Legendäre Erzählungen über berühmte Schutzpatrone und andere Heilige
Ein Roman von Barbara King

(Erzählungen)

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Manuskript im Word-Format

Angebotstext

… Innere Sicherheit ist für die Italiener eigentlich kein Problem – denn wie ein rund um die Uhr einsatzbereites Erste–Hilfe–Team stehen für alle Eventualitäten Heilige zur Verfügung: San Biagio schützt zum Beispiel vor Halskrankheiten, Sant' Alessandro bei Gewitter, Santa Rosalia vor der Pest, Santa Agata vor Entzündungen, vor Erdbeben und allen Unglücksfällen dieser Welt. Santa Agata allerdings hält ihre Hand allen voran über die Weber und Goldschmiede; denn neben nationalen Santi, gleichsam dem FBI unter den Heiligen, besitzt jede Berufsgruppe (vom Klempner bis zum Gefängnisbediensteten) ihren eigenen Schutzherrn oder ihre eigene Schutzdame.

Und da kommt es bisweilen zu höchst seltsamen Kombinationen. Der heilige Francesco di Paolo etwa ist der Patron der Einsiedler und Seeleute und zugleich der passende Ansprechpartner im Falle ehelicher Unfruchtbarkeit. Auch über die Zuverlässigkeit so mancher Heiligen läßt sich streiten: Santa Susanna von Rom sollte eigentlich vor Unglück, Verleumdungen und Regen schützen. Doch ob sie ihren Auftrag so richtig gut erledigt? Immerhin hat es seit dem Jahre 304, als Susanna den Märtyrertod starb, weil sie den Sohn Diokletians um keinen Preis ehelichen wollte, schon ein–, zweimal geregnet in Rom. Sollte übrigens der Regen in der Stadt einmal ausbleiben, obwohl er ausdrücklich erwünscht ist, wendet man sich an Sante Scholastica. Weitet sich der Guß dann allerdings zu einem veritablen Gewitterregen mit Sturm aus, muß wiederum Sant'Alessandro Abhilfe schaffen.

Wie werden diese Sicherheitssysteme aktiviert? Normalerweise reicht es aus, ein Stoßgebet gen Himmel zu schicken oder den Namen des zuständigen Heiligen erzürnt herauszuschreien. Mitunter bedarf es aber auch etwas mehr: Um beispielsweise Santa Agata gnädig zu stimmen, verstreuen die Sizilianer Krumen geweihten Agathenbrotes in die Winkel des Hauses.

Um Mitglied der Schutzgruppe zu werden, benötigen die Heiligen übrigens keinen italienischen Paß. Ignatius di Loyola etwa, Schutzpatron gegen Gewissensbisse, Viehkrankheiten und die Pest, stammt aus Spanien und wird in der Gesu–Kirche in Rom verehrt. Sogar von Pius IX. päpstlich verordnet ist der richtige Umgang mit dem Ignatius–Wasser: Es wird gesegnet, indem man ein Gebet zu Ignatius spricht oder eine Medaille des Heiligen eintaucht.

Außer den nationalen Heiligen und denen einzelner Berufsgruppen besitzt in Italien jedes noch so kleine Dorf seinen privaten Patron.

Daß es bei der Wahl nicht immer reibungslos zugeht und daß es auch nicht auf die Vollständigkeit des Angebeteten ankommt, zeigt das Beispiel des Schutzheiligen Mamiliano: Um das Jahr 500 lebte ein gewisser Bischof Mamiliano in der Inseleinsamkeit von Montecristo und hatte dabei so manchen Kampf mit allerlei Ungeheuern zu überstehen. Als sich sein Leben dem Ende zuneigte, entzündete Mamiliano ein Feuer auf dem Gipfel von Montecristo, um so von seinem Tod zu künden.
Dumm nur, daß dieses Feuer sowohl von Seeleuten der Insel Giglio im Osten, als auch von Bewohnern der Insel Elba im Norden gesehen wurde. Sie starteten sogleich in einer regelrechten Wettfahrt Richtung Montecristo, um sich des Körpers des heiligen Mannes zu bemächtigen. Beide Teams kamen gleichzeitig in Montecristo an, kämpften erbittert um den Leichnam – und rissen ihn dabei in Stücke. Ein Teil des heiligen Mamiliano wird noch heute auf Giglio aufbewahrt und verehrt (als silbern gefaßte Reliquie in der Kirche San Pietro Apostolo) und jedes Jahr mit einem rauschenden Inselfest gefeiert.

Auf Elba vertraut man dagegen weniger auf den zerrissenen Heiligen und legte sich Verstärkung zu: San Gaetano muß dem unvollständigen Mamiliano zur Seite stehen. Kurz nach dem blutigen Streit freute sich im übrigen noch ein dritter Ort über Mamilianos Segen: Während der Kämpfe fiel ein Arm des Heiligen ins Wasser und tauchte in der Arnomündung bei Pisa wieder auf – dort wird er nun in der Kirche San Matteo verehrt. (…)

(Natalie John in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 23. Dezember 2001)

Sind die Heiligen Dutzendware geworden? Wie kann man bei deren Vermarktung noch durchblicken? Wie kann man sie den Kindern näherbringen?

Dass die Kinder Wissensdurst und Informationsbedarf haben, zeigt der große Erfolg der Bücher, des Spielfilms und das Merchandising der Harry–Potter–Produkte. Doch fragt sich, ob es klug ist, Kinder ab 6 Jahren dem Okkultismus preiszugeben.
Nimmt man die Erfahrung mit „Benjamin Blümchen“ und „Harry Potter“ als Maßstab, so erkennt man, dass Kinder wissbegierig und empfänglich für jegliche Information sind, die ihnen spielend beigebracht wird. Dadurch entsteht eine pädagogische Verantwortung den Kindern gegenüber, der die Unterhaltungsindustrie nicht gerecht wird.
Die Welt der Heiligen wäre ein großartiges Betätigungsfeld für die Fantasie der Kinder, würden sie behutsam herangeführt.

Gewänne man den Heiligenlegenden dramatische und actionreiche Situationen ab, die den Heiligen und seine Motive den Kindern nahebringen, hätten wir pädagogisch bessere Vorbilder für unsere Kinder als die Produkte der Unterhaltungsmedien. Ein schier unerschöpfliches Arsenal bieten die Hunderte von Heiligen für ein derartiges Vorhaben. Man könnte es fortsetzen, indem man Ereignisse und Figuren aus der Bibel (etwa Kain und Abel, Abraham und Isaak, David und Goliath, Jesus im Tempel) kindergerecht aufbereitet.

Zur Autorin:
Nach Studienaufenthalt in London Übersetzerin und freie Journalistin. Barbara King schrieb Glossen und Hörspiele, bevor sie mit ihrem ersten Abenteuerroman Mustafa, das Sssuper-Kamel an die Öffentlichkeit trat. Das tiefe Empfinden für Fremdsprachen ließ sie u.a. sogar Arabisch lernen. Dabei entwickelte sie eine besondere Liebe zum Orient, wohin sie mehrere Studienreisen unternahm. Dies fand seinen Niederschlag in Mustafa und ihrem nächsten Abenteuerroman Das Geheimnis des grünen Skarabäus.
Pater Jerôme ist der gelungene Versuch, das Mittelalter dem Leser von heute in verschmitzter, frecher, fast frivoler Art zu vermitteln.

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