Ein Roman von Hans Tönjes Redenius
(Unterhaltungsliteratur)
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Angebotstext
Missionar Marcus ist den Prinzipien seiner Religion verpflichtet, der Demut und der Bescheidenheit, der Geringschätzung äußerer Schönheit und der Liebe zum Nächsten. Seine hochherzige Frau Hannah ist ihm auch in seinem Dienst eine wunderbare Gefährtin, die ihn geradezu bedingungslos liebt.
Doch da sind die Menschen, die es zu missionieren gilt, denn Marcus arbeitet in Südafrika zur Zeit der Apartheid. Die Bevölkerung ist schwarz und uralten heidnischen Überlieferungen verpflichtet. Sie hält eine Sünde, etwa den Diebstahl, erst für eine solche, wenn man dabei ertappt wird, hingegen hält sie das Tragen von Jeans für unziemlich, ebenso das Tragen von Sonntagskleidern, die das Knie der Frau unbedeckt lassen. Hannah sehen sie allerdings beides nach, denn sie mögen sie.
Die Weißen sind die absoluten Herren, die Schwarzen minderwertige Rassen, die in so genannten Homelands und Townships zusammengepfercht werden.
Das bedrückt Marcus, den sie den Moruti (Missionar) nennen, und er verzweifelt schier an der Aufgabe, den Schwarzen begreiflich zu machen, wie der christliche Gott, der doch die Liebe selbst ist, so etwas zulassen kann. Er ist nahe daran, mit seinem Gott zu hadern und wünscht sogar, er trüge selbst eine schwarze Haut, um besser zu verstehen, was in den Herzen der afrikanischen Menschen vorgeht und was sie empfinden.
Hannah hingegen erwartet, dass er seiner Berufung treu bleibt, was er ihr auch zusagt.
Tatsächlich aber ist er dabei, eine neue und höchst private Interpretation des christlichen Glaubens zu entwerfen, in der die Liebe jedweder Gestalt zur eigentlichen Inkarnation des Göttlichen wird. Er sieht in dem Schwarzen den Bruder und verlangt für ihn die gleichen Rechte, die er selbst genießt, gemäß dem Bibelwort: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.
Das schwarze Mädchen Kagiso kommt zu Marcus, um sich taufen zu lassen. Sie will eins werden mit ihrem Stamm, dessen Angehörige alle getauft sind. Kagiso erscheint Marcus wunderbar schön und er verliebt sich heftig in sie, obwohl er sich das zunächst nicht eingestehen will. Doch er beschreibt Kagiso in einer Weise, die seine Verliebtheit deutlich widerspiegelt. Er ist fasziniert von ihren Mandelaugen, die den Blick in ihre unergründliche Seele preisgeben. Erst das deutliche Wort einer Jugendfreundin schafft Klarheit. Sie sagt ihm auf den Kopf zu, dass er hoffnungslos verliebt ist, was er schließlich endlich akzeptiert, ohne indessen daraus die Konsequenzen zu ziehen. Trotzdem kommt es bald zu einer geradezu orgiastischen Liebesbeziehung zwischen den beiden. Kagiso will allerdings, dass er frei bleibt, was Marcus nicht versteht, doch dann erfährt er, dass Kagiso aktives Mitglied einer gegen die Apartheid kämpfenden bewaffneten Widerstandsbewegung ist.
Hannah erkennt zwar, dass Marcus sie nicht mehr liebt, macht ihm aber in übermenschlicher Selbstverleugnung keine Vorwürfe und lehnt es ab, ein Urteil zu sprechen. Auch Kagiso verurteilt sie nicht. Nur weiß sie, dass sie so nicht weiterleben kann.
Der Geheimdienst sitzt Kagiso im Nacken und setzt auch Marcus auf die Liste der verdächtigen Staatsfeinde. Marcus wird aus Südafrika ausgewiesen, entzieht sich aber dem Befehl und flieht, um Kagiso zu retten. Er wird schwer verletzt und von Kagisos Familie gesund gepflegt. Schließlich müssen Marcus und Kagiso flüchten. Kurz darauf werden sie vom Militär gestellt. Dabei findet Kagiso den Tod.
Als Marcus nach Deutschland abgeschoben wird, wartet Hannah voller Sehnsucht auf ihn. Aus der Zeitung erfährt er, dass Südafrika inzwischen die Politik der Apartheid aufgehoben hat.
Mit großer Subtilität schildert Hans Tönjes Redenius die ungeheuerliche Widersinnigkeit und Grausamkeit der Apartheid; mit meisterlicher Unaufdringlichkeit zieht er den Leser in den Bannkreis Südafrikas, eines Landes, das im Spannungsbogen zweier Kulturen, der afrikanischen und der europäischen, steht.
Zum Autor:
Jahrgang 1939, in Hamburg geboren, verschrieb sich bereits als Vierzehnjähriger der Seefahrt.
Viereinhalb Jahre durchquerte er die Ozeane, arbeitete im Pipelinebau Kolumbiens und glaubte mit sechzehn in Kuba für eine bessere Welt kämpfen zu müssen. Die Grausamkeiten der kriegerischen Auseinandersetzungen machten ihn aber schnell zum Deserteur und ließen in ihm den Entschluss reifen, Theologe und Missionar zu werden.
Er studierte in Hermannsburg, Hamburg und Göttingen. Wegen eines schweren Autounfalls musste er sich die Ausreise nach Südafrika als Missionar versagen und arbeitete stattdessen als Pfarrer und Lehrer von 1968 bis 1998 im Schaumburgischen und Nordelbien. Danach zog er mit seiner Familie nach Höchstädt/Bayern und versuchte sich unter anderem als Gastwirt. Diese Herausforderung jedoch misslang.
Trotz fortgeschrittenen Alters entschied er sich, seinen Lebenstraum – seine eigentliche Berufung, wie er es nennt – endlich zu verwirklichen und Schriftsteller zu werden. Mit Erfolg, wie der 2003 im Brunnen Verlag erschienene Roman Die Jakobsleiter zeigt.
Seine Familie lebt nach wie vor in Höchstädt/Bayern, während er selbst die meiste Zeit in seiner Klausur in Bingen am Rhein verbringt.
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