Ach, hör doch auf!“
Julia läuft nervös auf und ab.
„Sag mir lieber, wo ich einen finde.“
„Wie wär’s denn mit den Gelben Seiten, mein Schatz?“ stichelt Caro und erntet einen vernichtenden Blick.
„Besorg mir bitte einen aus eurer Agentur. Das werde ich mir doch wohl noch leisten können.“
„Julia!“
Caro deutet aufs Fenster.
„Da draußen laufen doch scharenweise Männer rum. Und die kriegst du sogar noch kostenlos. Also schnapp dir einen. Los!“
„Na klar. Soll ich etwa auf den nächstbesten Typ zulaufen und ihn fragen, ob er für einen Abend meinen Ehemann spielt? Der hält mich doch für komplett bescheuert!“
„Na, für komplett vielleicht nicht, aber halb komplett reicht auch schon.“
„Hilf mir lieber! Was ist mit den Jungs auf der Uni?“
„Vergiss es. Es sei denn, du ziehst ihnen einen Sack über den Kopf.“
Julia verdreht entsetzt die Augen.
Caro stemmt ihre Hände in den Schoss. Genau das war es, was sie, Julia, jetzt brauchte, Caros unbändigen Unternehmergeist.
„Lass uns überlegen. Du brauchst einen Mann, der intelligent ist, gut aussieht, einen vernünftigen Job hat, mit viel Moos unterm Hintern, guten Umgangsformen und einem schicken Auto. Roter Porsche nicht unerwünscht.“
Julia schüttelt den Kopf.
„Ist das nicht ein bisschen viel auf einmal?“
Caro schneidet eine Grimasse.
Julia schmeißt die Schulter hoch.
„Ph, dann streichen wir eben Intelligenz und Umgangsformen. Und den Porsche auch. Dann fahren wir eben mit Fridolin.“
„Und damit willst du Carmen und ihren Geldsack beeindrucken?“
„Dann ist sein Porsche eben in der Werkstatt.“
„ …samt Intelligenz und allem“, ergänzt Caro spöttelnd.
„Also gut. Du hast gesagt, da draußen sind die Männer. Dann lass uns rausgehen und sie finden. Wenigstens einen.“
„Und wo willst du hin?“
„Das fragst du mich? Du hast doch gesagt …“
„Ja, ja, schon gut. Aber es dürfte schwer sein, so einen zu finden. So einen suche ich ja selber“, sagt sie mit theatralischem Ernst.
„Wieso?“ Julia sieht ihre Freundin fragend an.
„Ich hab in letzter Zeit nur Quasimodos gesehen mit dem IQ einer Nacktschnecke. Oder hast du …?“
„Nein“, gibt Julia kleinlaut zu. „Aber versuchen können wir es doch.“
Caro grinst breit.
„Mensch Caro, jetzt hör auf damit. Die Sache ist wirklich ernst.“
„Ach Julia. Das hat doch keinen Sinn. So findest du nie, was du brauchst.“
„Okay, du Intelligenzbolzen, dann sag mir, wie.“
„Keine Ahnung. Gib ein Inserat auf. Suche Ehemann mit Geld und Porsche für einen Abend.“
„Tolle Idee. Wirklich. Und dann hab ich lauter Perverse oder Irre am Hals“, mault Julia.
„Es reicht doch, wenn er nur so tut als ob. Er muss nur gut aussehen. Mehr nicht.“
„Blödsinn.“
„Blödsinn? Wer hat denn so einen Mist erzählt? Lässt dich von dieser Zimtzicke provozieren und lügst wie ein Waschweib. So, und jetzt zieh los und such dir deinen Ehemann selber.“
„Kommst du mit?“ fragt Julia vorsichtig.
„Wohin?“
„In die City.“
Caro gibt sich geschlagen. „Also gut“, seufzt sie und schlägt scheinheilig die Augen auf. „Wenn du kein Glück hast, finde ich ja vielleicht was Passendes.“
Eine halbe Stunde später flanieren sie durch die Innenstadt und klappern sämtliche Cafés ab, aber nicht ein einziger halbwegs diskutabler Kerl ist zu entdecken. Nur Alltagslemuren im Angebot, sonst nichts.
„Das gibt’s doch nicht“, murrt Julia. „Lauter Schlappschwänze und graue Ochsen. Und die halbwegs Ansehnlichen haben ihre dummgeilen Tussis im Schlepptau.“
„Frag doch eine, ob sie dir ihren Mann ausleiht“, schlägt Caro vor.
„Ph!“ schnaubt Julia auf. „Mensch, lass uns gehen. Irgendwo muss es doch einen geben. Hier jedenfalls nicht.“
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