Das Flannery Fragment
Ein Roman von Frieder Faist
(Crossover)
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Angebotstext
also stellen Sie sich vor, da wird ein Sergeant namens Flannery vom NYPD erschossen (den Grund wissen wir im Moment nicht), ins Jenseits befördert mit einem Revolver und steht nun just in dieser etwas unheimlichen Gegend (man weiß halt über ihre Risiken und Nebenwir-kungen wenig), um so einer Krähe von Registrierungsbeamten ins Auge schauen zu müssen, der einem mitteilt (noch dazu äußerst unfreundlich, so daß Flannery am liebsten gleich umge-bucht hätte), daß er ein Produkt eines völlig erfolglosen Krimiautors sei, der bei dem Versuch, eines seiner grottenschlechten Machwerke an den Leser zu bringen jämmerlich zu scheitern pflegte, was Flannery natürlich unangenehm ist (wer will schon der Held eines unfähigen Au-tors sein?), und um noch eins drauf zu setzen holt sich diese Aaskrähe ein Info aus dem Rech-ner, aus dem hervorgeht, daß Flannerys Urheber kurz vor seinem weltlichen Abgang noch ein unschuldiges Stück Papier mit seinen psychopathologischen Ergüssen besudelt habe, ein Fragment (der geneigte Leser ahnt, daß es sich hierbei um das Flannery-Fragment handelt), schließlich habe er erst kurz vor seinem Exitus sich erneut seinen megalomanischen Schreib-versuchen hingegeben, so daß glücklicherweise kein neuerliches größeres Unheil habe entste-hen können, wenn er wolle, könne er es, bevor es im Orkus des Vergessens verschwinde, noch rechtzeitig aus dem Fiction-Net rausfischen und ausdrucken, was Flannery mit gebote-ner mürrischer Geste (so, wie der ihn behandelt hat!) gestattet, schließlich interessiert es ihn doch, was man vor seinem letalen Abgang über ihn geschrieben hat (merkwürdigerweise hat er keine Erinnerung mehr an sein Hinscheiden, aber das kann auch daran liegen, daß man sich an den Tod erst gewöhnen muß), also liest er vor den Augen dieser verdammten Mistkrähe mit klopfendem Herzen (Dank sei den kritischen Kollegen für den Hinweis auf die biologi-sche Unmöglichkeit dieses Vorgangs!), er liest also mit atemloser Spannung posthum das (wie es sich noch herausstellen wird) berühmte Flannery-Fragment, das sich im übrigen als der Anfang eines Romans herauskristallisiert, den Ihnen anzuempfehlen, ich das Vergnügen habe, handelt es sich doch immerhin um Frieder Faist, dessen bei Haffmans erschienener Roman "Schattenspiele" mit dem Deutschen Krimi-Preis ausgezeichnet wurde und dessen überbordender Humor und urgewaltige Fabulierfreude stark an Flann O'Brian erinnern läßt (er ist wie jener ein glänzender Dialogschreiber, eine Tatsache, von der zahlreiche ausge-strahlte Hörspiele profitiert haben, was seinen Ruf als einer der produktivsten Hörspielschrei-ber gefestigt hat; aber er ist auch ein fleißiger Romancier, wie seine Romane "Nebenrollen", "Der Ersatzmann", "Ehrensache", "Doppelt oder tot" (Flannery?) "Einer will's gewesen sein" (Flannery jedenfalls nicht) beweisen (sämtlich erschienen bei Haffmans).
Ein langer Satz zur kurzen eindringlichen Anempfehlung eines an irrwitzigen Volten reichen Romans (an dem Voltaire, der große Meister der Volte sein helles Vergnügen gehabt und es möglicherweise auf den Slogan gebracht hätte: Stellen Sie sich vor, Sie sind tot und leben noch. - Welch spannende Vorstellung!)
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