Ein Sachbuch von Rosemarie von Kannen
(Ratgeber)
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Manuskript im Word-Format
Angebotstext
wie kommt ein Mann dazu, ein Manuskript über die Lust des Stillens zu lesen und zu seiner eigenen Verwunderung auch noch Vergnügen bei der Lektüre zu finden?
Der Mann muß ein Literaturagent sein und versuchen, seinen Beifall an den Verlag und damit unter die Mütter zu bringen. Aber allen Ernstes: dieses Buch ist so humorvoll geschrieben und von so lebendiger Menschenkenntnis, daß es auch diejenigen mit Genuß lesen können, die naturgemäß nicht stillen können: die Väter.
Apropos Humor und Stillen: da fällt mir eine schöne Stilblüte ein. Kennen Sie die?
Draußen ertönte ein großes Bellen. Da ging die Mutter hinaus und stillte den Hund.
„Um jeglichen Verdacht gleich im Vorfeld auszuräumen“, schreibt Rosemarie von Kannen im Vorwort, „dieses Manuskript stellt keinen Anspruch daran, als Stillratgeber verstanden zu werden. Stillratgeber, die sich sowohl optisch als auch inhaltlich gesehen an Leibesumfang offenbar gegenseitig zu übertreffen gelüsten, gibt es reichlich. Möglicherweise scheint es gerade dieser eben erwähnte Leibesumfang jener beratenden Sachbücher zu sein, der so manche zunächst recht stillwillige junge Mutter zumeist schon in einem sehr frühen Stadium ihres natürlichen Fütterungsbemühens, zum altbewährten Nuckelfläschchen greifen läßt.
Aus eigener Erfahrung weiß ich sehr wohl, daß man einen Stillratgeber aus einleuchtenden Gründen in jedem Fall während der Schwangerschaftsphase lesen sollte. Noch besser wäre es, derartigen Lesestoff bereits zu konsumieren, wenn sich der Nachwuchs noch in der Planung befindet - denn, wenn das kleine Säugemenschenkind erst das Licht dieser Welt erblickt hat, kann man Lesen und sonstige liebgewordene Hobbys, erst einmal vergessen.
Erfreulicherweise gibt es, wie schon gesagt, eine ganze Reihe sehr guter Bücher zum Thema "Stillen", die kaum eine Frage offen lassen und gewiß nicht zuletzt aus diesem Grund so umfangreich sein müssen. Bis dato habe ich immerhin sieben verschiedene Exemplare gelesen. In jedem dieser Bücher kann man zu diesem Thema theoretisch alles, was man wissen muß oder sollte, erfahren. Allerdings, das habe ich immer wieder festgestellt, zeigt die Praxis, daß selbst schon im zarten Säuglingsalter der Mensch im Bezug auf seine Eßgewohnheiten ein Individualist ist, ebenso, wie seine milchspendende Mutter.
Oft habe ich mir auch die Frage gestellt, warum Bücher zu diesem Thema eigentlich immer so ernst und sachlich sind.
Wie gerne hätte ich auch schon mal ein etwas lustigeres Stillbuch gelesen, und da ich weiß, daß es vielen anderen lesefreudigen Müttern oder Bald-Müttern ebenso geht, habe ich es mir mit großem Vergnügen zur Aufgabe gemacht, diese Marktlücke zu schließen.
Noch etwas ist mir während der Lektüre dieser Ratgeber aufgefallen: Das Stillen wird hier häufig, dies ist wenigstens meine Meinung, ideologisiert. Natürlich ist Muttermilch für das Kind die beste Nahrung. Das wissen wir mittlerweile alle.
Nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen sollen vollgestillte Kinder angeblich um zehn Prozent intelligenter sein als fertigmilchgenährte Babys. Das wissen noch nicht alle, aber diejenigen die es wissen, stellen womöglich Überlegungen dahingehend an, wer denn alles wohl von unseren Staatsoberhäuptern voll gestillt wurde. Zehn Prozent mehr Intelligenz können relativ viel bedeuten.
Während meiner jahrzehntelangen "Praxis" habe ich die Erfahrung gemacht, daß es genug Frauen gibt, die im Grunde genommen gar nicht stillen wollten, sich jedoch von dritten Personen oder durch das eigene Gewissen dazu überreden ließen. Da klappte natürlich hinten und vorne nichts, so daß beide, Mutter und Baby überhaupt nicht glücklich waren. Der Familienfrieden fand sich oft erst dann wieder ein, wenn sich die betroffene Frau schließlich doch für Flaschennahrung entschied. Es bringt absolut nichts, wenn man sich durch einen völlig unangebrachten Stillergeiz derartig unter Druck setzt.
Wenn man sich jedoch dafür entscheidet, aus Lust und einem Herzensbedürfnis heraus zu stillen, dann sollte man einfach wissen, daß es wirklich und nahezu uneingeschränkt möglich ist.“
Die Autorin über sich:
Am 27.4.1955 erblickte ich zu Offenbach am Main das Licht dieser Welt. Damals hieß ich noch Rosemarie Dengler.
Weil ich ein recht begabtes Kind war, schickte man mich zehn Jahre später zum Gymnasium. Mein Bildungswille reduzierte sich jedoch mit dem Eintritt meiner Pupertät erheblich. Hinzu kam der Numerus Clausus, der mir schließlich die letzte Hoffnung raubte, zeitig genug einen Platz für ein Medizinstudium zu ergattern. Ich verließ das Gymnasium nach der Ober-Tertia und ließ mich anschließend zur Anwalts- und Notariatsgehilfin ausbilden. Dieser Beruf machte mich nicht sehr glücklich, da ich ja ursprünglich meine Mitmenschen heilen wollte. Statt dessen verschickte ich nun Mahn- und Vollstreckungsbescheide und brachte ihnen dadurch Magengeschwüre und Herzattacken bei. Also beschloss ich, eine Familie zu gründen. Mit zwanzig Jahren war ich bereits Mutter eines Sohnes. In den darauffolgenden Jahren kamen noch vier Söhne und vier Töchter hinzu.
In meinem eigentlichen Beruf bin ich mangels Gelegenheit nicht mehr zurückgekehrt. Das macht mir auch nichts aus. Meine jetzige Tätigkeit ist nämlich wesentlich abwechslungsreicher. Ich bin nämlich nicht nur Hausfrau und Mutter, sondern auch Auskunftsbüro und Ratgeber für "kinderarme Familien".
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