Autorenprofil
Homepage: www.elfriede-dubort.de
Geburtsjahr: 1947
Geburtsort: Hassloch/Pfalz
Beruf: Lehrerin im Ruhestand
Interview
Wen wollten Sie schon immer mal treffen?
Einen Weisen.
Welche Autorin beziehungsweise welcher Autor haben Sie wie beeinflusst?
Alle, alles beeinflusst mich, ich bin sehr empfänglich. Vor ein paar Jahren wollte ich ein Experiment machen und nicht mehr lesen, um zu sehen, wozu der Mensch, insbesondere der Schriftsteller fähig ist, wenn er von nichts beeinflusst wird. Ich wollte sozusagen auf den Kern gehen, den Kern ausdrücken. Ich konnte das Experiment nicht zu Ende führen, weil ich merkte, man läuft Gefahr, auszutrocknen und sich viele Schönheiten vorzuenthalten. Außerdem war das Experiment von vornherein gefälscht, denn alles, was ich vorher gelesen hatte, war ja in mir gespeichert. Dazu kam ein bedeutender Aspekt: Als gebürtige Deutsche, die in Frankreich lebt, hatte ich meine Sprache verloren und musste sie wieder aufbauen. Das war nur durch Lesen möglich. Und besonders nachahmenswert erschien mir die feinfühlende Sprache von Stefan Zweig.
Welches Buch hat Sie wie beeinflusst?
In meiner Jugendzeit haben mich „Die Buddenbrooks“ stark beeinflusst. Die gesellschaftliche Entwicklung Deutschlands im 19. Jahrhundert anhand einer Familie über 4 Generationen aufzuzeigen, hat mich ungemein beeindruckt. Und daher kam mir auch wohl unbewusst die Idee, anhand meines Lebens die Entwicklung des Menschen im ausgehenden 20. Jahrhundert darzustellen. (Wobei ich nicht die Anmaßung habe, mich mit Thomas Mann zu vergleichen).
Wie sehen Sie die Zukunft der Literatur?
Ich sehe eine große Überschwemmung. Wenn der Nil über die Ufer trat, richtete er großen Schaden an, doch zog er sich wieder zurück, blieben die wertvollen Bestandteile zurück… ob d i e s e Überschwemmung aber zurückgehen wird, ist eine große Frage. Die Literatur ist ein Produkt der Gesellschaft und widerspiegelt sie zugleich. Die heutige Literatur gleicht dem Warenangebot in einem Supermarkt, und der Leser dem Käufer. Alles im Überfluss, die meiste Werbung wird für das Wertloseste gemacht, und man kann nicht einmal einem Ratgeber vertrauen, weil man stets befürchten muss, dass auch der seine eigenen Interessen vertritt. Die Leute lesen wie sie essen. Viel Nasch- und Knabberware, schön und auffallend Verpacktes, immer Neues, Ausgefallenes, Waren im Angebot sind gefragt. Wie die Erzeuger sich aber an den Kunden orientieren, so orientiert sich die Literatur am Leser, und letztendlich kann man sagen: Eine Gesellschaft hat die Literatur, die sie verdient. Hoffen wir, dass die der Zukunft besser sein wird.
Mit welchem Satz würden Sie gerne zitiert werden?
„Einkehr ist der Weg in die Zukunft“
Was denken Sie, inwiefern das Internet die Literatur beeinflusst?
Das ist doppelschneidig. Jeder Fortschritt birgt Gutes, aber auch eine Gefahr, wenn er in unbedachte Hände gerät. Und Internet ist in aller Hände! Das Internet bietet dem Schreibenden eine Fülle von schnell zu erreichenden Informationen, es bereichert ihn, aber es verführt ihn auch, in die Breite zu gehen anstatt in die Tiefe, also dem allgemeinen Trend zu folgen. Dem Lesenden wird es leicht gemacht, Bücher zu finden, aber es ist schwer, sich in der Vielfalt zurechtzufinden und der große innewohnende Fehler des Internet ist der Mangel an Hierarchisierung. Jeder kann alles anbieten, das muss unweigerlich zu Verwirrung, Orientierungslosigkeit und letzten Endes zum Untergang der Qualität führen.
Was ist Ihrer Meinung nach der Sinn des Lebens?
Seine Bestimmung erkennen und ihr folgen.
Wie soll man sich später an Sie erinnern?
Es wäre schon schön, d a s s man sich an mich erinnert! Als Autorin meine ich.
Wer ist Ihre Lieblings Romanfigur?
Hab ich keine. Im Übrigen mag ich das Wort „Lieblings-„ nicht, es ist so einschränkend, und ich lasse mich nicht gern einschränken.
Wenn Sie eine Zeitreise machen könnten, was würden Sie tun?
Ich fände es reizvoll, an verschiedenen Orten der Welt eine Reise durch die ganze Menschheitsgeschichte zu machen.
Was wollten Sie schon immer mal sagen?
Nicht schon immer, erst seit kurzem. Ich habe gemerkt, dass man sehr oft den Ausdruck „zu sich selbst finden“ verwendet. Es ist richtig Mode geworden, zu sich selbst zu finden. „Sich selbst finden“ wird zu allen Saucen gereicht (ein französischer Ausdruck) und das stört mich. Ich finde es äußerst bedauerlich, dass große Erkenntnisse oder Entdeckungen falsch verstanden, verwässert oder gar ins Gegenteil verkehrt werden. Was „zu sich selbst finden“ für mich heißt, habe ich auf meiner Website erklärt.
Nennen Sie uns Ihr Lieblingsbuch:
Hab ich nicht. Es gibt viele gute Bücher. Aber meine Geschmacksrichtung ist: Narziß und Goldmund von Hesse, Die Ungeduld des Herzens von Stefan Zweig, Die Wahlverwandtschaften von Goethe, Effi Briest von Fontane, auch Bücher von Patricia Highsmith, also wo Psychologie und Feingefühl eine Rolle spielen.
Nennen Sie uns Ihren Lieblingsfilm:
Dasselbe Problem! Ich habe keinen Lieblingsfilm, aber Filme, die mir in letzter Zeit gefallen haben sind: Good bye Lenin, Das Leben der Anderen, Il y a longtemps que je t\'aime, The visitor,...
Nennen Sie uns ein gutes Lebensmotto:
Früher schätzte ich am höchsten: „Das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden“ Doch nun halte ich für das beste, auch wenn ich Mühe habe, mich selber daran zu halten: Carpe diem.
Nennen Sie uns Ihr Lieblingszitat:
Mensch werde wesentlich!“ – nur dies, ohne das Folgende, denn mein Blick ist nicht ins Jenseits gerichtet, sondern ins Diesseits.

