Ein Roman von Claudia Glanzmann
(Literatur)
Anschläge inklusive Leerzeichen: 378.568
Manuskript im Word-Format
Angebotstext
zufällig gerät jemand in den Besitz eines fremden Briefes. Für Minuten nur, an einer Bushaltestelle im regnerischen Sommerwetter. Eine der Endsilben, die sich durch den verschmutzten Umschlag abzeichnen, könnte ein Wort ergeben, nach dem der Verdacht auf ein Kapitalverbrechen gerechtfertigt wäre. Für Margit, die den Brief gefunden und ihn in der Eile, den Bus zu erwischen, wieder aus den Händen gegeben hat, und für Thomas, ihren Arbeitskollegen, beginnen Tage zwischen Fiktion und Routine.Margit ärgert sich, den Brief nicht mehr zu besitzen, andererseits empfindet sie eine gewisse Genugtuung, überhaupt etwas Derartiges gefunden zu haben. Am nächsten Morgen weiht sie Thomas. Sie überlegen, wie sie dem (vermeintlichen) Verbrechen auf die Spur kommen könnten. Der täglichen Routine und des schlechten Wetters leid, stoßen sie begierig in die Bereiche der Phantasie vor.Sie treibt Margit, allein zu Hause, weit durch die Stadt. Angeheitert durch ein paar Drinks nach Arbeitsschluss, wird sie sich der Anonymität der Stadt bewusst und ihrer eigenen Unbedarftheit. Sie denkt sich Gewalttaten aus, vor denen sie sich in Tat und Wahrheit schleunigst abwenden würde. Abseitiges, Verstiegenes, rauschhafte Triebe. Und doch ist da das eine Wort, die Endsilbe …ette, die für nichts Geringeres als menschliche Gebeine, für Skelette stehen könnte …
Im unruhigen Schlaf wird Margit in einem verworrenen Traum wiederholt angeschrieen: Sie! Sie!, was tun Sie da! – Wohl ist ihr nicht bei dem Unterfangen, sich auf die Spuren eines Verbrechens zu machen, aber die Neugier ist drängend.Am nächsten Abend fahren sie los. Den Wohnort der Briefschreiberin haben sie, ein Teil des Absenders ist auf dem wetterfeuchten Brief erhalten geblieben. Die Fahrt führt sie in eine wohl situierte Wohngegend. Und noch etwas ist von dem Brief erhalten geblieben … altes Sommerhaus, und sie finden es. Abweisend, ein in seiner Größe harrendes Haus. Die Mauern sind stellenweise von dicht rankendem Gewächs überwachsen. – Ein vergessenes Haus, voller ausgedienter Räume, dem Zerfall preisgegeben
Sie steigen in das Haus ein. Wo, wenn nicht hier, sind noch Spuren des Verbrechens zu finden? Das säuerlich riechende, verkommene Innere des Hauses verbindet sich mit Margits verworrenem Traum. In der Anspannung, auf menschliche Gebeine zu stoßen, ist es, als gäbe das Haus ihnen plötzlich seine Vergangenheit preis. Wiederholt kracht es in dem feuchten Gebälk. Holzdielen knarren. Vermehrt drängt sich der Gedanke auf: Wer hier wohl gewohnt hat?Dabei sind die großen Räume ausgeräumt, keine Spur, dass kürzlich etwas entfernt worden wäre. Denn gemäß ein paar weiterer regenverschmierter Worter auf dem Briefumschlag sind die …ette … endlich beiseite geschafft worden.Im großgewölbigen Keller finden sie Weinfässer, Berge alter Möbel und zahllose Gerätschaften. Als sie nach Hinweisen suchen, um vielleicht mehr über die Briefschreiberin zu erfahren, und schließlich Alben mit Ansichtskarten finden, werden sie durch einen Luftzug aufmerksam, dass die Gewölbe weiterführen. Kleine Kammern, in einer ist eine Grube ausgehoben.Kurz darauf sind sie Gefangene, obschon nach einigen Erkundungen die Aussicht besteht, bei Tageslicht freizukommen, gänzlich in der Patsche sitzen sie nicht. – Sie sind durch die nachgebende Grube in ein zweites Kellergeschoss gestürzt, und in der Finsternis scheint das Haus wieder an Leben zu gewinnen. Margit und Thomas harren unruhig in der Dunkelheit aus, als ginge das Haus in eine andere Welt über, Wispern, Echolaute, dann erneut das Heulen des Windes …Das Schicksal hat ein Einsehen mit ihnen, sie sind frei. Dank der Briefschreiberin, eine merkwürdige kleine Alte, gelangen sie wieder ans Tageslicht. Über die Briefschreiberin haben sie sich während der gesamten Geschichte Gedanken gemacht, auch jetzt gibt sie ihnen Rätsel auf: Ist sie so unbedarft, wie es den Anschein macht? Oder ist diese sonderbare hutzlige Person vielmehr eine raffinierte Schauspielerin? Hat sie vor, die unerwarteten Gäste aus der Welt zu schaffen, weil sie um den Brief wissen? Oder werden Thomas und Margit massiv handgreiflich, um sich ihrer zu erwehren?
Wozu ist Literatur da, wenn nicht, um aus dem Schuhkarton der Wirklichkeit auszusteigen? Wozu in den ausgedienten Räumen noch länger warten? Die Schweizer Autorin Claudia Glanzmann legt mit diesem Roman ein Ticket für eine Bewusstseinsreise der besonderen Art vor. Kleiner Hinweis: Rückticket empfohlen.
Zur Autorin:Geb. 5 Juli 1963 in Zürich. Nach dem Abitur verschiedene journalistische Tätigkeiten. Claudia Glanzmann arbeitet zur Zeit an einem Krimi. Sie lebt in Egg bei Zürich.
| Zum Autorenprofil |
