Ein Roman von Michael Sperschneider
(Unterhaltungsliteratur)
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Manuskript im Word-Format
Angebotstext
früher hatte Dichter Schriftsteller werden wollen, unbedeutende Fehlschläge verhinderten dies indes zugunsten des Lebens. Seine Bücher hatte er nach und nach verschenkt, seine unveröffentlichten Manuskripte verbrannt und schließlich zog er in ein One–Room–Apartment im letzten Stock eines Hochhauses ein, ein Bett, eine Kochnische, eine Musikanlage. Glücklicherweise ziemlich schallisoliert. Dort konnte man stöhnen und schreien.Womit hatte eigentlich alles angefangen? Diese Frage interessierte ihn allerdings nicht sonderlich. Er war Dichter und kein Schriftsteller, ihn interessierten keine Gründe. Er ließ sich von Gerüchen treiben, von Bildern und Blicken und – von Zufällen.
Überhaupt, das mit dem Zufall verstanden die wenigsten Leute. Sie blätterten in Horoskopen, befragten Wahrsager, doch was wußten sie schon von den Schlangenlinien des Zufalls, die einen jederzeit in den nächsten Schoß treiben konnten?
Doch zurück zu den Bildern. Eins seiner ersten war ein braungebranntes, dunkelhaariges Mädchen, die er liebte, während sein Pariser abglitt und in ihr verschwand. Sie hatte das nicht weiter gestört und es auch so gemocht. Hinterher hatte er lange suchen müssen. Damals war Dichter noch ungeschickt gewesen. Hätte er gewußt, daß aus ihr später eine Lektorin werden würde, wäre ihm das Schreiben erspart geblieben.
Dichter ließ die Dinge geschehen und fuhr gut dabei. Sicher, manchmal mußte auch er aufpassen. Manchmal. Dichter hatte keine Antworten, keine Erklärungen und er war beliebt bei den Frauen. Warum?
Er war mit Prostituierten zusammengewesen, hatte eine Ehe hinter sich gebracht, war streckenweise verzweifelt, nichts Besonderes halt. Bis es bei ihm „Klick!“ gemacht hatte und er mehr Frauen kennenlernte, als Platz in seinem Gedächtnis war.Zunächst war ihm das chaotisch vorgekommen. Die Frauen in ihrer ungeheuren Vielfältigkeit kamen und gingen. Aber was war schon Zeit, wenn alles nur in der Erstarrung übergestülpter Rollenerwartungen endete! Dichter war nackt jeder Rolle. Trotzdem hätte keiner so richtig sagen können, ob er je glücklich war. Dichter selbst am allerwenigsten.
Manche warfen Dichter vor, dass er Sammler sei oder schlimmer noch, ein wahllos schießender Jäger. Doch das stimmte nicht. Dichter ließ die Dinge geschehen, und die Frauen waren mit ihm. Warum?
Nicht nur, daß er ihre Körper mochte, er mochte auch ihre Seelen.
Die Antwort auf Michel Houellebecqs nihilistischen Egosex–Sound kommt aus Wuppertal und läßt die Dinge des Lebens in wunderbar heiterer Schwebe souverän ihre Bahn ziehen.Zum Autor:
Geboren 1961 in Willebadessen. Nach dem Germanistik– und Kunststudium verschiedene Jobs. Schließlich ARD–Journalist und Konzeptionstexter.
Literatur–Performances. Punk–Rezitationen. Ausstellungen.
Veröffentlichungen u.a. „OH JOE – Rockstories“, Amsterdam 1980, Verlag Azid Presse; verschiedene Sachbücher, Bergisch Gladbach 1988, 1989, München 1992, Düsseldorf 1992 und „DAS EINS LIVE BUCH“, Bergisch Gladbach 1996.
Michael Sperschneider lebt heute in Wuppertal.
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