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Pressespiegel "helden:tot"
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Autorenprofil

Zum Autor:

Stefan Sprang, geboren 1967, lebt in Essen und Frankfurt als Hörfunkjournalist. Er hat Germanistik und Politik in Münster und Berlin studiert und war in den 90er Jahren Mitbegründer der Literaturzeitschrift Konzepte – Magazin für eine junge Literatur. Viele Jahre hat er als Comedyautor und –produzent für den Hörfunk gearbeitet. Unter anderem erhielt er dafür 1999 den Kurt–Magnus–Preis der ARD.

Veröffentlichungen (eine Auswahl)

Das letzte Siegel. In: Isaac Asimov’s Science Fiction Magazin. 43. Folge. Hrsg. von Friedel Wahren. München 1994.
Textviren zwischen elektronischen Realitätsprogrammen – Wie Literatur am Thema Medien ihre Gegenwärtigkeit beweisen kann. In: Deutschsprachige Gegenwartsliteratur. Wider ihre Verächter. Hrsg. von Christian Döring. Frankfurt/M. 1995
Call and Response – Mutmaßungen über Sprache im Medienraum der Zukunft. In: Sprache im technischen Zeitalter. 35. Jg. Berlin 1997.

Radio–Comedy. Mit: Rainer Dachselt und Ingo Schwarz. Konstanz 2003.
Artikel zu Matthias Altenburg, Norbert Hummelt, Stefan Schütz und Ulrich Woelk. In: Handbuch der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. München 2003.

Kiosk Kübler – Das Album (Comedy). hrMedia. Frankfurt 2003.helden: tot. Mischmut. Berlin 2007.
Nominiert für den deutschen Hörbuchpreis 2008 in der Kategorie Sprecher (Sprecher: Andreas Fröhlich)

Interview

Wen wollten Sie schon immer mal treffen?
Das scheuste Reh der Literaturwelt, den einzigartigen und genialen amerikanischen Romancier Thomas Pynchon - auch wenn ich mich mit ihm nur über das Wetter unterhalten könnte, hat doch mein ohnehin schon rudimentäres Schulenglisch (in Altgriechisch hatte ich dafür die bessere Noten) in den letzten Jahren massiv gelitten.
Die großartige Schauspielerin Julianne Moore käme auch in Frage, aber auch die wird wohl leider nur in der Sprache Shakespeares kommunizieren wollen...

Welcher Autor hat Sie wie beeinflusst?
Truman Capote ist zuletzt mein Idol geworden. Als der Verlag "Kein & Aber" damit begann, das Werk Capotes heraus zu bringen, wurde ich erst so recht aufmerksam auf die Prosa dieses begnadeten Stilisten und Psychologen. Begeisternd ist, wie es ihm gelingt, ein ganzes Schicksal manchmal erlebbar zu machen durch eine "Kleinigkeit": Eine Bemerkung im Vorübergehen über die Wandfarbe im Zimmer der Protagonistin - und man muss die Geschichte, in der eine Tochter der besseren New Yorker Gesellschaft im Mittelpunkt steht, eigentlich nicht mehr zuende lesen, denn alles steckt in diesem Detail: die Verlassenheit, die mit aller Macht verdrängte Traurigkeit. Was andere in dicken Romanen nicht schaffen, schafft Capote auf wenigen Seiten: er bringt einem Menschen und deren Lebensgefühl auf eine wunderbar sensible Art und Weise näher. Und es würde mich sehr glücklich machen, gelänge auch mir das in meinen Texten manchmal zu einem Bruchteil… Die "New York Times Book Review" schrieb über Capote: "Capote ist ein unvergleichlicher Stilist und Unterhalter; mit einem genialen, beinahe absoluten Gehör für Dialoge." Was kann man als Autor mehr erreichen wollen?

Welches Buch hat Sie wie beeinflusst?
Kann ich ein einzelnes Buch nennen? Nein, das wäre ungerecht gegenüber all den vielen anderen Büchern und Geschichten, die mich beeindruckt haben, die mich nachdenklich gemacht haben oder auf heitere Weise melancholisch. Lesen, das ist für mich - mit Schiller - immer auch ein "Probehandeln".
Aber wenn ich zurück denke, wie alles anfing: Es waren die Romane von Karl May, vor allem der sechsteilige Orient-Zyklus rund um Kara ben Nemsi - also die Romane von "Durch die Wüste" bis "Der Schut", die ich verschlungen habe als ein Kind, das oft angeschlagen war. Auf dem Krankenbett: Ein Roman pro Tag, wenn es sein musste! Wahrscheinlich habe ich damals die Leidenschaft für spannende Geschichten entdeckt. Vielleicht wurde ich damals, weil ich ohnehin schon ein schwaches Immunsystem hatte, infiziert mit einer Sehnsucht, nämlich der, irgendwann einmal selber gute und spannende Geschichten nicht nur zu erfinden, sondern sie auch aufzuschreiben, damit jemand sie lesen kann.

Nennen Sie uns Ihr Lieblingszitat:
"Das Leben ist eine viel zu bedeutende Angelegenheit, um ernsthaft darüber reden zu dürfen." Oscar Wilde.

Wie sehen Sie die Zukunft der Literatur?
Ich sehe sie deutlich positiver als noch vor fünfzehn Jahren, als der damalige Hype um Internet, virtuelle Realitäten und den Cyberspace auch mich packte. Ich sah mich wenige Jahre später nur noch "E-Books" lesen und Bastarde aus Text, Bild, Ton und Querverweisen, "Hypertexte" eben, ästhetische Hermaphroditen. Ich hoffte selber auf die Segnungen des Cyberspace mit Datenhelm und Datenanzug, die große Mythenmaschine, die uns das Entweichen aus einem schrecklich linearen Alltag erlauben würde. Wer dem nachspüren mag: "Textviren zwischen elektronischen Realitätsprogrammen - Wie Literatur am Thema 'Medien' ihre Gegenwärtigkeit beweisen kann" hieß 1995 mein Essay zu diesem Komplex. Tja, selbst William Gibson macht sich in seinem neuen Roman "Quellcode" lustig über sich selber, denn er war ja der literarische Visionär des Cyberspace - das lässt er seine Heldin so ungefähr sagen: "Virtuelle Realtiät? Lange nicht's mehr von gehört."
Inzwischen glaube ich, dass die Zukunft der Literatur in ihrer Vergangenheit liegt. Sie wird bestehen in ihren klassischen wie avantgardistischen Qualitäten. Menschen werden noch sehr sehr lange gedruckte, mal mehr mal weniger dicke Bücher lesen, vielleicht werden es ein paar weniger sein, vielleicht werden es weit mehr Frauen als Männer sein. Aber insgesamt muss man keine Schwanengesänge anstimmen.

Mit welchem Satz würden Sie gerne zitiert werden
Der ist leider nicht von mir, er ist von Thomas Brasch und geht ungefähr so: "Kunst war nie ein Mittel, um die Welt zu verändern - aber immer eines, um sie zu überleben."

Nennen Sie uns Ihren Lieblingsfilm:
"Blade Runner" von Ridley Scott, ein ästhetisches aber auch philosophisches Meisterwerk. Aber sehr direkt dahinter: "Die fabelhaften Baker Boys", denn das Thema dort ist auch eines meiner zentralen Themen… Schauen Sie ihn sich an, dann werden Sie es merken.

Was denken Sie, inwiefern das Internet die Literatur beeinflusst?
Siehe oben: sein Einfluss ist viel geringer, als ich vermutet habe. Vorüber ist die Phase, in der in vielen zeitgenössischen Texten die Neuen Medien eine thematisch große Rolle spielten. Auch grundlegend neue Textformen haben sich meinem Empfinden nach kaum entwickelt. Die Kürze und Prägnanz, die Online-Texte haben sollen, hätte ja auch beim Rezipienten wirken müssen, m.a.W.: Eigentlich müsste Kurzprosa sehr en vogue sein, aber das Gegenteil scheint mir der Fall: So richtig Literatur ist es für viele Leser erst ab 350 Seiten (übrigens, auch Kinofilme werden inzwischen immer länger, kaum einer, der noch stoisch 90 Minuten dreht). Aber, wie so oft gibt es ein ABER: das Internet wirkt "pro" Literatur, nämlich als Verbreitungsmedium, als Medium, in dem man mit und für Literatur "werben" kann, in dem Menschen für Blogs oft witzige und auch literarisch beachtliche Texte schreiben, um mit anderen Menschen darüber einen Austausch zu beginnen. Das Internet kann in vielerlei Hinsicht Talente sichtbar machen und auf zeitgenössische Weise auf zeitlose Kunst aufmerksam machen. Nehmen wir das, was Sie hier gerade vor sich haben: den Reading-Room der Middendorfschen Literaturvermittler. Ganz großartig und ohne Internet natürlich nicht denkbar...

Was ist Ihrer Meinung nach der Sinn des Lebens?
Das Fragezeichen bei der Frage ist das Zeichen, das den Weg weist: Der Sinn ist das stete Fragen danach, was der Sinn ist, damit man die Chose auf die bestmögliche Weise überlebt: zugleich melancholisch, weil man keine ultimative Antwort findet, zugleich heiter, weil man der Sache und der dräuenden Nichtigkeit trotzen kann als ein freier Geist, denn: "Das Leben, ein Märchen ist's, erzählt von einem Idioten, wütend und laut."

Wie soll man sich später an Sie erinnern?
Tja, ich würde mich freuen, wenn die Menschen, die mich kennen, sagen würden: bei ihm habe ich die besten Safran-Ravioli mit Ziegenkäse-Pinienkern-Tomaten-Füllung meines Lebens gegessen. Als gastfreundlicher und aufmerksamer Menschen mit Selbstironie würde ich gerne in Erinnerung bleiben.

Wer ist Ihre Lieblings Romanfigur?
So viele gibt es, wir hatten ihn schon, den Kara Ben Nemsi. Darf ich meine Lieblingsfilmfigur hier nennen: Es ist der Nachtclubbesitzer Rick, ja, genau, der mit dem Café in Casablanca…

Wenn Sie eine Zeitreise machen könnten, was würden Sie tun?
Ich würde in die Zeit der vorletzten Jahrhundertwende reisen, vielleicht auch die 20er Jahre des 20 Jh. 1900 und die Jahre danach, so vieles passierte dort in der Wissenschaft, der Kunst. Die Art und Weise, die Wirklichkeit zu betrachten, zu analysieren und in der Kunst zu reflektieren, änderte sich fundamental, nehmen wir einen wegweisenden Roman wie Rilkes "Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge", der zwischen 1904 und 1910 entstand und meiner Ansicht nach viele Gedanken der Existenzphilosophie und des Existentialismus vorweg nahm. Paris, Berlin, Wien, das waren wahrlich noch absolut erstrangige Metropolen, Kraftzentren vielfältiger Evolutionen und Revolutionen, waren Nahtstellen des Übergangs in die Moderne. Dort unterwegs sein, sich umschauen, zuhören, mitreden, das wäre was. Die Zukunft würde mich weniger interessieren, in die geht es ohnehin. Ich lebe auch eher aus der Vergangenheit heraus, will sagen, das Vergangene treibt mich mehr als mich das Visionäre zieht…

Was wollten Sie schon immer mal sagen?
Ach, ich bin noch nicht an dem Punkt, wo es Zeit wird, endlich zu sagen, was ich immer schon sagen wollte, aber nie zu sagen gewagt habe…

Nennen Sie uns ein gutes Lebensmotto:
"Das Lachen erhält vernünftiger als der Verdruß." (Genau, Herr Lessing)