Ein Roman von Helmut Stauder
(Crossover)
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Angebotstext
Ein Tangoroman aus Deutschland?
Bei diesem Autor ist alles möglich, denn er verfügt über die schwarze Magie des Wunderbaren. Und er hat lange genug in Argentinien gelebt, um von dem Virus der unheilbaren Melancholie angesteckt zu werden. Danach ist die Welt eine andere, etwas wunderbar Wirkliches, das real und fantastisch zugleich ist, das unser Leben zum Resonanzboden eines Flügels macht, den ein anderer spielt. Wir sehen ihn im Spiegel. Ein alter, weißhaariger Mann in dunklem Anzug mit Fliege … beginnt zu spielen. Heftig zunächst, rhythmisch mitreißend, bedrohlich schon fast, brutal. Doch dann, auf einmal nachgiebig und weich verklingend, schmeichelnd, zart.
Das Spiegelbild erlischt, die Melodie verklingt im Traum.
Traumatisiert durch den tragischen Verlust seiner Frau, wagt der Kontrabassist Rudolf Engel einen Neuanfang in Buenos Aires. Er findet eine Anstellung als erster Bassist im Sinfonieorchester des Teatro Colón und lernt die Tangosängerin Soledad Escobar kennen. Bald sind die beiden der festen Überzeugung, die Liebe ihres Lebens gefunden zu haben. Er zieht zu ihr.
Eine gespenstische Szene auf dem Friedhof von Chacarita vor der Bronzestatue von Carlos Gardel, in der die Seele seiner verstorbenen Frau sich als Vogel materialisiert hat, die Liebe Soledads und eine traurige Geschichte, die sie ihm erzählt, lösen endlich Rudolfs Trauma. Er nimmt einen neuen Namen an: Angel Ridolfi.
Nach einer faszinierenden Tangoshow in San Telmo, dem Künstlerviertel, werden Angel und Soledad im Taxi überfallen. Dabei rettet Angel dem Taxifahrer, einem Indianer, das Leben.
Bei einem Sonnenaufgang am Rio de la Plata steigt in Angel eine Gewaltszene aus der Kindheit auf, in der er von jugendlichen Rowdys gefesselt und gefoltert wird. Als er sich endlich befreien kann, begegnet er auf dem Nachhauseweg der magischen Fantasiegestalt eines Narren, der sein, Rudolfs, Gesicht hat und dumpfe Zukunftsahnungen in ihm auslöst. Angsterfüllt rennt Angel nach Hause und ist glücklich, Soledad lebend vorzufinden. Die Liebe scheint unendlich und ewig zu sein.
Angel spielt mit großem Erfolg im Colónorchester, schließt sich auf Vermittlung Soledads einem Tangotrio an und spielt Melodien, die er nie zuvor gehört hat, als sei der Tango schon immer in ihm gewesen. Ein gemeinsamer Auftritt begeistert das Publikum. Beflügelt vom Erfolg beschließt das Paar, eine Kurzreise zu den Wasserfällen von Iguazú zu unternehmen.
Als Angel das Geld dafür holt, wird er von einem Gaunerpärchen, einer Hure namens Maria und einem Gaucho, überfallen, ausgeraubt und in einen Keller gesperrt, von dem aus er spät in der Nacht als Gefangener unter großer Verzweiflung dem Auftritt des Trios mit Soledad als Sängerin zuhören muss.
Am nächsten Tag erscheint das Gaunerpaar mit dem Taxifahrer aus dem Überfall, dem Indianer, dem Angel das Leben gerettet hat. Er erkennt Angel und befreit ihn. Dabei kommen er selbst und der Gaucho nach einem Zweikampf ums Leben.
Angel hastet zu Soledads Wohnung zurück, geplagt von Ahnungen, die eine erneute Erscheinung des Narren ausgelöst hat.
Das Haus ist abgebrannt, Soledad ist tot. Angel holt seinen Bass und spielt für sie zum Abschied ihre Tangos, dann verbrennt er das Instrument.
Angel flüchtet nach Süden, durch Patagonien, bis ans Ende der Welt bei Ushuaia. Dort, an einem Strandabschnitt, trifft er Maria, die Hure. Sie will ihn erschießen, doch die Kugel geht durch ihn hindurch, und er verwandelt sich in einen Riesenvogel, der in den Wolken verschwindet. Und Maria löst sich auf im Nebel unter der Morgensonne. Oder im Nebel unter dem Traum. Dem Tangotraum.
Wer hat ihn geträumt?Es muss Helmut Stauder gewesen sein.
Wer ist Helmut Stauder?Helmut Stauder wurde 1952 in Bayreuth geboren. Studium der Germanistik und Anglistik in Erlangen. 1980 Erstanstellung am Gymnasium in Penzberg, Oberbayern. 1989 – 1994 Auslandsschuldienst in Buenos Aires, Argentinien. Seit 1994 gymnasialer Schuldienst in Hösbach bei Aschaffenburg in den Fächern Deutsch, Englisch und Spanisch.
Diverse Kurzprosa–Veröffentlichungen (eine Auswahl):
Titi in: Seltsame Geschichten – oder was ich schon immer erzählen wollte. Verlag Roman Kovar. Eglingen 2003
Teddy sagt ... in: Geschwister – Wilde Geschichten. Ueberreuter Verlag, Wien 2005
Lass uns den Streit begraben in: Gefährliche Gefühle. Anthologie zum Agatha Christie Preis. Fischer Verlag, März 2006
Veröffentlichungen von Kurzgeschichten in über zehn Anthologien
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