Ein Roman von Eberhard Knippel
(Literatur)
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Angebotstext
Italien im Jahre 1866. In der Gegend von Florenz geschieht ein grausamer Mord, der die Bevölkerung in Angst und Schrecken versetzt. Die Untersuchungen führt Alessandro Cattelani, ein strebsamer, überaus eitler Polizist, dem der Ruf eines unerbittlichen Ermittlers vorauseilt. Bei seinen Vernehmungen trifft er auf die junge Gastwirtstochter Giulietta Frontali, die das Opfer kannte und von deren weiblichen Reizen er geblendet ist. Doch sie verschweigt ihm die Begegnung mit jenem seltsamen Unbekannten am Tag des Mordes, dessen dämonischen Blick sie nicht vergessen kann. Und so bleibt der Fall zunächst unaufgeklärt.
Rückblick: Die Toskana im Jahre 1845. Auf dem Gut des Conte Marcello Rossi liegt die Contessa Luciana in den Wehen. Erst in letzter Minute gelingt es der Hebamme, Cesare zu holen, ein verunstaltetes kleines Monster, doch sie fühlt eine seltsame Kraft von ihm ausgehen und weiß: Er wird überleben. Cesare wächst in mütterlicher Liebe und Geborgenheit heran. Doch schon bald holen ihn die dunklen Seiten des Lebens ein. 1854: Die große Cholerawelle erreicht die Toskana. Elvira, Cesares Schwester, erkrankt an der heimtückischen Seuche, und Cesare beschließt, ihr auf seine Art zu helfen. In der nahen Stadt erhält er von einem Bettler eine Medizin gegen die Krankheit. Auf dem Rückweg gerät er aber in die Fänge einer aufgebrachten Menge, die das Pulver bei ihm findet und ihn der Giftmischerei verdächtigt. Erst in letzter Sekunde kann er dem Mob entfliehen, doch in seiner Seele bleiben Narben zurück.
Von diesem Zeitpunkt an scheint ein Fluch über seinem Leben zu liegen. Zunehmend spürt er, wie er wegen seiner Verunstaltung von den Menschen gemieden und verspottet wird. Verbittert zieht er sich in die Welt der toten und berechenbaren Dinge zurück und macht geniale Erfindungen, die ihrer Zeit weit voraus sind. Doch tief in seiner verletzten Seele wirken die Kränkungen und Demütigungen, die er durch die Menschen erfährt, wie ein brodelnder Vulkan.
Auf einem der berühmten indischen Gastmahle, die sein Vater regelmäßig ausrichtet, lernt Cesare die magische Kraft der exotischen Gewürze kennen. Nachdem er bei einem Weisen im indischen Benares die geheimnisvolle Magie der Gewürze studiert hat, reift in ihm ein ebenso genialer wie teuflischer Plan: Er wird die Gewürze nutzen, um die Gefühlswelt der Menschen zu manipulieren und sich auf diese Weise an ihnen zu rächen. Er plant, ihre sexuelle Gier, ihre Lust aufeinander anzustacheln und ins Unermessliche zu steigern, sodass sie die Kontrolle über sich verlieren.
Er experimentiert zunächst mit Ratten, um die Wirkung zu erproben. Als Gehilfin holt er sich Giulietta Frontali, die auf dem väterlichen Gut arbeitet und in ihm sofort den unheimlichen Fremden wiedererkennt. Zum ersten Mal in ihrem Leben taucht sie in die faszinierende Welt des Wissens ein, die Cesare vor ihr ausbreitet, und mit der Zeit verliert sie ihre anfängliche Abneigung gegen den verunstalteten Conte. Als die Experimente gelingen und die Ratten unter dem Einfluss der Gewürzmischung wie von unsichtbarer Hand gesteuert übereinander herfallen, ist sie entsetzt, spürt aber auch, dass sie nun untrennbar mit ihrem Lehrmeister verbunden ist.
Bei einem weiteren Gastmahl seines Vaters verwirklicht Cesare seinen Plan. Nach dem Genuss der Gewürzmischung verlieren die Gäste endgültig die Kontrolle über ihr Liebesleben, es herrscht allein der dunkle Trieb. Cesare beobachtet zutiefst befriedigt das Geschehen, doch er weiß auch, dass er mit Giulietta fliehen muss.
Gehetzt ziehen sie durchs Land. Cesare, getrieben von seinem Wahn, die Menschen zu beherrschen und sich an ihnen zu rächen, verdingt sich bei einer Hochzeitsgesellschaft inkognito als Koch. Die Leute sind arglos, und so kann er auch hier seinen verwegenen Plan umsetzen. Erneut tritt die bekannte Wirkung ein, doch diesmal gerät der entfesselte Geist völlig außer Kontrolle: Im Blutrausch bringen sich die Gäste gegenseitig um.
Entsetzt flieht Cesare vom Ort des Schreckens. Giulietta hat auf ihn gewartet. Unter dem Eindruck der schrecklichen Ereignisse erkennen sie ihr Gefühl füreinander. Doch diese erste und letzte Liebesnacht wird jäh unterbrochen: Häscher entdecken das flüchtige Paar.
Polizeileutnant Cattelani ist stolz auf sich, seine Geduld hat sich gelohnt. Schon schwelgt er in süßer Vorfreude auf die Liaison mit Giulietta, doch sie gesteht ihm ihre Liebe zu Cesare. Darauf fasst Cattelani einen verhängnisvollen Entschluss. Giulietta erhält die Erlaubnis, Cesare in seiner Zelle zu besuchen. Zum ersten Mal spürt dieser nicht nur Sehnsucht nach Giulietta, sondern ein Gefühl, das ihm bisher fremd war: Liebe.
Doch es ist zu spät: Eine aufgebrachte Menge stürmt die Zelle. Äxte und Forken dringen in die geschundenen Leiber, bis jedes Leben erloschen ist. Als Cattelani von dem Lynchmord erfährt, weiß er: Er hat hoch gepokert – und verloren.
Eine tragische, zum Scheitern verurteilte Liebesgeschichte eines kriminellen Genies voller dunkler Leidenschaft und dennoch verstörender Reinheit.
Zum Autor:
Geboren 1947 in Berlin. Nach dem Studium der Chemie (1967 – 1972) und Promotion (1978) auf dem Gebiet der Strukturchemie Studium der Medizin (1978). 1989 Habilitation im Fach Zellbiologie. 1992 – 1996 Dozentur für Chemie der Biomaterialien. 1996 Professur. Seit 2000 freier Autor mit Schwerpunkt Belletristik.
Eberhard Knippel ist verheiratet, hat eine Tochter und lebt heute in Langenfeld bei Düsseldorf.
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