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Autorenprofil

Geburtsjahr: 29.05.1964

Geburtsort:
Stolberg

Beruf:
Diplom Sozial-Pädagoge

Interview

Wen wollten Sie schon immer mal treffen?
Die Filmregisseure Sidney Lumet und John Carpenter und die Musiker Ray Davies und Brian Wilson.

Welcher Autor hat Sie wie beeinflusst?
Neben vielen Autoren, wie André Breton und Edgar Allan Poe, hat mich besonders ein eher unbekannter Engländer beeinflusst: Robert Aickman. Aickman hat ein außergewöhnliches Gespür für Ängste und irrationale Vorgänge in einer rationalen Welt. Seine Helden, die zumeist dem sicheren Mittelstand entstammen und scheinbar ein vollkommenes Abbild ihrer sozialen Schicht sind, werden durch kleine Ereignisse - ein falsches Wort, eine Abzweigung, die sie verpassen ... aus ihrer Sicherheit gerissen und dem Chaos des Unheimlichen ausgeliefert. Aickman lehrt einem, wie man durch kleine Akzente eine große Wirkung erzeugt. Er ist ein Meister der Atmosphäre und seine Texte bestechen durch eine ökonomische Erzählweise. Doch vor allem lehrt er einen, was wirklich bedeutet, ein offenes Ende zu schreiben.

Welches Buch hat Sie wie beeinflusst?
Kein großer Roman, sondern eine kleine Novelle: "Dunkler Frühling" von Unica Zürn. Sie zwingt einen dazu genau zu schreiben und trotzdem ist jeder Satz Poesie. Ihre Sprache erinnert einen daran, dass man unbedingt subjektiv bleiben muss, sonst schreibt man kalt und langweilig; gleichzeitig zeigt sie einem, wie man dabei Distanz hält. Nur so hat der Leser die Chance, Zugang zu den Texten zu erhalten. Sie zeigt einem, dass man Lücken zwischen den Worten schaffen muss ... ansonsten erstickt der Text. Zürn ist eine Autorin, zwischen deren Sätzen die angestaute Kraft eines aufkommenden Sommergewitters zu spüren ist ... darauf kommt es an.

Wie sehen Sie die Zukunft der Literatur?
Die Literatur ist der ständigen Gefahr ausgesetzt vom Literaturbetrieb, ob vom wissenschaftlichen oder vom kommerziellen, erdrückt zu werden. Sie existiert im Abwehrkampf ... so war ihre Vergangenheit und so wird ihre Zukunft sein.

Mit welchem Satz würden Sie gerne zitiert werden?
Die Kunst des Horrors blüht in den Wunden, die die Moderne uns zufügte.

Was denken Sie, inwiefern das Internet die Literatur beeinflusst?
Überhaupt nicht ... trotz aller Chat-Rooms und Blogs wird die Literatur nicht von dem Medium das sie eventuell Transportiert, beeinflusst. Der Leser war immer ein zurückgezogenes, in sich versunkenes Subjekt, ob er nun Wörter auf dem Papier oder auf dem Bildschirm liest. Das gleiche gilt für den Autor.

Was ist Ihrer Meinung nach der Sinn des Lebens?
Was wird der Tod sagen ... Vielleicht habe ich Glück und er ist eine Frau.

Wie soll man sich später an Sie erinnern?
Egal wie ... solange man sich nur erinnert.

Wer ist Ihre Lieblings Romanfigur?
Unmöglich zu beantworten; ich könnte nun schreiben, "Fabian" aus Kästners Roman, oder "Aurelien" aus Aragons Liebesroman, der Arzt aus Camus Pest oder "Frankie" aus Carson McCullers "The Member of The Wedding" ... aber eigentlich wäre es gelogen. Es ist nie nur eine Figur, sondern immer die Gesamtheit eines Textes. Sobald man einzelne Figuren herauslöst, werden sie fahl wie Asche.

Wenn Sie eine Zeitreise machen könnten, was würden Sie tun?
Die Erbauung "Stonehenges" beobachten.

Was wollten Sie schon immer mal sagen?
Zuviel ... darum schweige ich hier.

Nennen Sie uns Ihr Lieblingsbuch:
Hat man nicht immer die Chance, mehr als ein Buch auf die berühmte Insel mitzunehmen? Ein einziges Buch zu nennen ist unmöglich und wahrscheinlich sollte man auch nicht nur ein Lieblingsbuch haben. Ich nenne mal sechs (neben den schon aufgezählten): "The Professors House (Das Haus des Professors)" von Willa Cather, "Nadja" von André Breton, "Frühe Gedichte" von Philippe Soupault, "The Master of Ballantrae (Der Junker von Ballantrae)" von Robert Louis Stevenson, "Fabian" von Erich Kästner , "Bag of Bones (Sarah)" von Stephen King und viele andere.

Nennen Sie uns Ihren Lieblingsfilm:
Auch hier ist ein Liebling ein Frevel all den anderen gegenüber. Nun denn, erneut sechs: "Odd Man Out (Ausgestoßen; UK 1946)" von Carol Reed, "The Searchers (Der schwarze Falke, USA 1956)" von John Ford, "The Deadly Affair (Anruf für einen Toten, UK 1966)" von Sidney Lumet, "Sleepy Hollow" (USA 1999) von Tim Burton, "La Passion de Jeanne d'Arc
(Die Passion der Jeanne d'Arc, F 1927)" von Carl Theodor Dreyer, "Frankenstein, USA 1931" von James Whale, "Cat People (Katzenmenschen, USA 1943 )" von Jacques Tourneur, und viele, viele mehr.

Nennen Sie uns ein gutes Lebensmotto:
Die Weite des Lebens und die Enge eines Mottos passen nicht zueinander.

Nennen Sie uns Ihr Lieblingszitat:
"Teure Phantasie, was ich vor allem an dir liebe, ist, dass du nicht verzeihen kannst." André Breton