Leseprobe
aus Sascha Heeren: Fallensteller. Erzählung
(Auszug aus dem ersten Kapitel)
sTroM
„Da kann man Sie ja nur beglückwünschen“, flötete Brauer im Bariton–Tremolo des erfolgsgestylten Immobilienmaklers und schüttelte dem stolzen Eigenheimbesitzer Thesos die Hand. „Dieses Haus ist eine echt solide Entscheidung. Also, alles Gute im Eigenheim.“
„Tja, dann erstmal besten Dank für alles“, antwortete Thesos glücksbewegt.
Brauers Tochter wartete noch in einigem Abstand vom Haus auf dem Bürgersteig. Thesos schätzte sie auf zwanzig. Ein Blick auf ihre Oberweite hatte ihn aber deutlich abgelenkt. Bei so einer Oberweite kam es schließlich auf ein oder zwei Jahre mehr oder weniger nicht an.
„Kann ich schon mal zum Auto gehen?“, fragte sie mit nervigem Unterton.
Brauers Blick war noch immer unerschütterlich auf die Immobilie geheftet.
„Schatz, wir sind gleich so weit!“
„Aber ich kann doch schon mal zum Auto gehen und dort warten!“
„Nein, wir gehen gleich zusammen, mein Schatz.“
„Aber lass mich doch schon mal …“
„Wir gehen gleich zusammen“, wiederholte Brauer, dessen Hand Thesos‘ Rechte immer noch mit eisernem Griff umschloss, wobei dieser in geradezu statuarischer Glückserstarrung den Blick auf sein neu erworbenes Eigenheim gerichtet hielt.
Endlich zog Brauer seine Hand zurück.
„Ich glaube, wir haben jetzt alles“, sagte er. „Die Papiere sind soweit erstmal fertig: Tja, die Schlüssel haben Sie bereits … Viel Spaß im neuen Heim. Also dann, Herr Thesos!“
Erneut fuhr Brauer seine Rechte aus, um seinem Gegenüber die Hand zu schütteln und ihn unbemerkt zu sich heranzuziehen und ihn völlig unerwartete zu umarmen und auf jeder Wange einen Kuss anzudeuten.
„Einen schönen Tag noch. Wir hören voneinander!“
Brauer wandte sich ab und forderte seine Tochter im Vorübergehen auf:
„Los, verabschiede Dich!“
Sie tippelte auf Thesos zu, drückte ihre Oberweite an seinen Bauch, tupfte ihre Lippen links–rechts auf seine Wangen und tippelte zurück.
Thesos stand allein vor seinem verzinkten Zaun, der Haus und Vorgarten von dem Bürgersteig mit angrenzender Straße trennte. Der Vorgarten schien sehr schmal, maß auch allerhöchstens nur die doppelte Breite des Bürgersteiges und war in drei schmalere Bereiche eingeteilt. Direkt an der Hauswand entfaltete sich ein übersichtlich bestücktes, jedoch verhältnismäßig gepflegtes Blumenbeet, an dem ein einfach gepflasterter Weg vorbeiführte, gerade so breit, dass dort eine Person problemlos gehen konnte, und nach diesem Weg kam wieder ein Beet, ein wenig breiter, dafür allerdings auch ungepflegter, in dem beschnittene Rosen wuchsen.
Sein neues Haus war ein älteres Baujahr und Teil einer offensichtlich gleichaltrigen Siedlung. Thesos vermutete, dass die Außenwand seines Hauses früher heller gewesen sein musste. Er konnte sich jedenfalls nicht daran erinnern, dass Mausgrau schon einmal eine Modefarbe war oder Haarrisse im Putz formidablen Geniestreichen göttlicher Stuckateure zu verdanken waren.
Die Haustür musste schon einmal ausgetauscht worden sein. Die jetzige war eine Sicherheitstür, also sehr stabil und einbruchresistent, so sah sie zumindest aus und verlieh damit auch optisch den alten Mauern Stabilität. Man sagte ihm, dass es in dieser Gegend üblich sei, Sicherheitstüren zu verwenden, was aber keine Einbruchsvorfälle als Hintergrund bedeuten sollte. Es war halt eben üblich. Und die Kosten im Vergleich zu einer Standardtür waren nur unwesentlich höher, kaum erwähnenswert. Auch die Fenster, wovon Konrad Thesos gleich zwei auf der Straßenseite hatte, waren erneuert worden und strahlten mit dem gleichen dunkelbraunen Lack wie seine Eingangstür und schafften damit zusätzlich eine harmonische Hausfront.
Er durchschritt nun die Pforte, kreuzte dabei den schmalen Pfad, bewältigte zwei Stufen, die der Tür vorgelegt waren, und stand dann auf der dritten und somit vor seiner Sicherheitstür.
Thesos fingerte aus den tiefen Hosentaschen den ersten Schlüssel raus, um Sekunden später auch den zweiten, kleineren, aber ebenso bedeutsamen rauszukramen. Dann steckte er den größeren Schlüssel ins Schloss, den kleineren hingegen in ein unscheinbares Schloss, welches unten an der Tür mittig über der obersten Stufe einlud. Der Trick hierbei war, so hatte es ihm zumindest Brauer beschrieben, dass beide Schlüssel gleichzeitig betätigt werden mussten, um die Eingangstür zu öffnen. Es stellte sich nun allerdings heraus, dass dieser Akt sehr gewöhnungsbedürftig war, denn als Thesos mit voller Spannweite seiner Arme und schräg nach unten geneigtem Kopf die beiden Schlüssel drehen wollte, folgte ihm nur einer, der andere drehte sich keinen Millimeter. Nach kurzem Rumgeruckel und einigen Neustarts hatte er dann aber endlich den Trick heraus. Eigentlich war es ganz einfach, man musste nur wissen, wie. Thesos drehte die Schlüssel in die jeweils entgegengesetzte Richtung, in die dann auch beide folgten, während er die Tür noch zusätzlich an den Rahmen heranzog, wozu man dann gerade mit zwei Daumen und den dazugehörigen Zeigefingern erheblichen Kraftaufwand betreiben musste, um genügend Zugkraft zu entwickeln. Konrad Thesos hatte sie jedenfalls und öffnete die Tür.
Es tat sich ein kleiner, quadratischer Flur auf, der drei weitere Türen leichterer Bauart und eine Holztreppe, welche sowohl in die obere Etage als auch in den Keller führte, vereinte. Zuerst kam links der Treppenaufgang, danach folgte weiter auf der linken Seite die Kellertür, welche die Treppe damit in zwei Bereiche unterteilte, einen offenen und einen geschlossenen. Geradeaus führte eine baugleiche Holztür in die Küche, und ebenso führte eine solche Tür auf der rechten Seite in das Wohnzimmer. Konrad Thesos stand nun mit dem Rücken zur Sicherheitstür. Er kannte zwar dieses Haus bereits, aber trotzdem musste er noch kurz überlegen, denn er war sich nicht mehr ganz sicher, wo nun die Türen um ihn herum hinführten, doch es dauerte auch nicht wirklich lange, und er ergriff zielstrebig die Klinke der Küchentür und wollte sie gerade nach unten drücken und nach vorne stürmen, als es an der Sicherheitstür hinter ihm läutete. Er brach das Drücken und Stürmen noch vor Beginn ab, wechselte durch eine bloße Körperdrehung die Türklinken, so nahe standen beide Türen voneinander entfernt, und zog sie auf. Sofort erkannte er den auf der obersten Stufe wartenden Gast, der soeben die Klingel von seinem Daumen befreite.
„Ich glaube, Ihnen fehlt hier Strom!“, begann der Unbekannte.
„Guten Tag, erst mal!“, widersetzte Thesos.
„Natürlich, guten Tag! … Nicht, dass ich Sie überfallen wollte, aber als guter Nachbar ist man doch immer hilfsbereit. Wie unhöflich von mir!“
Mit diesen Worten ergriff der Unbekannte mit seinen großen Händen Thesos‘ Schultern, zog diesen schon fast aus dem Haus heraus, wobei er ihn sogar noch von der Türklinke zerren musste, die er immer noch eisern festhielt, was die beabsichtigte Umarmung unwillkürlich etwas ins Stocken geraten ließ, dann aber, als er endlich an seine Brust gestolpert war, schließlich durch zwei angedeutete Küsse auf seine Wangen ihren erfolgreichen Abschluss fand.
„Herzlich willkommen in unserer Nachbarschaft!“
Konrad Thesos blickte ausdruckslos auf sein Gegenüber.
„Ja danke. Und mit wem hab ich das Vergnügen?“
„Bender! Karsten Bender, ich wohne auch in dieser Straße, weiter runter – die Richtung!“
Bender zeigte mit der flachen Hand entlang der Straße.
„Kann man von hier nicht einsehen, müssen Sie mir einfach glauben!“
Er lachte.
„Das werd ich dann mal einfach. Sehr erfreut, mein Name ist Konrad Thesos, und ich bin neu hier.“
„Nehmen Sie es mir nicht übel, aber das sieht man. Sie entsprechen gar nicht dem Standard dieser Gegend!“
„Welcher Standard ist denn hier bei Ihnen erwünscht?“
Bender trat eine Stufe runter, legte den Kopf weit in den Nacken und fuchtelte mit seinen Händen über und seitlich der Tür an der Hauswand herum.
„Sehen Sie? Der ganze Putz hier? Das sieht man schon von Weitem. Also, ich hab‘s grad gesehen, als ich an Ihrem Haus vorbeiging, es ist mir aber auch vorher schon öfter ins Auge gesprungen, hat halt vorher schon lange keiner hier gewohnt. Sehen Sie das hier?“
Bender verließ die der Tür vorgelagerten Steinstufen und lief auf dem schmalen Plattenweg die Hauswand entlang, wobei sein Falkenblick die Außenfläche gnadenlos bis unters Dach einscannte.
„Das betraf aber viele Häuser“, sagte er mit den Armen rudernd. „Es gab keinen Strom, zumindest nicht nach dem heutigen Standard. War damals ja auch noch nicht so wichtig. Mit dem Alter kam dann der Verfall. Viele Hausbesitzer hatten es einfach versäumt, auf den aktuellen Standard umzurüsten. Es ist unbedingt notwendig, dass Sie hier was unternehmen, am besten noch heute. Sie wollen doch Hausbesitzer und nicht Hausbesetzter sein, oder?“
Während Bender seinen Monolog über die Stromversorgung im allgemeinen und die Defizite seines Eigenheims im Besonderen fortsetzte, testete Thesos einen Lichtschalter, der innen neben dem Türrahmen angebracht war. Zu seinem Erstaunen tat sich etwas. Es handelte sich um den Schalter für die Außenbeleuchtung, eine halbrunde Wandlampe. Hellte sich im ersten Moment sein Gesicht mit dem einsetzenden Licht auf, so verdunkelte es sich sogleich wieder, als es im nächsten Moment erlosch, um dann wieder anzugehen und sich in einem flackernden Zustand einzurichten, dazu kam noch, dass der veraltete Lichtschalter jedesmal sehr schwung– und geräuschvoll in eine Endposition einschlug, was selbst noch auf der anderen Straßenseite zu hören sein musste. Bender entschloss sich allerdings, sich nicht beirren zu lassen, und ging weder mit einem Wort noch mit einem Blick auf diese Demonstration ein.
„Also, hier geht der Strom auf jeden Fall!“, verkündete Thesos mit froher Miene und betätigte den Lichtschalter noch mehrmals schnell hintereinander, um die volle Aufmerksamkeit seines Begutachters zu erhaschen.
„Was sagten Sie, bitte?“, entgegnete Bender, als er nun seine Blicke wieder Richtung Eingangstür richtete.
„Ich meinte, dass der Strom hier wohl ginge. Sehen Sie?“
Erneut malträtierte er den Lichtschalter und zeigte auf die flackernde Außenbeleuchtung.
„Welcher Strom?“
Bender blickte fragend zur flackernden Leuchte.
„Na, der hier!“
„Ach so, Sie meinen das Licht! Natürlich geht das. Hab ich das Gegenteil behauptet?“
Beide schauten sich verdutzt an.
Plötzlich unterbrach Bender die Stille.
„Der Strom! Nein, nein …“, lachte Bender. „Nein, nicht den elektrischen Strom hier! Da hab ich mich mal wieder unklar ausgedrückt. Nein, der elektrische Strom ist hier völlig in Ordnung. Ihr Haus ist da schon fast ein Vorzeigestück unserer Siedlung. Ich weiß noch, als das hier alles erneuert wurde, zumindest die Leitungen in den Wänden und so – nur vom Feinsten! Bei den Schaltern und Verkleidungen hatte man allerdings offensichtlich etwas geschlampt.“
Bender streckte den Kopf mit einem hinweisenden Blick zur Tür, wo Thesos noch immer den vergilbten Lichtschalter zwischen den Fingern hielt.
„Hat der Vorbesitzer wohl nicht bis zu Ende gedacht. Na, ja.“
Bender trat jetzt wieder zurück vor die Stufen und betrachtete nochmals die Wand direkt neben der Tür. Er stand mit der Schuhspitze schon im weichen Blumenbeet, das noch vom Regen der letzten Tage feucht war, und holte aus der Brusttasche seiner leichten Sommerjacke einen Bleistift, den er auf den Putz der anvisierten Stelle setzte und darauf einige Striche und Kurven nachzog. Thesos verfolgte verwundert die Kunstanwandlungen von seinem Türrahmen aus.
„Sie müssen das hier auf jeden Fall noch sicherstellen. Ihr Haus soll doch ein Vorzeigeobjekt bleiben, oder?“, sagte Bender und verstaute seinen Stift.
„Ja, klar!“, antwortete Thesos etwas zögerlich.
„Na, denn, ich wollte eigentlich auch gar nicht lange stören. Ich muss nämlich weiter! Dann machen Sie es mal gut, und denken Sie an den Strom!“
Bender kam nochmal die Treppe hoch, vergab ein Bussi links und rechts, dieses Mal allerdings deutlich feuchter, und änderte nach Vollzug die Laufrichtung.
Thesos blickte dem Mann versonnen hinterher, zog die verzinkte Zaunpforte hinter sich zu, ließ sie vorsichtig einschnappen und verschwand mit großen Schritten hinter der Hecke des Nachbargrundstückes.
„Ja, der Strom …“, flüsterte er vor sich hin und wischte mit der Handinnenfläche beide Wangen ab.
„Was für ein Volk?“, fragte er im Flur, bevor er die Sicherheitstür hinter sich schloss.
Im Erdgeschoss befand sich die Küche, vom Flur geradeaus durch, dahinter verlief ein weiterer, gebogener Flur, der zu dem Badezimmer und dem Gäste–WC führte. Von diesem Flur führte ein Hinterausgang auf den Garten. Parallel zur Küche lag in gleicher Größe das Wohnzimmer, das sowohl vom ersten Flur, als auch von der Küche zu erreichen war. Im Obergeschoss befanden sich das Schlafzimmer, ein Arbeitszimmer und ein Kinderzimmer, alles sehr schmal geschnittene Räume. Es gab jedoch genügend Fenster, die aufhellten und damit etwas Größe schufen.
Konrad Thesos hatte sich nun bis in die Küche vorgearbeitet, so manchen Karton geöffnet und dann doch wieder hinter sich gelassen, denn davon säumten nun einige seine Wege im Haus. Der Kleinkram war bereits ins Haus eingezogen, alles fein säuberlich in handliche Kisten verpackt, wobei kaum an Zeitungspapier gespart wurde. Es konnte aber noch ein wenig dauern, bis sämtliche Schränke und anderes Mobiliar folgten. Und das lag vorerst nicht an ihm. Daher machte es auch kaum Sinn, die verpackten Kartons vorher zu leeren, da es ja noch keinen gesicherten Abstellplatz gab.
Er ging mit einem Zollstock von einer Wand zur nächsten, nahm Maß, ging in Gedanken die bekannten Möbelstücke durch, um zu prüfen, ob sie mit den geplanten Einrichtungsvarianten konform gingen, als es erneut an der Sicherheitstür klingelte.
Thesos legte den Zollstock auf eine der geschlossenen Kisten ab und öffnete die Tür.
„Tag, was kann ich für Sie tun?“, schleuderte er einem jungen Mann hastig entgegen.
„Ich glaube, ich muss vielmehr was für Sie tun, oder nicht?“, gab der Mann mit einem Lächeln und einem Fingerzeig auf die zuvor bekritzelte Stelle neben der Tür zu verstehen, trat danach auf die oberste Türstufe, entriss Thesos die Begrüßungshand, zog diesen damit an sich heran und machte das, was heute wohl irgendwie jeder mit Thesos machte, nämlich links und rechts zwei Küsse auf die Wangen zu drücken. Glücklicherweise waren sie nicht so nass wie beim letzten Mal.
„Also, was wollen Sie?“, fragte Thesos genervt.
„Guter Mann, ich will doch nur helfen!“
Der junge Mensch trat zurück auf den Vorgartenweg.
„Ihnen fehlt der Strom. … Sie brauchen Strom, aber dass müssten Sie ja wissen, hier sind ja bereits die Bohrungen für die Leitungskanäle vorgezeichnet.“
Er kniete sich vor die Skizze an der Hauswand und winkte Thesos zu sich herunter.
„Das sieht aber sehr unkompliziert aus! Das kriegen wir leicht installiert!“
Er erhob sich und tastete den Putz mit den Fingerspitzen ab, selbst den über den Fenstern liegenden Bereich versuchte er auf diese Weise abzuchecken.
„Ja, das dürfte kein Problem sein. Ich kann sofort anfangen, dann sind wir heute Abend fertig. Ist das schnell genug für Sie?“
„Jetzt warten Sie mal ganz kurz! Ich habe keine Ahnung, was Sie hier installieren wollen, und bevor mir keiner den Scheißstrom erklärt hat, läuft hier gar nichts.“
„Sie brauchen sich deswegen ja nicht gleich aufzuregen. Was gibt es denn am Strom nicht zu verstehen?“
Thesos schaltete die Außenbeleuchtung ein.
„Ich habe bereits Strom, wie Sie sehen! Also danke, kein Bedarf!“
„Sie sind nicht aus dieser Gegend, oder?“
„Nein. Und?“
„Na, ja, dann können Sie das vielleicht nicht wissen, ist zwar unwahrscheinlich, aber denkbar. Ich meine nicht den elektrischen Strom. Sie halten uns wohl für Hinterwäldler? Sie können mir vertrauen, unsere Häuser haben bereits elektrischen Strom. Der hier übliche Strom musste allerdings bei vielen Häusern nachgerüstet werden, zumindest bei denen, wo es ging. Die anderen wurden abgerissen und neu gebaut. Aber wie schon gesagt: Ihr Haus erachte ich als unkritisch. Das sieht schon ein Laie an dieser Hauswand. Sehen Sie?“, sagte der Mann und zeigte auf die Wand vor sich.
„Gut, wir reden also nicht vom elektrischen Strom. Wir haben auch festgestellt, dass ich nicht von hier bin. Dann erzählen Sie mir doch einfach, was dieser übliche Strom ist, der Häuser zum Abriss bringt. Muss ja was ganz Besonderes sein, Sie sind nämlich nicht der Erste, der mich deswegen rausklingelt.“
„Das ist ‘ne Abkürzung. Solche Sachen bürgern sich auf dem Lande halt so ein.“
„Ja, und wofür?“
„Da muss ich selber kurz mal überlegen … Wissen Sie, wann mich das letzte Mal jemand danach gefragt hat? Am Anfang meiner Lehre, ach, wenn überhaupt! Selbstständiges … nein, stimmt: selbstständige Treibjagd ohne Menschen, genau, sTroM steht für: selbstständige Treibjagd ohne Menschen!“
„Das hat ja nichts mit Strom zu tun. Nicht mal am … Rande!“, stellte Thesos erstaunt fest.
„Nein, das hat nichts mit elektrischem Strom zu tun. Hab ich auch nicht behauptet, oder?“
„Na gut, und was soll ich jetzt mit selbstständige Treibjagd ohne Menschen?“
„Das kann ich Ihnen auch nicht sagen. Ich bin bloß der Botenjunge und der Installateur, mehr nicht. Ich weiß nur, dass Sie es haben müssen.“
„Also, das habe ich ja bereits verstanden, aber ich kann mir beim besten Willen nichts unter selbstständige Treibjagd ohne Menschen vorstellen. Mit Strom konnte ich etwas anfangen. Aber das? Kann man das anfassen?“, fragte Thesos verdutzt. „Also: Was zum Teufel ist das? Erklären Sie es für Dumme!“
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