Ein Roman von Rolf Stolz
(Literatur)
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Angebotstext
der Roman ist aus vielen Gesprächen mit einer heute fünfundsechzigjährigen Frau entstanden, die Ende der achtziger Jahre zusammen mit ihrer Schwester wegen Mordes an deren Mann, einem privatisierenden Ex–Großmetzger mit diversen undurchsichtigen Nebengeschäften, zu lebenslänglicher Haft verurteilt wurde. Rolf Stolz hat mit ihr nicht nur über die Haftsituation und die Vorgeschichte gesprochen, sondern vor allem über die Hintergründe des Mordes sowie die Folgen dieser Tat, zu denen auch der Verlust jedes Kontakts zu ihren beiden (im übrigen „vaterlosen“) Töchtern gehörte.
Nach fünfzehn Jahren Haft wurde sie entlassen.
Diese faszinierend widersprüchliche Frau kann sehr medienwirksam über sich und ihren „Fall“ (als Kasus und als Absturz verstanden) sprechen, was das Öffentlichkeitsinteresse an dem Roman sicher beflügeln wird.
Eva Ebner sagt von sich, dass sie unschuldig ist. Sie verdächtigt ihren Bruder Manfred, den Mord allein oder zusammen mit der Schwester begangen zu haben. Er ist ein exzellenter Schütze und hätte durchaus ein Motiv. Andererseits war Eva Ebner vor einigen Jahren nachts im elterlichen Haus mit einem Hammer in der Hand in Manfreds Schlafzimmer eingedrungen.
In einem Gerichtsverfahren, das für Eva Ebner mit einer Bewährungsstrafe endet, behauptet sie, sie habe ihn nur erschrecken und durch seine Angst bestrafen wollen. Im nachhinein, nach dem Tod ihres Schwagers, wird ihr diese Aktion als Mordversuch angelastet.
Was immer genau geschehen ist, es ist untrennbar verbunden mit der Geschichte einer Familie, in der jeder allein ist und jeder gegen jeden kämpft. Eva Ebners Vater ist im Zweiten Weltkrieg im unterirdischen KZ „Dora Mittelbau“ als Sprengstoffexperte beim Bau der „Wunderwaffe“ V 2 eingesetzt. Eva, die von ihrer Mutter immer wieder misshandelt wird, glaubt, dass sie in Wirklichkeit die Tochter der verstorbenen Lieblingsschwester ihres Vaters ist und es ihrem Vater aufgrund seiner guten Beziehungen zu den Nazis gelungen ist, den Inzest zu vertuschen. Selbst auf dem Sterbebett erfährt sie von ihm nur mehrdeutige Andeutungen über ihre Herkunft.
Ob Eva Ebner wirklich unschuldig ist, bleibt ebenso offen wie die Frage, was an ihrer Lebensgeschichte Tatsache und was Erfindung ist.
Der Roman schlägt einen weiten Bogen von der Vätergeneration bis zu den Frauen der „RAF“, denen die Gefangene in der Haft begegnet. Das Hineinverwickelt–Sein in den Mord, die Spannung zwischen ihrer proletarisch–plebejischen Herkunft und ihrem nur an der Oberfläche gelungenen gesellschaftlichen Aufstieg zur Direktorin und Personalchefin, die Konfrontation unvereinbarer sozialer Milieus, Rückblenden in die vierziger und fünfziger Jahre (also in die Vor–Geschichte der Vorgeschichte) sind wesentliche Strukturelemente dieses Romans, der weder ein Kriminalroman noch eine bekenntnishafte Lebensbeschreibung ist, sondern ein Versuch, die Welt mit ihren zahllosen Überraschungen, Unerwartetheiten und Unmöglichkeiten zur Sprache zu bringen.
Rolf Stolz, der bereits eine eindrucksvolle Resonanz aufzuweisen hat und auf den unter anderen auch Martin Walser aufmerksam geworden ist, ist mit Schwester Schwester Bruder ein verwirrendes Psychogramm einer verwirrten Seele in einer verirrten Gesellschaft gelungen – ein faszinierender Roman!
Zum Autor:
Geboren 1949 in Mülheim an der Ruhr, Studium in Köln und Tübingen, Diplom–Psychologe.
Veröffentlichungen:
Ein Roman, drei Kurzprosabände (darunter Der unverminderte Schrecken, Frankfurt a. M. 1991), fünf Lyrikbände. Erzählende Prosa, Gedichte und Essays erschienen in Sammelbänden, Zeitschriften und Zeitungen – z. B. in neue deutsche literatur, Jederart, Sterz (Graz), Die Welt.
2001: Städte und Flüsse. Gedichte 1962–2000 (Kidemus Verlag Köln, Reihe KidemusLiteratur), Der Gast des Gouverneurs in der Wand des Kraters. Roman (Alkyon Verlag Weissach i. T.), das Hörbuch Die Geschichte der drei spanischen Kavaliere (Kidemus Verlag, Buchausgabe mit 21 farbigen Illustrationen von Cornelia Windhab; rumänische Übersetzung Editura Limes, Klausenburg/Cluj 2001 unter dem Titel Legenda celor trei cavaleri spanioli).
2002 erschien der Prosaband Der Abschiednehmer (Freiburger Echo Verlag); 2004 erschien: VEN = Venedig, eine CD mit Photographien und Texten zu Venedig im Kölner Kidemus–Verlag.
2008 erschien die Erzählung Das Haus auf der anderen Seite (mit Illustrationen von Marina Volkova, Edition Bärenklau).
Preise:
1994 Anerkennungspreis für epische Kurzform der Stadt Wolfen, verschiedene literarische Stipendien. Mit den literarischen Arbeiten korrespondieren photographische Arbeiten
Ausstellungen:
2001 in der Zentralbücherei Mülheim a. d. Ruhr. Übersicht über das photographische Werk 1988–2000 unter dem Titel Untergründe; April 2002 Schiller–Haus Bukarest: Venedig – andere Ansichten einer alten Stadt, ebenso im Juni 2002 im Westfälischen Literaturbüro Unna). Austellungen: 2005 Schiller-Haus Bukarest Siebenmal Europa
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