Ein Roman von Bruno Wendt

(Crossover)

Anschläge: ca. 597.967
Manuskript im Word-Format

Angebotstext

er ist alt und allein. Er hat weder Sohn noch Tochter. Aber er verfügt über eine „Workstation“ mit einer multimedialen Technik, die ihn in dem Glauben bestärkt, die störenden zehn Zentimeter am Computer zu überwinden und leibhaftig in seine selbstgeschaffene, virtuelle Welt einzudringen. Dort im „Jenseits“ verschafft er sich ewige Jugend und sucht mit seinem verjüngten Konterfei weltweit nach Kommunikation.

Diese findet er bei der Berliner Professorin Sigune Maget, die sich permanent weigert, ein Bild von sich zu faxen, und bei der mit Robert verheirateten Jeschi Wagenknecht, seiner „Tastatur-Geliebten“, die ihm ihre Schönheit in endlosen Bilderfolgen aufdrängt. Beide, Sigune und Jeschi, geben ihm einen Korb, mit ihm eine Reise durch die West-Türkei zu unternehmen. Deshalb schafft er sich mit den Mitteln der Animationskunst eine Reisegefährtin, die er „Gondwi Mud“ nennt. Obwohl sie gemeinsam in vielen prekären Situationen einer Gruppenreise als Liebespaar auftreten, kommt es nicht zu der gewünschten sexuellen Erfüllung.

Vereinsamt und resigniert widmet er sich ganz der Computerkunst. Der staunenden und nachfragenden Usergemeinde, zu der auch Sigune und Jeschi gehören, erzählt er in Fortsetzungsfolgen die Lebensgeschichte und Liebesaffären des abgefallenen Priesters und späteren Professors für Mathematik, Avan, zu denen auch die ungewöhnliche Dreierbeziehung mit den Reiseleiterinnen Christa und Uschi in Ost-Berlin zählen.
Im weiteren Verlauf übernimmt Mudli, ein virtuelles Geschöpf, als Doppelgänger und Stellvertreter die Rolle seines „Vaters“, der sich zurückzieht und nur in Notfällen eingreift. Zuerst muss Mudli nach seiner Ich-Werdung in die Lehre nach Silicon-Valley. Unter Anleitung des Cyborgs Herzi, seiner Lehrmeisterin, liefert Mudli nacheinander kunstvolle Animationen ab, die alle mit Avan, Sigune, Jeschi und mit seiner vermeintlichen Mutter Gondwi Mud, der Rechtsanwältin aus Xanten, zu tun haben: In Wesel begleitet er diese zu dem Prozess gegen Robert Wagenknecht, der wegen Misshandlung seiner Ehefrau Jeschi vor Gericht steht. Der Autohändler war auf den Chatflirt mit Mudlis Vater eifersüchtig. Ihn erwartet eine Gefängnisstrafe. Um diesen seinen Vater kennenzulernen, simuliert Mudli ein Familien-Treffen im römischen Amphitheater von Birten. Während er mit Jeschi und Gondwi die Zuschauerrolle einnimmt, führen sein Vater in der Verkleidung des Casanovas, Avan in der des Don Juans und überraschenderweise Robert Wagenknecht in der eines Dieners eine pikante Sexszene vor.

Mudli entwirft sogar eine Episode, die an der Humboldt-Universität spielt, wo Sigune eine Vorlesung über „feministische Theorie“ hält und Avan als Gast unter lauter Frauen in der ersten Reihe sitzt. Als Glatzköpfe mit Baseball-Schlägern die Veranstaltung stürmen, will Mudli handgreiflich werden. Die anwesenden Frauen solidarisieren sich und werfen die Störenfriede ohne männliche Hilfe hinaus.
Zum Kampf um Leben und Tod kommt es, weil der auf Vater und Sohn eifersüchtige Ehemann Jeschis, Robert Wagenknecht, auch Mudli verfolgt und in eine Falle zu locken versucht. Der inzwischen aus dem Gefängnis ausgebrochene und zum Computerfreak gewordene Autohändler manövriert Mudli in den Keller der Wagenknechts. Auf dem Speicher hat Robert sich eine Workstation eingerichtet, von der aus er mit allen technischen Raffinessen seinen vermeintlichen Widersacher vernichten will. Mudli kann aber aus dem Haus entkommen.
Da „Daddy“ sich nichts sehnlicher als eine Tochter wünscht, wird Mudli im Spiegelsaal von Stanford zur Frau umgewandelt und entsprechend eingekleidet. Alle außer Avan schauen aus den Spiegeln heimlich zu, wie aus Mudli „Ildum“ wird, eine Namenumkehrung, die „sie“ mit Lippenstift an einen der Spiegel schreibend, selbst erfindet. Als Frau kann sie sich nun unerkannt auf Spurensuche nach Robert begeben. Dieser soll sich mit einem Lastwagen voller Geräte nach Lubmin abgesetzt haben. Sie trifft ihn tatsächlich an der Ostsee und beginnt absichtlich einen Flirt mit ihm. Als Robert die schöne Blonde vergewaltigen will, schlägt sie ihn mit Manneskraft zusammen, vergisst aber, dessen Computerprogramme zu löschen - ein verhängnisvoller Fehler.

Danach schwingt sie sich zur Meisterschaft auf, indem sie auf einer CD-ROM Avan zu Ehren noch einmal alle Figuren im Zuschauerraum oder auf der Bühne der Mercatorhalle versammelt, selbst Robert in Fesseln zwischen Polizisten und auch die Hure Gerda, vor der sich Avan einst ekelte. Nun kann dieser ganz Priester sein, der seine Gemeinde segnet. Den Vater lässt sie noch einmal in der Gestalt von Casanova als denjenigen erscheinen, der er in Wirklichkeit ist: Als einen alten, einsamen Mann.
Um Rache für ihre von Robert liquidierte Gondwi Mud zu nehmen, lässt Ildum sich auf ein erneutes virtuelles Treffen mit Robert ein. Im „Saal der tausend Augen“, durch den einst ihr Vater auf seinen eigenen Abenteuerfahrten glitt, wird sie für einen Augenblick in Mudli zurückverwandelt, bevor Roberts Virenprogramm alles vernichtet.
Nur der Schöpfer von allem bleibt vereinsamt übrig.

„Der Monadenkönig“ packt mit der Auflösung der geographischen Verortung und der Dislozierung in den Cyberspace als neues digitales Universum ein großes Thema der Gegenwart und Zukunft an.
Man sollte ihn deshalb auf keinen Fall unter Science-fiction zu fassen versuchen; auch deshalb nicht, weil innerhalb vieler Handlungsstränge genügend bundesdeutsche Realitäten (in West- und Ost-Berlin, in Köln, im Gerichtssaal von Wesel, im Deutschen Museum zu München und in den Denkfabriken des deutschen Silicon Valley in Duisburg-Rheinhausen) auftauchen.

          Zum Autorenprofil