Über die Unmöglichkeit des Schritthaltens mit dem Tempo der Zeit
Ein Roman von Joachim Kutschke
(Literatur)
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Manuskript im Word-Format
Angebotstext
Jonas Winkler, ein Apotheker–Sohn mit diffusen linken Ideen, idealtypisches Bürgersöhnchen seiner Zeit, ist und bleibt ein „Zuspätgekommener“, als er in den 70ern in der Mainmetropole Frankfurt Germanistik und Politologie beginnt, denn die Hoch–Zeit der Linken–Bewegungen ist gerade vorbei. Eher ein ideologisch Heimatloser, wird er im Laufe seines Lebens in verführerische Begegnungen und verwirrende Ereignisse verstrickt, die ihn zwingen, sich im ganz normalen Chaos der vermeintlichen und tatsächlichen Wirklichkeiten zurechtzufinden.
Zum Leidwesen seiner Eltern verzichtet er auf eine bürgerliche Karriere, hält sich mit diversen Jobs über Wasser und kümmert sich um seinen inzwischen fast erwachsenen Sohn aus einer gescheiterten Studentenliebe mit der Psychologie–Studentin Oda. Auf der Suche nach dem richtigen Leben im falschen und seinem ganz persönlichen Glück, balanciert er durch die Höhen und Tiefen seiner Existenz, immer wieder durch neue Liebschaften erschüttert.
Man möchte meinen, dass Jonas Winkler, später zur Ruhe kommt, aber weder die Zeitläufte noch seine persönliche Konstellation, vermögen dies zu beflügeln.
Selbstkritisch subjektiv stellt er sich seiner vorläufigen Lebensbilanz. In seiner irritierenden Gewinn– und Verlustrechnung zwischen Lebenshunger und Melancholie spiegeln sich die ungelösten Widersprüche einer ganzen Generation zwischen engagiertem Entwurf der frühen Jahre und dem ermüdenden Kampf im rasenden Stillstand globalisierter Zeiten.
Mit der Kraft der Erinnerung versucht Jonas Winkler, den Turbulenzen der Gegenwart einen Sinn zu geben, aber es gelingt ihm nicht.
Joachim Kutschke ist bei dem Versuch, der Ohnmacht seines mit viel Sympathie begleiteten Protagonisten in episodenhaften Schilderungen Herr zu werden, ein anrührendes Stationendrama der Vergeblichkeit gelungen.
Jonas Winklers Stationen der unbewältigten Gegenwart im Überblick:
Es kommt zu einem schmerzlich–sprachlosen Treffen mit seinem Sohn, der plötzlich Geheimnisse hütet, eigene Wege geht und den liberalen Vater ratlos allein im Regen stehen lässt.Ein zufälliger und missglückter One–Night–Stand mit einer alten Bekannten aus stürmischer Jugendzeit wird zum Horrortrip in die Vergangenheit und lässt ihn die Flucht ergreifen.Die Abiturfeier seines Sohnes ist Auslöser schrecklicher Reminiszenzen an wilde Schulzeiten als Jung–Referendar, der durch glückliche Fügung einer zermürbenden Karriere im Schuldienst entrinnt.Ein Wiedersehen in Hamburg mit einem verschollenen Schulfreund, eine Szene–Nacht, die in alkoholseliger Nostalgie ertrinkt, endet in ernüchternder Missstimmung.Eine spontane Flucht nach Teneriffa, um der deutschen Sentimentalität zur Weihnachtszeit zu entfliehen, führt zu kuriosen Begegnungen mit anderen schrulligen Gästen im Hotel.
Ein Überfall fördert die frische Liebe zu Yvonne, einer jungen Frau, die fast seine Tochter sein könnte, deren Pop–Stars nicht Jim Morrison und Pink Floyd, sondern ABBA und Robert Redford waren, die nichts über Che Guevara weiß und Herbert Marcuse nicht gelesen hat, aber gern in Vogue und Marie Claire blättert.
Die Erfahrung mit dem qualvollen Sterben seines Vaters und die Konfrontation mit der Unaufhaltsamkeit des eigenen Älterwerdens führen zur Neuentdeckung der eigenen Familie und seiner vergessenen Jugend.
Die persönliche Bilanz an seinem fünfzigsten Geburtstag wird zur kritischen Zustandsbeschreibung unserer aktuellen Gegenwart, einer Welt, die ihm zunehmend fremder geworden ist. Und sie macht deutlich, dass der alte Generationskonflikt zwischen einer rebellischen Jugend und ihren autoritären Eltern längst von einem neuen, ungewollten und ungeahnten Generationskonflikt abgelöst wurde, dem die Antiautoritären recht ratlos gegenüber stehen.
So werden in dem nur scheinbar Privaten und Allzuprivaten dieses Lebenswegs, in den glücklichen Momenten und den unerfüllten Hoffnungen, in den Höhen und Tiefen dieser Biographie über einen Zeitraum von mehr als dreißig Jahren hinweg die positiven und negativen Veränderungen bundesdeutscher Gesellschaft widergespiegelt. Eine kritische Positionsbeschreibung, in der wir uns auf die eine oder andere Weise wieder finden – in unserem Sisyphos–Kampf wider die wechselnden Windrichtungen des Zeitgeistes.
Zum Autor:
1944 in Darmstadt geboren; Jugend und Schulzeit in Frankfurt a.M.; mit 16 Jahren Erkrankung an Kinderlähmung; Studium der Germanistik, Politik und Philosophie in Marburg/Lahn; freier Mitarbeiter bei Funk und Presse – gelegentlicher SPIEGEL–Autor; längere Aufenthalte in Italien, Ägypten, Marokko und den USA
Veröffentlichungen:
Revoluzzer oder Georg Büchner, ein zornig Herz, Stück;
Happy Birthday, Stück, beide in Verlag Autorenagentur Frankfurt a.M.;
Hör endlich auf zu träumen!, Roman, Basis Verlag Berlin;
Die Konsumkinder, Sachbuch, Lübbe Verlag Bergisch–Gladbach;
Sketche, Kurzhörspiele für SUNDAY EXPRESS, Twen–Sendung des HR;
außerdem: Kurzgeschichten, Satiren, Features, Essays und Polemiken.
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