Leseprobe

aus Gyp Schasiepen: Solo für zwei Frauenstimmen. Hardcore-Roman


Wann hattest du deinen letzten Schwanz?
So jedenfalls fragte er. Das war die abschließende Frage in seinem Brief.
Tja.
Wann? Ich denke, es war im Februar.
Jetzt haben wir Dezember. Immerhin noch desselben Jahres. Aber. Ist das nicht doch ein bisschen lange her?

Verträumt denke ich an den kleinen Ben vom letzten Sommer. Aber mit dem isses ja zu nichts gekommen.
Eben. – Sie – dazwischen.
Wer spricht?
Eben. Sagt sie. Hab ich gesagt. Und ist wieder still.
Wer spricht?
Ich oder meine Vagina? Sollte sie nicht auch mal die Chance zu einem Monolog haben?
Na, Alte – so ich an sie – was sagst du dazu (du bunte Kuh? Das fällt mir immer ein. Mir fallen immer Sachen aus Märchen ein . Oder aus der Frommen Helene.)

Jetzt guckt sie ein bisschen dämlich. Sie ist es nicht gewohnt, gefragt zu werden. Wie sollte sie auch? Und das hat rein gar nichts mit ihrer versteckten Lage zu tun. Welcher Mensch fragt schon einzelne Körperteile nach deren Meinung? Na ja: Herz, was begehrst du? Ist schon gefragt worden. Auch: Musst du mal? Aber da war ich als ganzes von der Mutter gefragt, nicht meine Blase, die wohl auch nicht geantwortet hätte.
Jetzt aber wird von der Vagina verlangt, sie solle Auskunft geben. Wie?
Mach ich’s wie die, wie heißen diese Therapeuten, die dich „ganz Baum“ werden lassen wollen oder empfehlen: „Sei dein Arm“?
Ein Versuch ist es wert. „Sei deine Vagina“ hat mir, vermutlich fahrlässigerweise – sollte es möglich sein: verschämter Weise? – noch kein Therapeut, von den vielen, die inzwischen auf ihren Gaumen mümmeln, zugemutet. Man muss eben doch alles selber machen. Die Männer haben ganz recht, wenn sie sich gewöhnlich weigern, mit zum Paartherapeuten oder allein zum Suchttherapeuten zu gehen. Selbst ist der Mann! Und wie sich zeigt: am besten auch die Frau, die nun beherzt ihre Vagina ist, sodass diese arme Kreatur sich aus ihrem Stupor lösen und sich erleichtert zurücklehnen kann.

Ich bin also die Vagina. Wusste gar nicht, dass ich so heiße. Wie seh ich aus? Sitzt mein Haar? Mein Gott! Da ist ein graues. Ich muss zum Friseur. Gott sei Dank gibt es jetzt ja Mösenfriseure. Ach ja. Möse heiße ich auch. Und Votze. Manchmal schreibt man mich auch mit F. Fotze. Aber Vagina schreibt man immer mit V, oder?
Stehn die Mösenfriseure, oder sollte ich Muschifriseure sagen? Nee. Das hört sich so verplüscht an. Die kriegen da keine flotte Frisur hin. Schließlich hätt ich eigentlich gern mal was Originelles. Könnte sogar auchn bisschen schrill sein. Grün vielleicht? Ich mein die Farbe. Zu der rosa Haut? Auch zu den mehr auberginfarbenen Teilen passt grün doch gut. Hat meine Farb– und Stilberaterin gesagt. Doch. Hat was. Wenn ich son grünes Nickituch ranhalte? Doch. Nicht schlecht.
Ja aber: Stehn die Mösenfriseure im Branchentelefonbuch? Oder macht das jeder Friseur? Ich ging ja lieber zu nem Mann. Die haben mehr Pepp. Natürlich sind die alle schwul. Ob die ne Möse frisieren? Färben? Oder sich zu Tode graulen?
Nee. Also das glaub ich nicht. Das sind doch Professionelle. N Arzt muss ne Leiche auseinander nehmen können. Und n richtiger Friseur? Der muss auch Mösen frisieren können. Wo kämen wir denn da hin? Der hat doch mindestens ne Gesellenprüfung abgelegt. Da muss doch Mösenfrisieren dabei gewesen sein.
Na ja.
Heute ist es zu spät. Ist ja schon fast Mitternacht. Ich muss sowieso ins Bett. Mir ist heute so liedrig. Vielleicht liegt das ja an dem Schwanz, den ich zuletzt im Februar gehabt hab. Also nein, natürlich nicht an dem. Der war ganz in Ordnung. Obwohl: N bisschen strammer und vielleicht auch n bisschen ausführlicher hätt er sein können. Ich muss das doch mal sagen dürfen, obwohls politisch unkorrekt ist, wie so vieles heute: Also wenn man die zu kurzen, zu mickrigen, zu dünnen und zu weichen Pimmel damit tröstet, dass es weder auf die Länge, noch auf die Dicke, noch auf die Härte ankommt – nee, wirklich: es kommt darauf an! Muss ich euch jetzt mal sagen. Tut mir leid. Und wenn der vaginale Orgasmus zum Märchen erklärt wird und wenn die Lesben ewig die Penetration, womöglich noch von oben, als überflüssig und demütigend verunglimpfen, warum rennen sie dann mit Dildos rum, für die sich ein Pferd genieren würde? Warum hat die – wie hieß sie, die knossische Votze, die sich von dem bedauernswerten Daidalos ein Kuhimitat hat bauen lassen (bedauernswert wegen seinem verbrannten Sohn, nicht wegen dem Kuhimitat), um sich mit gespreizten Beinen dahinein zu deponieren, damit der Stier sie im Dunkeln berennen kann? – Na egal, wie sie hieß, jedenfalls schien ihr offensichtlich das Gemächte des königlichen Gemahls nicht ausreichend. Soviel zu es–kommt–nicht–drauf–an wie lang, wie breit, wie hart. Klar. Ein geschickter Liebhaber kann aus mir auch so was rausholen. Schließlich hat er Finger und vermutlich eine Zunge, einen Mund. Ich bin, das muss ich zugeben, ganz wild auf Küsse, ganz wild auf zarte und harte Zungen. Da kommts auf seinen Pimmel wirklich nicht an. Aber ganz ohne? Ich meine nur mal so kurz oder mit nem nicht standfesten Ding? Das ist auf die Dauer, ja, nun wirklich unbefriedigend, obwohl dieses kleine Knöpfchen da – gut: es ist klein, Und das hätt ich gern mal gewusst, ob ich da normal bin? Ist dieses Knöspchen, das ich schon sehr mag und das ich nicht gerne bei seinem klinisch reinen Namen nenne: Klitoris, wobei manche auch noch Klittoris sagen – wie hört sich denn das an? Irgendwie wie klittern – was sich so wie zusammenklittern oder –kleistern anhört, oder wie Klitsche, wie so ne winterfeste Laube, nee. Also so was will ich nicht gehört haben. Auch Schamlippen. Schaahmlippen. Wieso Schaahm? Lippen lass ich mir ja noch gefallen …
Also: Ist dieses Knöspchen bei allen Frauen so klein? Gibt es schwellende, große? Es heißt ja, es ist so eine Art Peniskopf der Frau. Muss nun ich mich schämen, weil meins so klein ist? Kein Wunder, wenn die Männer es nicht immer gleich finden, oder erkennen. Da muss ich schon die Lippen auseinanderhalten – Gott sei Dank hab ja auch ich Hände – und dann liegt es offen vor ihnen, aber wohl auch erst deutlich offen, wenn sie eine Weile dran rumgemacht haben. Dann schwillt es nämlich und lächelt. Nee wirklich. Das kann jeder sehen, der genau hinguckt. Und das hab ich gern, wenn sie genau hingucken. Wobei mir einfällt, dass die Lexikonmacher offenbar nicht genau hingeguckt haben – oder sie waren zu verschämt, so, wie schon meine Therapeuten nicht hätten sein sollen, womöglich hätten sie dann noch ihre Zähne – denn unter „weibliche Geschlechtsorgane“ fehlt die, in Gottes Namen, Klitoris. Soll man’s glauben? Das bei weitem wichtigste Lustorgan der Frau ist im normalen Brockhaus nicht zu finden. Was sagt das Grundgesetz, Artikel 3 dazu?
Auf der andern Seite – vielleicht kann ich mich damit trösten –: Werden den Frauen Spiegel und Selbsterkundungen vorgeschlagen und „nicht–aufgeben“ und „wird–schon–werden“ und so, kurz: wenn das Ding penisgleich und prallgeschwollen jedem in die Hand spränge wären solche Ratschläge überflüssig.
Bist du normal, mein kleines Röschen? Mein Knöspchen? Mein Knöpfchen?

Hab ich nicht schon vor ner halben Stunde gesagt, ich muss ins Bett? Ich muss jetzt ins Bett und nochn bisschen mit ihr – ach nee, bin ich ja selber – mit mir spielen. Aber: Wie mach ich das? Wenn ich ganz Vagina bin? Keine Hand, kein Fuß, keine Finger … Und der Schwanz, von dem wir ja ausgegangen sind, seit Februar auch fehlt?
So kanns nicht bleiben.
Gutnacht.

Also. Ich war ich und nicht meine Vagina. Und ich hab sie in Ruhe gelassen. Wir wollten schlafen. Und ich hab sie auch heute früh in Ruhe gelassen. Wir wollten weiter nachdenken, wir beide.
Wie war das gestern mit dem Brockhaus? Wenn die Lexika die Geschlechtsorgane beschreiben, beschreiben sie die Fortpflanzungsorgane. Schließlich sind sie keine Pornopostillen. Und für die Fortpflanzung ist das Knöspchen entbehrlich. Die ganze weibliche Lust ist für die Fortpflanzung entbehrlich!
Ein faszinierender Gedanke! Was hat sich Mutter Natur – oder der Knacker – dabei gedacht?
Lust, Luxus ist eben überflüssig. Das Notwendige wird hergestellt. Das Überflüssige nicht. Aber. Diese Milliarden von Samenfäden? Vergeudet. Warum nimmt sich die Kosmetikindustrie ihrer nicht an? Gibt sicher erstklassig straffende Eiweißmasken. Na. Vielleicht tut sie es ja und gibt es nur nicht zu, weil die Weiber sich sonst ekelten. (Ekelten sie sich sonst? Was ist mit Lewinski? Aber die hatte das Eiweiß auch aufm Rock und in der Reinigung und nicht im Gesicht.) Und die Abertausende von Eiern. Auch: Vergeudet. Also könnte man doch wohl noch ein bisschen Lust an die Frauen verschwenden, wenn sie denn schon ihren Leib für dieses ganze Fortpflanzungsgeschäft hergeben müssen. Dass die Männer überhaupt anspringen, wird durch ihre Lust garantiert. Und wie sie anspringen! In einer Weise, dass es frau nicht zum Aushalten war und sie sich in sich selber verkroch. Spröde war. Ist. Abweisend. Mädchenhaft kühl. Zickig eben. Und er dann übergreift. Übergriffig wird. Vergewaltigt gar. (So sagen die Feministinnen.)
Wäre alles, Frau Natur, Herr Knacker, ganz einfach zu lösen: Lasst die Frauen ebenso lustempfindlich sein wie die Männer und vor allem: Lasst die Frauen, empfangen sie nicht auch Lust, nicht empfangen. Das wärs doch! Hei, wie würden die Knaben lernen, das Knöspchen zu bedienen. Hei, wie würden sie ihren Schwanz stählen! Es gäbe Fitnessprogramme dafür und nicht nur Viagra! Und im Brockhaus stünde die Klitoris ganz obenan! Und selbstverständlich gäbe es auch Lustprogramme in den Volkshochschulen für Frauen. Niemand würde sich mokieren. Niemand würde verächtlich gucken. Nymphomaninnen wären die meistgeachteten Damen auf diesem Globus. Alles Versteckte läge offen!
Alles Versteckte läge offen?
Will ich das?
Willst du das?
Na, ich weiß nicht – sie – . Will ich das?
Schließlich liege ich, einem plissierten Blütenrock ähnlich, in meiner Schenkelkapsel, geschützt und warm und habe vorläufig selten Neigung, mich gespreizt der Öffentlichkeit, dem Grellen preiszugeben.
Soll also alles so bleiben wie es ist: Sexgeile Männchen hasten unverdrossen – oder zunehmend verdrossen – hinter ablehnenden oder zumindest spröden Weibchen her, machen ihre Eiertänze, raspeln ihr Süßholz und, wenn alles nix nützt, besinnen sie sich auf ihre rohe Gewalt und tun sie uns an, meiner Vagina und mir?
So soll es bleiben?
Ob es so bleiben soll? Ich weiß nicht. Und überhaupt, können wir daran noch was ändern? Alles ist doch zu Ende eingerichtet? Aber vielleicht kann man – gut: frau – doch noch ein bisschen daran drehen? Schließlich hat man die ständige Schwangerschaftsgefahr auch zugunsten der Lust – der Männer – gebannt. Warum sollte man nicht fähig sein, Schwangerschaft und Lust unlösbar miteinander zu verbinden? Da wären mal die Frauen gefragt! Forscht mal kräftig, ihr Naturwissenschaftlerinnen. Forscht! (: Keine Lust – keine Schwangerschaft!) Überlasst nicht immer alles den Männern und, wenn sie es dann erfunden haben, werft ihr ihnen ihre Erfindungen auch noch vor. Wenn ihr – vielleicht doch mal wirklich selber wollt, könnt ihr heute auch und müsst nicht die Tage zählen, ob die Tage kommen, sondern könnt euch ungeniert und lustvoll in ein ausgedehntes Sexleben stürzen. Ist das kein Fortschritt? Nein. Natürlich nicht.
E r müsste die Pille nehmen. Er ! Er hat uns nur zu „verfügbaren“ Sexobjekten gemacht, die immer können wollen müssen. Ja und? Warum nicht?
Ach – hol’s der Teufel!
Was ihm alles vorgeworfen wird: Dass wir Bauch–an–Bauch liegen und so unsere Weichteile schutzlos preisgeben. Dass er dabei seinen Rücken für die Lanze des Gegners preisgibt und uns so vor ihr schützt? Das sieht die Weiberschaft nicht. Dass er, kommt er tierisch von hinten, uns ebenfalls schützt und sein Hinterteil dem Gegner preisgegeben ist, sieht sie auch nicht. Dass wir beide durch Angesicht–zu–Angesicht die Anonymität überwunden haben – sie sieht es nicht. Dass sie, wenn sie reitet, ihn bedient und sich selber pflügend abrackern muss? – Sie sieht es nicht. Sie geifert und keift und schimpft und verkrallt sich fanatisch in ihre Opferrolle. Dass die Möse wie ja auch sein Schwanz zwischen den Beinen geschützt war, als alles noch auf allen Vieren lief – sie sieht es nicht. Dass sein Preis für den aufrechten Gang unter anderem der war, dass sein Pimmel schutzlos preisgegeben wurde, während das Möschen dornröschengleich zwischen den warmen Schenkeln gefaltet bleiben durfte – sie sieht es nicht. Alles ist ihr zur Schmach eingerichtet!
Es ist genug.
Heute entscheiden wir beide, dass es genug ist. Knöspchen hin, Röschen her. Das Selbst–ist–die–Frau soll ein Ende haben.
Schemenhaft taucht wieder dieser Ben vom Sommer auf.
Gott. Das Kind – Sie – Der ahnte doch von nix was. Und außerdem ist er abhanden gekommen.
Sie seufzt.
Ich seufze.
Zum tatenlosen Seufzen sind wir zu alt. – Sie – TU WAS!
Aber was? Woher nehmen und nicht stehlen? (Den Schwanz).
Schaumama im „Tip“, ob uns nicht einer anmacht.
Ja aber was ist mit dem, der sich schon angeboten hat? Er sieht toll aus. Er hat ne angenehme Stimme (ganz wichtig! – Wieso ist die Stimme wichtig? Da sieht man wieder: Der Mensch ist nicht nur Biologie. Obwohl: Die Stimme gehört doch irgendwie auch zur Biologie, oder? Ist sone Art Schnittstelle zwischen Körper und Geist? Deshalb so wichtig? Wie ein Lächeln, ein Blick? Viel wichtiger als „Länge, Breite, Härte“?)
Komm. Verrenn dich nicht, Alte (die Vagina an mich). Wir wollen jetzt einen Schwanz. Egal, wie der Besitzer lächelt oder was fürn Timbre er hat. Auch wie er guckt, ist erst mal egal. Aber, wenn er guckt wie Anthony Perkins in „Psycho“ – das soll mir egal sein?
Mein Gott, Tante – so sie – sei nicht so heikel.
Heikel?? – Ich hysterisch dazwischen – Was machst du, Neunmalkluge, wenn er uns attackiert? Womöglich mit ner Scherbe auf dich losgeht?
Huuu, du kannst einem auch alles vergraulen (sie).
Frauen sollen ja ständig mehrgleisig denken, reden, argumentieren und nicht den Faden dabei verlieren.

Wo war ich?
Bei dem Schwanz, der sich schon angeboten hatte und mich – uns beide – mit der Frage heiß machen wollte: „Wann hattest du deinen letzten Schwanz?“
Es war, wie inzwischen jedermann weiß, im Februar. Dieses Jahres, das bitte ich zu betonen.
Das bittest du zu betonen?
Na klar. Sonst denkt einer, es sei sonst wann gewesen. Es war immerhin in diesem Jahr.
Gott ja.
Du vergaloppierst dich schon wieder, nach Weiberart.
Ja und?
Also.
Dieser Mensch, mitsamt seinem Schwanz und seiner Stimme und seinem tollen „body“ und seiner hübschen Handschrift – was ist mit dem?
Er ist ein callboy und will 500 Eier dafür.
500 Eier!das ist mir zuvieldas hab ich nicht nötigWenn schon einer zahlt, dann ist das er!
Noch nie hat es geheißen: Wenn schon eine zahlt, dann ist das sie.
Hör auf. Wir wollen jetzt nicht grundsätzlich werden. Wir wollen sehen, wie wir zu einem Schwanz kommen, o.k.?
O.K.!
Also: Der mit den 500 Eiern scheidet deswegen aus. Vorerst.
Dann such einen andern im „Tip“. Wenns denn auch ein callboy ist, brauchste wenigstens nicht die Anreise zu bezahlen. Und überhaupt: Sei doch mal souverän, Weib! Warum nicht zahlen? Nur weil du nicht mehr an jedem Finger zehn hast –
Hatte ich je an jedem Finger zehn?
Na ja. Es waren ein paar. Gibs zu.
Gut, ich gebs zu. –
Warum nicht mal zahlen? Ist doch n Kick!:
1. Die Anonymität,
Hast du nicht eben noch die „Angesicht–zu–Angesicht“–Stellung gefeiert als Triumph über die Anonymität?
Ach Gott ja. Lass uns jetzt endlich zum Punkt kommen!
2. Das: Der andere muss machen. Er wird dafür bezahlt. Du kannst dich einfach zurücklegen.
Und wenn er’s nicht schafft, mich zum Orgasmus zu bringen? Muss ich trotzdem zahlen? Vermutlich ja. Das ist natürlich ein doofes Risiko.
Willst du das eingehen? Mal gucken. Und drittens?
3. Die Macht. Die Macht, dessen („dessen“! … „derer“ muss es heißen!) Gut: Die Macht derer, die zahlt.
Haste das drauf? Das hast du nicht drauf! Das hast du nur drauf, wenn du ins Lokal gehst und die Bedienung mürrisch ist. Dann verwahrst du dich und gehst. Ganz Zicke. Das hast du nur drauf, wenn du in den Laden gehst und das Personal nicht spurt. Dann machst du, ganz Zicke, einen zickigen Spruch und gehst. Wieso hast du das nicht drauf, wenn ein Liebhaber nicht funktioniert?
Sollen wir jetzt darüber streiten? Oder erst in den „Tip“ gucken?

Es ist eisigkalt. Aber es scheint die Sonne. Jetzt gucken wir weder noch streiten wir, sondern wir gehen raus und atmen. O.K.?
O.K.

Rausgegangen. M. getroffen und was gegessen. Und über Sex geredet. Was aber nicht weiterhilft, denn M. ist schwul.
„Tip“ geguckt. Hat auch nicht weitergeholfen. Nix hat uns so richtig angemacht. Außerdem fehlt ja der Mut.
Der MUT fehlt, verdammt! So wird das nie was. M. hat gesagt, wir sollten doch den Libanesen von Ostern nehmen, der so scharf auf uns war. Aber vielleicht wars ein „Schläfer“? Vielleicht ist er gar nicht mehr da? Außerdem ist er Küchenhelfer. Wollen wir einen Küchenhelfer?
Sie: Warum nicht? Er ist riesengroß, das magst du doch (ich nicke) und außerdem ist er 28. Und er kennt dich bereits. Und er wollte. Und wie er wollte. Und er konnte ja sehen, dass du 20 Jahre älter bist, oder?
Ja. Das hat er sehen können. Also. Warum nicht den? M. hat ganz recht. Der kostet nix. Der will uns. Der ist jung. Und vermutlich standfest. Why not?
Why not? Na, wir müssten doch mit dem ins Hotel.
Ja und?
Da fehlt mir wieder der Mut. Wenn ich ein Hotelzimmer bezahle: o.k. Das macht mir nicht so viel. Aber mit nem so viel jüngeren Lover souverän an die Rezeption zu treten? Das schaff ich nicht.
Lass dich zuscheißen, Alte. Sie. (Die ist echt sauer).

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