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Autorenprofil

Homepage:

Geburtsjahr:
12.07.1974

Geburtsort:
Vaska in Kroatien (Gespanschaft Virovitica)

Beruf:
Schriftsteller

Interview

Wen wollten Sie schon immer mal treffen?
Samuel Beckett, Franz Kafka, Tomas Tranströmer, Schopenhauer und selbstredend Jesus. Und wenn mir die gleiche Frage morgen gestellt würde, tauchten andere Namen auf, vorwiegend würde ich aber ein jedes Mal Schriftstellerpersönlichkeiten nennen nebst einflussreichen Gestalten aus der Religionsgeschichte, beispielsweise Buddha, weniger der Worte als der auratischen Kraft wegen, die doch gewiss von solch grossartigen Naturen ausgehen muss. Und da ist freilich täglich der fürchterlich dringende und mich zum Schreibtisch zwingende Wunsch nach einer Selbstbegegnung.

Welche Autorin beziehungsweise welcher Autor haben Sie wie beeinflusst?
Franz Kafka und Samuel Beckett, weil ich beim Lesen dieser Autoren während jeder Zeile spüre, dass sie ihr Geschriebenes gelebt, heisst also zutiefst erfahren haben. Dann hat freilich der geniale Menschenkenner Dostojewski maßgeblichen Einfluss auf mich genommen, mehr, was meine Sicht auf Menschencharaktere anlangt, als literarisch. Da ich ein Vielleser bin, gäbe es da noch eine Liste an Namen. Nennen möchte lediglich nur noch Rainer Malkowski, der mich als Mensch und Lyriker zutiefst beeindruckt und auf die nachhaltigste Weise mein Fühlen, Denken und Wahrnehmen geprägt und verfeinert hat. Zu der Fragestellung selbst hätte ich noch etwas anzumerken. Einfluss ist meiner Meinung nach doch so zu verstehen, dass da ein stilistisch ausgereifter Autor in die Versuche eines angehenden Schriftstellers, zu einer eigenen, unverwechselbaren Ausdrucksweise zu gelangen, anfänglich fördernd, späterhin aber zumeist störend mit hineinspielt. In diesem Sinne lassen sich nur junge oder lebenslang mittelmäßige Autoren beinflussen. Ein guter Schriftsteller findet seinen eigenen Ton und lässt sich späterhin von anderen Autoren lediglich noch anregen, in keinem Fall aber beeinflussen.

Welches Buch hat Sie wie beeinflusst?
Molloy von Beckett. Kafkas Schlossroman. Primo Levi: Ist das ein Mensch? Die Gedichte von Paul Celang, Tomas Tranströmer, Rainer Malkowski. J.M Coetzee: Leben und Zeit des Michael K. Die Werke von Georg Büchner. Der grüne Heinrich. Faust. Der Idiot. Die Gebrüder Karamasow. Krieg und Frieden. Shakespeares Werke. Camus: Der Fremde, Die Pest. Handke: Die Stunde der wahren Empfindung. Peter Weiß: Abschied von den Eltern. Musil: Der Mann ohne Eigenschaften. Die "Buddenbrocks" Patrick White: Der Maler. Jean Genet: Querelle. Tschechows Erzählungen und Theaterstücke. Auster: Stadt aus Glas. Cervatens Don Quijote. Canetti: Die Blendung, Masse und Macht. Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung. Die Bibel. Ein kleine Auswahl aus den Büchern, die mir wichtige Erfahrungswerte vermittelt haben. Wie genau sie mich beeinflusst haben. Mit einem Wort: Das Arbeitsinstrument eines jeden guten Buches ist der Mensch. Lesen heißt für mich Menschwerdung. Vielleicht haben sie mich auch dahingehend beeinflusst, die Sprache der Macht für mich weitestgehend zu entwerten und die Wörter mit neuen, richtigeren, humaneren, menschenfreundlicheren Bedeutungen anzureichern.

Wie sehen Sie die Zukunft der Literatur?
Bedeutende Literatur wird zunehmend wichtiger werden. Eine Welt, die glaubt, ohne die schöngeistigen Künste auskommen zu können, fällt über kurz oder lang wieder zurück in die Barbarei. Und wenn es nur noch wenige so genannte "Huter des Feuers" gibt, so wird das Verschwinden der Literatur zusammenfallen mit dem Verschwinden der Menschheit, vorher keinesfalls. Sprache ist unser wichtigstes Erbut. Sie ermöglicht uns die Frage.

Mit welchem Satz würden Sie gerne zitiert werden?
Das Leben eines Menschen besteht aus einer solchen Unmenge von Erfahrungen, dass sich diese unmöglich in einem einzigen Zitat unterbringen lassen. Es gibt kein gültiges Zitat.

Was denken Sie, inwiefern das Internet die Literatur beeinflusst?
Sehr. Ich käme nie auf den Gedanken, das Internet zu verteufeln. Ich glaube, dass das Internet den Menschen die Literatur näher bringen kann als jedes andere Medium. Vornehmlich der Jugend. Und auf wen die Flamme wirklich übergreift, der greift dann sowieso auf das Buch zurück, denn das sinnliche Erleben eines Buches wird sich durch nichts und niemals ersetzen lassen. Und ich nehme doch mal an, dass Literaturbegeisterte sinnliche Menschen sind. Außerdem erschließen sich durch das Internet der Literatur andere, durchaus interessante Wirklichkeiten, virtuelle Wirklichkeiten sozusagen, gespenstische Wirklichkeiten, die Stoff für gute Romane liefern können, die etwas freigeben, was "so" noch nicht gezeigt werden konnte.

Was ist Ihrer Meinung nach der Sinn des Lebens?
Die Liebe. Das Schreiben. Die Dinge und das Wahrnehmen. Das Lesen. Die Menschen, die mich umgeben. Die Hoffnung. Immer wieder die Hoffnung.

Wie soll man sich später an Sie erinnern?
Hier möchte ich Julio Ramon Ribeyro zitieren: "Wir laufen wie Automaten durch sinnlose Städte. Wir gehen von einem Geschlecht zum anderen - und landen immer im selben Haus. Mit einigen kleinen Varianten sagen wir, mehr oder weniger, immer dasselbe. Wir essen Pflanzen oder Tiere, aber immer nur das Verfügbare; nirgends wird uns der Paradiesvogel oder die Windrose serviert. Wir brüsten uns mit Abenteuern, die ein Computer auf zehn oder zwölf gewöhnliche Situationen reduzieren würde. Sollte also, engegen allen Reden, das Leben wegen seiner Monotonie zu lang sein? Welche Bedeutung hat es, ob wir ein Jahr oder hundert Jahre leben? Wie der Säugling hinterlassen wir nichts, wie der Huntertjährige nehmen wir nichts mit, weder die schmutzige Wäsche noch den Schatz. Einige hinterlassen ein Werk, das ist wahr. Es wird schön editiert werden. Später, Rarität eines Sammlers. Noch später, Fußnote eines Gelehrten. Am Ende, weniger als ein Name: ein Unbekanntes.

Wer ist Ihre Lieblings Romanfigur?
Molloy. K. aus dem Prozess. Myschkin. Effi Briest. Aljoscha Karamasov. Allgemein: Die Hilflosen, die nicht weiter wissen.

Wenn Sie eine Zeitreise machen könnten, was würden Sie tun?
Es gibt da eine Geschichte von Burkhard Spinnen. Da reist ein Mann mit einer Zeitmaschine in die Vergangenheit und begegnet Hitler, vor dessen Machtergreifung, als er noch ein linkischer, unsicherer Mann war, der in einem Asyl in der Meldemannstrasse hauste. Nun, was macht der Zeitreisende wohl? Ein kleiner Schlag mit einer Keule auf den Kopf des Abschaums. Und hundert Millionen Tote weniger in den späteren Jahren. Wäre doch eine Überlegung wert.

Was wollten Sie schon immer mal sagen?
Was ich zu sagen habe, steht auf dem Papier in meinen Schubladen. Schriftsteller stehen in der Pflicht, häufig eben das zu sagen, was sonst keiner sagt.

Nennen Sie uns Ihr Lieblingsbuch:
Molloy von Samuel Beckett

Nennen Sie uns Ihren Lieblingsfilm:
Es bereitet mir wenige Mühe, Krieg und Frieden zu lesen, als mich auf einen eineinhalbstündigen Film zu konzentrieren. Da ist ein gewisser Defekt in meinem Kopf, weiß auch nicht, woher das kommt. Aber wenn ich mal die Geduld aufbringen kann, sehe ich mir gerne Filme von Lois Bunuel oder Wim Wenders an. So in diese Richtung bewegt sich das.

Nennen Sie uns ein gutes Lebensmotto:
Fürchte dich nicht vor den eigenen Gefühlen.

Nennen Sie uns Ihr Lieblingszitat:
Klingt banal, ist trotzdem mein Lieblingszitat. "Liebe ist das Wichtigste auf dieser Welt" (Rainer Malkowski) Haben aber gewiss mehrere Leute schon gesagt.