Ein Roman von Jens Köster

(junge Literatur)

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Manuskript im Word-Format

Angebotstext

einer niederträchtigen Geschichtstheorie zufolge ist die deutsche Einheit keinesfalls das Resultat demonstrierender Ossis, sondern ein Westprodukt, dabei ist eindeutig der Ich–Erzähler Lancelot Petersen der Wegbereiter der Einheit. Zumindest der Wegbereiter dieser Geschichte. Dies an die Adresse jener Altrenitenten–Partei, die zu behaupten belieben, dass nicht Lancelot Petersen, sondern Thomas Brussigs Klaus Uhlzscht der Wegbereiter der jüngsten Deutschen Geschichte gewesen sei, da er ja bekanntlich die Mauer mit seinem Gemächt geöffnet habe. Richtig! Aber Uhlzscht hätte ohne Petersen ziemlich alt ausgesehen.

Wir Kinder der Zuckerrübe ist nicht etwa irgendwie so etwas wie eine Antwort auf Helden wie wir, es ist in dem Sinne die Antwort, als dass sich die Geschichte direkt auf Brussig bezieht.
Am Ende des Romans treffen Klaus und Lancelot dann auch tatsächlich aufeinander.

Die Handlung setzt am ersten Januar 1968, dem Geburtstag von Lancelot, ein. Zwar wird er auf dem Bauernhof groß, aber erstens ist das Dorf an drei Seiten von der Zonengrenze eingerahmt und zweitens ist seine Mutter eine auf ländliche Verhältnisse zurechtgestutzte 68erin. Sie ist es auch, die fortan, in allem was Lancelot tut, politische Symbole sieht, bis er es selbst glaubt. Er lernt, sehr früh und aus Protest, wie sich von selbst versteht, am Tag des Dutschke–Attentats zu kriechen, er fällt vor dem Familienfernseher zeitgleich mit Willy Brandt in Warschau auf die Knie, statt eines Ostermarsches robbt er durch die Rüben, und er schießt ein Eigentor in einem Fußballspiel gegen das Nachbardorf auf der anderen Seite des Zauns, was schließlich zu Willy Brandts Rücktritt führt.

Lancelot kommt in die Schule, verliebt sich in Mandy und träumt mangels Realität von einer Erwiderung der Liebe. Beim heimlichen Anzünden von Kuhpüpsen sprengt er aus Versehen und zu Ehren Mandys eine der Kühe in die Luft. Er und seine Bande, in der auch Mandy ist, erleben Abenteuer, kämpfen gegen Städter, spielen an der Grenze Ossiangeln oder Befreiungsflaschenpost.
Dann sterben Lancelots Eltern bei einem Autounfall, und er glaubt, sie mit einer politischern Metapher wieder lebendig machen zu können – Liebe, Wahn und der Glaube, ein politisches Symbol zu sein werden größer.

Es folgen weitere Abenteuer: Er spielt RAF, was mancher sehr ernst nimmt, er geht oft ins Kino, kann aber wegen des Busfahrplans nie die Enden sehen, was seine Phantasie beflügelt. Er denkt sich gemeinsam mit seinem Freund Fascho–Tom ein Spiel aus, bei dem z. B. Die Meuterei auf der Bounty zur Molkerei auf dem Bounty mutiert.
Schließlich folgt der Höhepunkt: Mandy schläft mit Lancelot. Allerdings verschwindet sie gleich darauf mit ihrem Vater in der DDR, vermeintlich aus Protest gegen die Wahl Helmut Kohls, tatsächlich aber wegen schnöder Schulden.
Verzweifelt sucht Lancelot im Studium der politischen Wissenschaften in Bonn nach politischen Symbolen, um den Tod der Eltern und den Weggang Mandys rückgängig zu machen. Dabei trifft er während des Honecker–Besuches 1987 einen ehemaligen Verehrer der Mutter, der inzwischen Body–Guard des DDR–Chefs ist.

Die Dinge werden komplizierter, ein Freund aus der alten Bande stirbt, Lancelot dreht durch und wird von seinem Therapeuten auf die Idee gebracht, in die DDR zu gehen, um seine persönlichen und familiären Angelegenheiten zu klären. Nach einem gescheiterten Einreiseversuch vermittels Trecker, kriecht Lancelot unter der logistischen Mithilfe eines Freundes unter der Grenze hindurch und erlebt die letzten sieben Tagen der DDR, eine umgekehrte Schöpfungsgeschichte, das Verschwinden der DDR im Uterus der Geschichte.

Er trifft und liebt Mandy, wird von ihr in den Novemberwirren als Kellner ins Staatsratsgebäude geschleust und lernt Egon Krenz kennen, der alles falsch versteht. Dann trifft er den ehemaligen Verehrer seiner Mutter und Honecker–Bodyguard Wilhelm wieder. Rein rechnerisch könnte der sein Vater sein oder etwas mit dem Unfall seiner Eltern zu tun haben oder beides.

In einem Katz– und Mausspiel kommt es zur Maueröffnung und einer anschließenden Klärung aller offenen Fragen …

Jens Köster ist ein Lese–Fänger erster Sorte im weiten Feld der Jungpoeten. Hier trennt sich die Spreu vom Roggen. Einer der so herzerfrischend zu erzählen weiß, darf sich nicht wundern, wenn er vom Erfolg geerntet wird.

Zum Autor:1970 in Bielefeld geboren. Nach Politikstudium 1998 Volontariat als Radio–Journalist beim Nachrichtenradio berlin aktuell. Ab 2000 fester Job als Reporter. Seitdem Lehrer für kreatives Schreiben, Radiosprache und freie Rede am logo–Sprachinstitut in Berlin. Ab November 2000 leitender Redakteur der Morgensendung und Parlamentsreporter des F.A.Z.–Businessradios, das zum 31.12.2002 vom Frankfurter Mutterblatt abgewickelt wurde.
Seit Anfang 2003 erste Versuche als Freier Journalist im Rahmen des polyeides–medienkontors – u.a. Arbeit an den Themen: Die politische Sozialisation der Trillerpfeife und Bankräuber in der DDR. Außerdem zwei Mal im Monat Moderation der diplomatic lounge für das Berliner Jazzradio, bei der zwei Stunden lang und begleitet von Musik ein Botschafter interviewt wird.

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