Ein Roman von Reinhard Rakow

(Literatur)

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Angebotstext

„Atempause”, ein bivalenter Begriff: „ein kurze Phase der Ruhe, Erholung” laut Duden und im hudeligen Alltagsgebrauch, „eine Pause des Atmens”, wenn man ihn ernst nimmt. Was geschieht, wenn diese Pause sich verstetigt, nicht enden will?

Reinhard Rakows „Atempause” ist ein weitmaschiger, formal fließender, gattungsüberschreitender Text, in dem die Protagonisten und die Ebenen ihrer Betrachtung beständig wechseln: Ein Mann, der sich auf seiner Suche einer neuen Identität als Schriftsteller in einer Schreibblockade gefangen findet, eine Frau, die die Reliquien ihres verpfuschten Lebens einem Schrank anvertraut, ein Arbeiter, der durch einen Unfall in eine hoffnungslose Lage gerät, ein Staatsanwalt, der straffällig wird, ein Lehrer in Versuchung, ein Krebskranker – scheinbar unterschiedliche Charaktere in scheinbar unterschiedlichen Situationen, oder doch das immer selbe lyrische Subjekt?

Wir leben unser Leben in Belanglosigkeiten, sagt das lyrische Subjekt an einer Stelle. Die Routine schleift uns und der tägliche Trott, und kaum daß wir bemerkt haben, wie der kleine Vogel Ewigkeit seinen Schnabel an uns wetzt, sind wir gewesen. Während wir unserem Glück hinterherjagen, oder dem, was wir dafür halten, wie ein irrer Hund seinem Schwanz, und doch zu selten auch nur einen Zipfel erwischen, sind wir wie getrieben von einem Räderwerk. Nur wenn ein Sandkorn in die Mechanik gerät, wenn die Zeit still steht und wir den Atem anhalten, anhalten müssen, stellen wir uns unseren Träumen, spielen wir mit unseren Erinnerungen und Visionen, und lassen wir zu, daß sie spielen mit uns. Und so schauen wir den Grund und uns selbst und bisweilen über beide hinaus.

Reinhard Rakows Blick offenbart immer wieder überraschende Perspektiven. Indem er Fäden kunstvoll verwirrt, absichtlich vom Wege abkommt, bewußt falsche Fährten legt, erlaubt er dem Leser, zu keiner Erkenntnis zu gelangen als zu der, daß weder das Ziel der Weg ist noch der Weg das Ziel.

Diese Prosa geht aufs Ganze, sie will nur eines: die Freiheit, zum Grund der Dinge zu gelangen, eine Atempause im rasenden Stillstand der Zeit.

Zum Autor:
Jahrgang 1952, geboren in Gelnhausen, lebt und arbeitet in Edewecht als Jurist, Maler und Autor.
Veröffentlichungen:
1998 Malerei. Bilder und Texte (Isensee, Oldenburg). 2001 Grün (Auszug aus dem Langgedicht Vier Farben, ndl, Aufbau-Verlag, Berlin, 2001), Erster Mai 1951 ( ndl, 2002)

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