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Autorenprofil

Homepage: www.helmut-stauder.de

Geburtsjahr:
1952

Geburtsort:
Bayreuth

Beruf:
Gymnasiallehrer für Deutsch, Englisch und Spanisch

Interview

Wen wollten Sie schon immer mal treffen?
Daniel Barenboim - wegen seiner Bemühung um mehr Menschlichkeit im Nahen Osten, vor allem zwischen Palästina und Israel. Paul Auster - wegen seiner faszinierenden Sicht auf die Rolle des Zufalls in seinen Romanen. Henning Mankell - wegen seines humanitären Einsatzes in Afrika

Welcher Autor hat Sie wie beeinflusst?
Wenn man ehrlich ist, dann haben wohl fast alle Autoren, die wir mit Interesse gelesen haben, in irgendeiner Form Einfluss genommen auf unser Schreiben. Eine besondere Rolle haben bei mir wohl Shakespeare ( das Dramatische, Publikumsorientierte aber auch das Mystische ) , Knut Hamsun ( das Erzählen an sich und der Innere Monolog ), Hermann Hesse ( das persönliche Schreiben ) und Franz Kafka ( seine magische Sicht der Welt ) gespielt.

Welches Buch hat Sie wie beeinflusst?
Ein einzelnes Buch kann und will ich nicht nennen. Eine Auswahl ergäbe sich aus den Werken der Autoren, die ich in der vorherigen Frage dargestellt habe.

Wie sehen Sie die Zukunft der Literatur?
Es wird enorm viele, völlig verschiedene Erscheinungen geben, die sich weit vom gedruckten Buch entfernen werden. Deren Inhalt wird vor allem die reine Unterhaltung, Ablenkung, Zerstreuung sein. Das ist nicht mein Weg. Ich möchte mich auf literarisches "Slow-Food" konzentrieren können, auf die Freude am bedenkenswerten Inhalt und an anspruchsvoller Sprache. Und auch dafür wird es ein Publikum geben.

Mit welchem Satz würden Sie gerne zitiert werden?
Der moderne Mensch zeigt viel Oberfläche, doch er verbirgt seine Magie. Aber das hilft nichts, denn sie wohnt in jedem von uns.

Was denken Sie, inwiefern das Internet die Literatur beeinflusst?
Die dafür passende Bezeichnung wäre meiner Meinung nach das englische "proliferation". Alles ist jedermann jederzeit zugänglich. Für mich hat das allerdings nicht nur Vorteile.

Was ist Ihrer Meinung nach der Sinn des Lebens?
Eine große Frage auf kleinem Raum. Ein Aspekt könnte sein, dass wir uns bewusst werden sollten, dass es außer der realistischen Oberfläche unseres Lebens mehr gibt, das wir nur (noch) nicht sehen und begreifen können. Für viele wird die Antwort in ihrer jeweiligen Religion liegen. Und das ist gut so. Denn sonst beunruhigt es uns zu sehr. Sofern wir darüber nachdenken.

Wie soll man sich später an Sie erinnern?
Um nicht kryptisch oder gar kitschig zu werden: Ich genieße es, sowohl Freunde als auch Feinde zu haben. Und dass man diese deutlich von jenen unterscheiden kann. Das sollte auch "später" nicht anders sein.

Wer ist Ihre Lieblings Romanfigur?
Hamlet und Don Quijote. Absolute Gegensätze und zwei mögliche konsequente Aspekte der menschlichen Existenz. Mit Hamlet teile ich den Zweifel, mit Don Quijote die Begeisterung.

Wenn Sie eine Zeitreise machen könnten, was würden Sie tun?
Keinesfalls würde ich versuchen, irgendein Ereignis ungeschehen zu machen. Aber ich würde gerne Jesus, den Menschen, treffen und ihn gut kennen und verstehen lernen.

Was wollten Sie schon immer mal sagen?
Stille und harmonisches Schweigen sind wichtiger als Lärm und sinnentleertes Gerede.

Nennen Sie uns Ihr Lieblingsbuch:
Knut Hamsun, Mysterien

Nennen Sie uns Ihren Lieblingsfilm:
Paul Auster, Lulu on the Bridge

Nennen Sie uns ein gutes Lebensmotto:
Für mehr Menschlichkeit!

Nennen Sie uns Ihr Lieblingszitat:
„Ach”, sagte die Maus, „die Welt wird enger mit jedem Tag. Zuerst war sie so breit, dass ich Angst hatte, ich lief weiter und war glücklich, dass ich endlich rechts und links in der Ferne Mauern sah, aber diese langen Mauern eilen so schnell auf einander zu, dass ich schon im letzten Zimmer bin und dort im Winkel steht die Falle, in die ich laufe.” „Du musst nur die Laufrichtung ändern”, sagte die Katze und fraß sie.
( Franz Kafka, Kleine Fabel )